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Schlossfestspiele
Freitag, 17. August 2018 30° 1

Jazz

Der Swingbär steppt im Schlosshof

Andrej Hermlins Swing Dance Orchestra beglückte das Publikum bei den Regensburger Schlossfestspielen mit der perfekten Show.
Von Susanne Wiedamann

David Hermlin begeisterte beim Konzert von Andrej Hermlin and his Swing Dance Orchestra singend und tanzend das Publikum. Foto: altrofoto.de
David Hermlin begeisterte beim Konzert von Andrej Hermlin and his Swing Dance Orchestra singend und tanzend das Publikum. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Die ersten Töne, die ersten Takte – und das Publikum der Regensburger Schlossfestspiele atmet beglückt auf. Bei Andrej Hermlins Swing Dance Orchestra passt einfach alles. Die Stückauswahl ist vom Feinsten, die Arrangements sind bestechend, die Tempi mitreißend und die Rhythmen fahren gekonnt unter die Haut. Schon die ersten Soli werden von den Zuhörern mit kräftigem Applaus quittiert.

Die Musiker sind alle hervorragende Instrumentalisten, die die Swingstücke aus den 30er- und 40er-Jahren des 20. Jahrhunderts mit Perfektion authentisch und doch so lebendig wiedergeben, dass die Zuschauer mitgerissen werden und schon nach Kurzem anfangen, genüsslich mit Köpfen und Füßen mitzuwippen. Und dazwischen liefert Pianist und Bandleader Andrej Hermlin Jazzgeschichte und -geschichten satt. Scheint der Auftakt dieses „Best of Swing“-Konzerts noch etwas verhalten, so geht kurz darauf die Post ab.

In unserer fünften Folge Schlossfestspiele-TV haben wir mit Andrej Hermlin gesprochen:

Schlossfestspiele-TV: Die fünfte Folge

Dass man zu Beginn den Eindruck hat, das Orchester spiele noch etwas zurückgenommen, ist vermutlich nicht nur der Konzertdramaturgie geschuldet, die dafür sorgt, dass das Programm kontinuierlich an Fahrt zulegt. Auch die Technik tut ihres dazu, dass das Publikum sich erst wieder in den Sound vergangener Tage „einswingen“ muss. Denn Authentizität ist bei Andrej Hermlin nicht nur bei der Spielweise, den Arrangements oder der schwarz-weiß gehaltenen Kleidung der Musiker oberstes Gebot. Auch die Mikrofone entsprechen den Originalen der damaligen Zeit. Und so näselt es eben manchmal ein wenig oder wirkt der Ton mal radiomäßig gedämpft.

Jugend swingt

Ein so großartiges Orchester, das nicht nur instrumental mit den berühmten Stücken der Big Bands von Benny Goodman, der Dorseys, von Glenn Miller, Artie Shaw oder Duke Ellington für Furore sorgt, sondern auch noch prägnant Backingvoices und Zwischenrufe einstreut, bietet den Gesangssolisten Sicherheit. Jung sind die Sänger in diesem Fall: Die 27-jährige Ann Sophie ist manchem noch als Teilnehmerin des Eurovision Song Contest 2015 in Erinnerung, wo sie nicht punkten konnte. Doch Andrej Hermlin hatte recht, die Künstlerin, die demnächst bei einer Flashdance-Musical-Tour mitwirken wird, zu verpflichten. Denn Ann Sophie hat das Zeug zur Jazzsängerin, auch wenn sie anfangs nur sehr zart beim Publikum ankommt.

Ann Sophie im klassischen Outfit konnte als Swingsängerin im Hof von Schloss St. Emmeram überzeugen. Foto: altrofoto.de
Ann Sophie im klassischen Outfit konnte als Swingsängerin im Hof von Schloss St. Emmeram überzeugen. Foto: altrofoto.de

Gleich bei „Heart and Soul“ zeigt die Interpretin, dass sie nicht nur eine schöne Stimme mit weichem Timbre hat, die optimal zu Hoagy Carmichaels Song passt, sondern dass sie sich in der Swingmusik zu Hause fühlt. Im Lauf des Abends steigert sie sich, beeindruckt mit lang angehaltenen hohen Tönen, erfreut mit dem unverwüstlichen „Bei mir bist du schön“ und weiß die Jazzfans mit „Clap your hands on the afterbeat“ rhythmisch zu instruieren. Nötig wäre das nicht gewesen, denn das Publikum wusste genau, wann es auf zwei und vier zu klatschen hatte. Viel Musikalität bewies sie vor allem in den Duetten – wie dem bezaubernden „Let’s call the whole thing off“ – mit David Hermlin.

Die Bilder des fünften Abends sehen Sie hier:

Die Bilder des fünftenTages im Schloss

Der heute 17-Jährige ist ein Phänomen, das die Regensburger schon bei den Schlossfestpielen 2014 bewundern durften. David Hermlin ist nicht nur als Sänger auf dem Weg, einmal ein ganz Großer zu werden. Während Ann Sophies Bühnenshow durchaus noch etwas Choreografie vertragen kann, tanzt und steppt der Sohn von Andrej Hermlin wie ein Wilder, übt sich charmant und witzig als Conferencier, dirigiert und pfeift, dass es eine Pracht ist, und erweist sich in dem Schelmenstück „Big noise from Winnetka“ im Duett mit Michael Waterstradt, dessen Kontrabass-Saiten er mit den Schlagzeugsticks anschlägt, auch noch als Drummer als eine Wucht.

Vielseitiges Ausnahmetalent

Die Karriere dieses Jungen will man unbedingt weiterverfolgen. Als Sänger hat er jetzt schon Klasse und beweist eine enorme Bandbreite, von schmelzendem Crooning bis zum atemberaubend schnellen Scat-Gesang in Cab Calloways Hi-De-Ho, mit dem er auch die Zuhörer stimmlich in ungeahnte Höhen treibt.

Ein bisschen stehlen die Vokalisten der Band die Show. Doch das Orchester swingt so oder so erstklassig und ist auch dank der ausgezeichneten Solisten so beeindruckend. Es kann dynamisch so fein differenzieren und Druck aufbauen, dass die Musik zum Sog wird, der einen nicht mehr los lässt. Da steppt der Bär. Ob mit Tuxedo Junction oder dem schönen „In the mood“ – Andrej Hermlin und sein Swing Dance Orchestra begeistern die Fans. Das hingerissene Publikum lässt die Musiker nach zwei Zugaben nur ungern gehen.

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