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Erste Hardrockshow bei „Freundin Gloria“

Mit den Scorpions gab es ein Experiment im Schlosshof. Das volle Haus war am Ende aus dem Häuschen – trotz Dauerregens.
Von Norbert Lösch, MZ

  • Im Trocknen lässt sich’s gut rocken: Scorpions-Frontmann Klaus Meine und sein Saiten-Trio auf der Schlosshof-Bühne. Fotos: altrofoto.de
  • Volle Tribüne – viele Besucher hatten sich Regenponchos übergezogen. Foto: altrofoto.de
  • Die Scorpions heizten ein. Foto: altrofoto.de
  • Ein Novum: Eine Rockband auf der Schlosshof-Bühne Foto: altrofoto.de
  • Rudolf Schenker ist und bleibt ein Freund der Flying-V-Gitarre. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Erkenntnis Nummer eins: Auf den Regensburger „Sommer“ ist Verlass. Am Samstagabend hat es exakt zwei Stunden geregnet – vom Anfang bis zum Ende des Scorpions-Gastspiels im Schlosshof. Erkenntnis Nummer zwei: Die Premiere eines Rockkonzerts bei den Festspielen ist gelungen – aber nicht uneingeschränkt.

Edel-Ambiente und Rocker-Kutten – passt das zusammen? Das war die Frage vor dem Konzert der mit Abstand erfolgreichsten deutschen Band. Dem gewöhnlichen Rockfan waren die Tickets viel zu teuer, und er braucht auch keine Schampus-Bar. Scorpions-Sänger Klaus Meine war ziemlich angetan von der Location und freute sich auf das Spektakel „bei meiner Freundin Gloria“. Bevor der Vorhang fiel und er den Opener „Going Out With A Bang“ anstimmte, deutete die Szenerie auf alles mögliche hin, nur nicht auf ein Rockkonzert.

Impressionen vom rockigen Abends mit den Scorpions finden Sie hier:

Scorpions in Regensburg: Die Bilder des Abends

Viele Besucher schützten sich mit Schlossfestspiele-Ponchos vor dem einsetzenden Regen, die kollektive Suche nach dem richtigen Platz auf der schließlich proppenvollen Tribüne glich einer Prozession weiß gekleideter Kapuzenträger, die erst einmal ihren Sitz trockenwischen mussten. Sündteure Paillettenkleider verschwanden unter dem Plastikgewand, aus dem im Fall der Gastgeberin nur eine extravagante Ballonmütze herausragte.

Bewährt: Kracher zum Einstieg

„Make It Real (Or Fantasy)“: Die zweite Nummer der Scorpions passt zur skurrilen Szenerie. Die Hannoveraner legen mit ein paar Hardrock-Songs los, so wie sie es auf ihrer 50th Anniversary World Tour auch drei Tage zuvor in Piräus taten und demnächst in Nordeuropa tun werden. Klaus Meine und Bandgründer Rudolf Schenker sind seit Jahrzehnten im Geschäft und alte Hasen genug, um zu wissen, dass das Publikum mit bekannten Krachern am schnellsten zu gewinnen ist.

„The Zoo“, „Coast To Coast“, dann ein Medley mit Songs aus den 70ern – spätestens bei „Steamrock Fever“ kommt Bewegung in die Tribüne. Derweil verteilt Klaus Meine großzügig Drumsticks an die erste Reihe und formiert sich mit Schenker, Leadgitarrist Matthias Jabs und dem relativ neuen Bassisten Pawel Maciwoda zum Foto-Posing am Bühnenrand. Meine weiß, was die Fans wollen: Fotos zur Erinnerung an eine Band, die mehr als 100 Millionen Tonträger verkauft, geschätzte 5000 Konzerte gespielt hat und die schon seit sechs Jahren wahlweise das Ende oder den Rückzug vom Rückzug verkündet.

Sehen Sie im Video Ausschnitte des Auftritts der Scorpions!

Schlossfestspiele-TV: Rock im Castle

Schon Anfang der 80er Jahre hatte der heute 68-jährige Sänger seine Karriere nach zwei Stimmband-Operationen um ein Haar beenden müssen. Von neuerlichen Problemen mit den Stimmbändern genesen, treibt er mittlerweile seine Band und das Publikum an wie immer. Nur mit dem Mitsingen will es nicht recht klappen: Offenbar sitzen in den ersten Reihen zwar viele gut betuchte Event-Freunde und Ehrengäste, aber kaum wirkliche, textsichere Fans.

Im zweiten Drittel schaltet die Band mindestens einen Gang zurück. Sie verstärkt sich um drei Gastmusiker und präsentiert einen Akustik-Set mit bis zu vier Gitarristen. Das macht zwar optisch was her, ist aber nicht zwingend notwendig. Schon gar nicht für „Always Somewhere“, einem Song von der 1979 erschienen LP „Lovedrive“. Der ist bei vielen Fans unter den Top-Favoriten und gilt zu Recht als eine der besten Powerballaden, die die Scorpions je hervorgebracht haben.

Schlossfestspiele-TV sammelte Eindrücke in Echtzeit beim Abend mit den Scorpions: hier ein Video.

Schlossfestspiel-TV: Tag 9

Seit „Lovedrive“ ist Matthias Jabs Leadgitarrist der Band. Er und vor allem Rudolf Schenker verkörpern als Saiten-Fraktion noch weit mehr als Klaus Meine das Klischee vom energiegeladenen Rockstar, der alles gibt. Dass Schenker dabei manchmal über das Ziel hinausschießt und zum Beispiel einer seiner vielen Gitarren eine rauchende Röhre verpassen ließ, werden wohl nur hartgesottene Scorpions-Fans goutieren. Für andere sind das überflüssige Mätzchen.

Eindruck hat da schon eher Mikkey Dee gemacht. Der frühere Motörhead-Schlagzeuger ist im Mai für den etatmäßigen Drummer James Kottak eingesprungen. Der wiederum pausiert, weil er endlich sein Alkoholproblem angeht. Sein Nachfolger ist ebenfalls ein harter Knochen und bearbeitet Felle und Becken, als gäbe es kein Morgen. Allerdings klang sein Drumset hinter einer Plexiglaswand anfangs etwas dumpf und hölzern, was die Mischer bis zu seinem gefeierten Solo aber halbwegs in den Griff bekamen.

Klaus Meine erzählte zwischen den Songs ein paar Anekdoten. Zum Beispiel die vom Flug nach Wladiwostok, in das die Scorpions 2009 zusammen mit Alice Cooper und seiner Band aufbrachen. Da habe sich der ansonsten ja so furchtlose Schockrocker ziemlich in die Hosen gemacht, als es das Flugzeug bedenklich schüttelte. Und am Ende der Odyssee seien alle wieder am Ausgangspunkt gewesen, weil es in Wladiwostok wegen des schlechten Wetters keine Landeerlaubnis gab.

Bewegung auf der Tribüne

Eine Punktlandung legten die Scorpions dagegen im Schlosshof hin. Neben dem unvermeidlichen „Wind Of Change“ gaben sie mit „Big City Nights“ und „Rock You Like A Hurricane“ noch einmal Gas. Mit „Still Loving You“ spielten sie zudem eine weitere Powerballade, die bei den Fans seit Jahrzehnten ankommt. Die standen dann auch auf und bewegten sich unter ihren Plastik-Kutten – ganz so wie es sich bei einem richtigen Rockkonzert gehört.

Alle Nachrichten zu den Schlossfestspielen 2016 finden Sie hier.

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