MyMz
Anzeige

Nur das Charisma der „Fab Four“ fehlte

Beatlemania bei den Schlossfestspielen – mit dem Erfolgsmusical „All You Need Is Love!“ und der Tribute-Band „Twist & Shout“.
Von Gunther Matejka, MZ

50 Jahre nach dem letzten Beatles-Konzert in Deutschland gab es so etwas wie eine Beatlemania im Schloss.
50 Jahre nach dem letzten Beatles-Konzert in Deutschland gab es so etwas wie eine Beatlemania im Schloss. Foto: altrofoto.de

Regensburg.„Die einzige Band in der Musikgeschichte, die mit ihrer Musik eine Revolution ausgelöst hat, waren die Beatles.“ Das Zitat stammt aus berufenem Munde, vom kürzlich verstorbenen Mitbegründer der Eagles, Glenn Frey. Ein bisschen von dieser Revolution schwappte auch am 18. Juli in die nahezu ausverkaufte Freiluftarena der Thurn und Taxis Schlossfestspiele – mit dem gut zweieinhalbstündigen Musical „All You Need Is Love“ und der amerikanischen Beatles-Tribute-Band „Twist & Shout“.

Das von Bernhard Kurz geschriebene Musical feierte im Jahr 2000 seine Premiere auf der Seebühne am Chiemsee; seit 2001 ist das Tribute-Spektakel auf Tour. In über 1000 Vorstellungen erlebten weltweit über eine Million Besucher den liebevoll nachgezeichneten Aufstieg der Liverpooler Schülerband zur globalen Musik-Sensation. Gute Unterhaltung, bei der sogar Beatles-Kenner noch etwas lernen dürften (zum Beispiel, dass der deutsche Bandleader Bert Kaempfert die Beatles zunächst unter Vertrag hatte). Im Mittelpunkt der Show steht aber natürlich der mit zahlreichen Perlen bestückte Song-Katalog der vier Pilzköpfe.

„Get Back“ als Anheizer

Selbst Petrus scheint ein Beatles-Fan zu sein. So ist es, wie es sich ja eigentlich für den Hochsommer gehört, angenehm warm, als um 20.40 Uhr ein eigenartiger Geselle die Schlossfestspiele-Bühne betritt: lange, schwarze Haare, Mittelscheitel, Dschingis-Khan-Bart, signalroter Friesennerz. Eine Mischung aus Leslie Mandoki und einem Feuerlöscher. Der Mann winkt ins Publikum und nimmt hinter dem auf einer Empore erhöht aufgebauten Schlagzeug Platz, um einen etwas hölzernen Beat zu zimmern. Kenner der Materie – und davon gibt es im fast vollen Auditorium offenbar viele – identifizieren die Wirbel über die Toms schnell als den Groove von „Come Together“, einem der letzten Beatles-Hits.

Mehr Bilder vom „Beatles“-Abend der Regensburger Schlossfestspiele finden Sie hier:

Beatles-Musical: Die Bilder des Abends

Nach wenigen Takten erscheinen die Kollegen. Der eine im zwei Nummern zu großen grauen Anzug, der andere mit Felljacke und Nickelbrille, der dritte trägt rotes Hemd zur grünen Hose. Natürlich haben diese modischen Entgleisungen ihren Grund, wie die hinter der Bühne installierte Großleinwand schnell klar macht: Die aus Amerika stammende Beatles-Tribute-Band „Twist & Shout“ spielt zum Auftakt der Show den letzten Live-Auftritt der Beatles nach. Es war, wie Beatles-Jünger wissen, ein verwegener Abgang aus dem Tour-Geschäft: ein nicht genehmigtes Konzert auf dem Dach ihrer Londoner Plattenfirma an einem kalten Januartag anno 1969. Von den damals 13 gespielten Songs präsentierten diese amerikanischen Beatles-Wiedergänger drei zum Auftakt, darunter auch – als zuverlässigen Anheizer – den Klassiker „Get Back“.

Beatlemania auf Schloss St. Emmeram: Wir haben einige Eindrücke vom vierten Tag der Schlossfestspiele in einem Video zusammengefasst:

Beatles-Musical: So war Tag 4

Das Publikum ist sofort dabei, klatscht, wippt, kreischt. Ein Hauch von Beatlemania macht sich sofort breit. Doch kaum hat man sich in dieser kompetent dargebotenen Retro-Kulisse eingerichtet, kommt ein Break: Dunkle Bühne, die Musiker verschwinden in der Kulisse. Auf der Leinwand erscheinen unheilschwangere Zeitungsartikel aus dem Jahr 1969. Sie verkünden nicht das Ende der Welt, aber dann doch das Ende der Beatles – was damals für viele Musikfans auf das Gleiche hinauslief. Davon erzählt auch ein Roadie, der im weiteren Verlauf des Stücks immer wieder Erklärungen und Hintergrundinformationen einstreut.

Nach dem fulminanten Ende der vier Legenden zum Auftakt ist es nun Zeit für den Rückblick. Auf die Anfangstage, auf die ersten Bandversuche und auf die Beatles, als sie in Hamburg noch die Begleitband für den Möchtegern-Elvis Tony Sheridan gaben. In Lederjacken und Jeans rocken die vier so druckvolle Rock’n’Roll-Klassiker wie „Skinny Minnie“, „Let’s Dance“ und „Roll Over Beethoven“, dass Hausherrin Fürstin Gloria von Thurn und Taxis vor der Bühne kein Halten kennt.

Stuart Sutcliffe, erfährt man, war damals noch in der Band. Und hinter dem Schlagzeug saß die tragische Figur des noch vor dem großen Durchbruch gefeuerten Pete Best. „Er war einfach nicht gut genug“, attestierte der als fünfter Beatle gehandelte deutsche Musiker und Beatles-Intimus Klaus Voormann kürzlich in einem Interview, „erst Ringo brachte den Swing in die Band, er hatte auch diese bestimmte Aura“.

Live dabei war die Mittelbayerische Zeitung mit Schlossfestspiele-TV

Schlossfestspiele-TV: Tag 4

Ja, das ist wohl das Geheimnis der Beatles: die Aura, das Charisma. Das zeigt sich auch bei dieser allemal gelungenen Show. Charisma lässt sich nicht wie eine Perücke über den Kopf streifen, nicht wie einen falschen Bart ankleben. Es lässt sich auch nicht durch Verwendung originalgetreuer Klamotten und Instrumente einfangen. Charisma ist: die härteste Währung im Showbusiness. Es trennt Musiker von Stars, Könner von Genies – und natürlich auch Epigonen wie die tadellos spielende „Twist & Shout“-Band von den echten Beatles.

Das dürfte den Musikern dieser Musical-Inszenierung freilich bewusst sein. Schließlich müssen sie sich im Verlauf der gut zweieinhalbstündigen Show regelmäßig mit ihren genialen Vorbildern vergleichen lassen, denn Original-Beatles-Videos sind fester Bestandteil der Show. Am nächsten an die Blaupause reicht noch Alan LeBoeuf als Paul McCartney. Dem aus New Jersey stammenden Musiker und Sänger gelingt in einigen Songs tatsächlich die perfekte Illusion, dass man einem Beatles-Konzert beiwohne. Dennoch gilt: Kaum tauchen John, Paul, George oder Ringo in den flimmernden, häufig in schwarz-weiß gehaltenen Archivaufnahmen auf Leinwand auf, wandert das Auge spontan von den lebendigen Bühnen-Beatles-Mimen zu den historischen Aufnahmen.

Songs für die Ewigkeit

Charisma. Die Beatles hatten einfach mehr als genug davon. Und nicht nur das. Über das musikalische Talent der Vier sind ganze Bücherregale voll geschrieben worden. Nun wird auch in dieser Inszenierung deutlich, dass diese Band in ihrer relativ kurzen Schaffensphase Melodien für die Ewigkeit erfunden hat. Songs wie „She Loves You“, „I Want To Hold Your Hand“, „A Hard Day’s Night“, „Penny Lane“, „Sgt. Pepper’s Lonely Heart Club Band“, „Yesterday“, „All You Need Is Love“, „Back In The U.S.S.R.“, „Lady Madonna“, „Hey Jude“ oder – jenes Glenn Frey-Zitat bestätigende – „Revolution“. Alle kommen sie zum Zuge, sie zünden und begeistern und sie entfachen 50 Jahre nach dem letzten Beatles-Konzert in Deutschland wieder so etwas wie eine Beatlemania.

Alle Nachrichten zu den Schlossfestspielen 2016 finden Sie hier.

Sie haben selbst keine Karten für die diesjährigen Festspiele? Mit unserem NewsBlog sind sie trotzdem quasi live dabei - hier:

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht