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Ovationen für eine Weltklasse-Stimme

Bravo-Rufe und Standing Ovations: Mit dem Startenor Piotr Beczala und den Hofer Symphonikern endete die Konzertreihe 2015.
von Andreas Meixner, MZ

Weltklassetenor Piotr Beczala beschloss die Thurn und Taxis Schlossfestspiele am Sonntagabend mit einer gefeierten Operngala.
Weltklassetenor Piotr Beczala beschloss die Thurn und Taxis Schlossfestspiele am Sonntagabend mit einer gefeierten Operngala. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Als „absolut lyrischster Tenor unserer Zeit“ wird Piotr Beczala von der internationalen Presse gefeiert. „Ein glorreicher Gesang, wie man ihn heute nicht mehr erwartet.“ Blickt man auf die Stationen seiner Karriere, findet sich nahezu alles, was zu einer herausragenden Weltkarriere gehört: Salzburger Festspiele, Metropolitan Opera, Covent Garden und Mailänder Scala finden sich mit großer Selbstverständlichkeit im übervollen Terminplan.

Reinhard Söll hat den polnischen Ausnahmetenor trotzdem heuer zum Finale der vielleicht stimmungsvollsten Thurn und Taxis Schlossfestspiele der letzten Jahre nach Regensburg locken können. Spannend, zumal wenige Tage vorher mit dem 74-jährigen Placido Domingo der immer noch strahlende Übervater gastierte und das Publikum mühelos zu begeistern verstand. Freilich stellte sich der Altstar ein etwas bequemeres Programm zusammen, Duettpartner standen ihm zur Entlastung bei.

Souverän durch alle Stimmregister

Beczala hingegen bot nahezu alle großen Arien seines Fachs auf und versetzte die Zuhörer schon mit den ersten Takten der Arie „Di´ tu se fedele“ aus Verdis Oper „Un ballo in maschera“ mit der Makellosigkeit und Schönheit seines Gesangs in Verzückung. Mit feinsten, dynamischen Facetten gelang es ihm durchwegs, die tiefe Dramatik der Szenen auszuleuchten, ging trotz fehlender Theaterbühne völlig in den Charakteren auf. Souverän spazierte er durch alle Stimmregister, im feinsten Piano benutzte er seine Kopfstimme wie ein Florett. Seine schmachtende Miene dürfte für so manchen tiefen weiblichen Seufzer auf der Tribüne gesorgt haben.

Natürlich zielte der Spannungsbogen des Abends gekonnt auf den zweiten Teil des Programms, wo mit „La fleur que tu m´avais jetée“ aus „Carmen“, „Salut! Demeure chaste et pure“ aus aus Gounod´s „Faust“ sowie das Gebet des Rodrigue aus „Le Cid“ große Hits warteten, bis es auf der Zielgeraden bei den Arien „E lucevan le stelle“ und dem fast unvermeidlichen „Nessun dorma“ aus Puccinis „Turandot“ die Menschen im Schlosshof von den Stühlen riss.

Der Jubel war verdient: Beczala machte nicht einen Moment den Eindruck, ein Open-Air-Konzert auf die leichte Schulter zu nehmen und in Routine abzuarbeiten. Er gab sein Bestes für das Regensburger Publikum – und das war Weltklasse auf sensationellem Niveau.

Das große Orchester hatte Mühe

Nicht ganz mithalten konnten dagegen die Hofer Symphoniker unter der Leitung von Marc Piollet. Ihnen steckte offensichtlich eine lange Saison in den Gliedern, sie wirkten dynamisch und rhythmisch oft träge, manches Mal unpräzise. Mag sein, dass auch die ungewohnten akustischen Gegebenheiten einer Freiluftbühne für ein exaktes Miteinander nicht immer ideal waren. Jedenfalls arbeitete sich der große Orchesterapparat nur mühsam durch die Ouvertüren und Orchesterstücke von Verdi, Berlioz, Bizet und Rossini.

Dirigent Mark Piollet mühte sich redlich, die gelegentlich schwerfälligen Hofer Symphoniker auf seinen Kurs zu bringen.
Dirigent Mark Piollet mühte sich redlich, die gelegentlich schwerfälligen Hofer Symphoniker auf seinen Kurs zu bringen. Foto: altrofoto.de

Die Orchestermusiker ließen dem bemühten und sauber gezeichneten Dirigat von Piollet keine Chance. Klar, das geschah alles auf einem immer noch soliden und insgesamt hohen Niveau – aber eben auch nicht mehr. Für ein Orchester dieser Güte in der Gesamtschau sicher zu wenig. Den Zuhörern auf den steilen Rängen dürfte das egal gewesen sein, der Star des Abends war ohnehin ein anderer. Und der ließ sich nicht lange um Zugaben bitten und bedankte sich mit dem Operettenschlager „Dein ist mein ganzes Herz“, und einem nochmaligen „Nessun dorma“, bevor die Schlossfestspiele 2015 endgültig zu Ende gingen.

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