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Schlossfestspiele
Sonntag, 19. August 2018 32° 2

Konzert

Mit Anastacia zurück in die 2000er

Die Rockröhre hat es noch drauf: Nach kleinen Startschwierigkeiten springt der Funke zu den Schlossfestspiel-Besuchern über.
Von Andrea Rieder

Anastacia holte sich von insgesamt drei Backgroundsängerinnen Unterstützung. Foto: altrofoto.de
Anastacia holte sich von insgesamt drei Backgroundsängerinnen Unterstützung. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Anastacia zieht eine Schnute. Gerade hat sie das Konzert im Schlosshof eröffnet, und der erste Versuch, das Publikum aus der Reserve zu locken, ist verpufft. Kein Mucks drang von den Stuhlreihen zur Bühne, als es darum ging, den Refrain von „Left Outside Alone“ zu singen.

Dabei hat die Sängerin einen ihrer größten Hits für den Einstieg gewählt: Der Song hatte sich 2004 ganze 17 Wochen auf Platz zwei der deutschen Charts gehalten, ist seinerzeit im Radio rauf und runter gelaufen. An der Text- und Melodiesicherheit kann es also nicht liegen. Vielmehr erscheint das Publikum etwas perplex ob der unvermittelten Aufforderung. Die Künstlerin nimmt es den Regensburgern nicht krumm. Sie antwortet mit einem lässigen Schulterzucken und setzt ihre Power-Show fort. Und ab da läuft es für sie auch wie geschmiert.

Bilder vom Konzertabend mit Anastacia sehen Sie hier:

Anastacia rockt im Schloss

Anastacia beherrscht ihre Rolle als Entertainerin. Sie weiß, was beim Publikum funktioniert. Immer wieder sucht sie den Kontakt zu ihren Zuhörern und spricht ein paar Brocken Deutsch – auch wenn ihr „Dutsch“ echt „terrible“ (schrecklich) sei. Für ein gegurrtes „Regensburrrg“ und ein „Dankeschon“ reicht es aber allemal. Das Publikum quittiert die Mühen mit begeistertem Applaus.

Den Durchbruch in ihrer Heimat, den USA, hat Anastacia nie wirklich geschafft. Dafür war sie in Europa umso erfolgreicher. Mittlerweile hat sie als Künstlerin 20 Jahre auf dem Buckel. Die einen würden sie einen alten Hasen nennen, sie selbst nennt sich „ein Fossil“.

Anstacia – als Sängerin eine Wucht

Wie ein Überbleibsel vergangener Zeiten kommt die Künstlerin bei ihrem Gastspiel in Regensburg nicht daher. Aber ein bisschen ist es an diesem Sommerabend im Schloss St. Emmeram schon, als wäre man mit einer Zeitkapsel 15 bis 20 Jahre zurückgereist. Zurück in seine Jugend, in der das kleine Energiebündel mit der blonden Mähne und der bunten Sonnenbrille durch fast jede MTV-Show gehüpft ist und die unverwechselbare Soul-Stimme nahezu stündlich im Radio zu hören war.

Die Brille, die Mähne und die Stimme sind geblieben. Auch die Musik hat sich seit ihrem letzten großen Hit vor zwölf Jahren („I Belong to You“) nicht verändert: Pop mit ein bisschen Rock, Soul und Funk zwischendrin. Mainstream-Musik, vorhersehbar aber eingängig.

Sehen Sie in der vierten Folge von Schlossfestspiele-TV ein Interview mit Anastacia:

Die vierte Folge von Schlossfestspiele-TV; Video: MZ

Als Sängerin ist Anastacia auf jeden Fall eine Wucht. Wenn sie singt, nimmt ihre Stimme den ganzen Raum ein – oder in diesem Fall den ganzen Schlosshof. Ungewöhnlich ist die Orchesterverstärkung, die die Künstlerin für die Schlossfestspiele gewählt hat. Die sanften Klänge der Streicher und der vibrierende, kraftvolle Mezzo-Sopran Anastacias sind eine durchaus funktionierende Mischung. Schade ist, dass das Orchester erst ganz zum Schluss richtig zur Geltung kommt – als Anastacia die Ballade „My Everything“ als Zugabe anstimmt und zeigt, dass sie auch anders kann, nicht immer nur laut. Schön anzuschauen ist das Zusammenspiel mit ihrer fünfköpfigen Band. Die Sängerin steht nicht als Solo-Künstlerin auf der Bühne. Jedes Bandmitglied hat seinen großen Moment während des 90-minütigen Konzerts, angefangen bei den Backgroundsängerinnen Sarah, Christina und Holly. Alles leidenschaftliche Musiker, die ihr Handwerk verstehen. Zwischendurch überlässt Anastacia ihrer Band auch komplett das Feld, wenn sie sich hinter der Bühne umzieht. Zweimal wechselt sie ihr Outfit – ganz das Popsternchen eben. Gebraucht hätte es das nicht. Auch die tanzenden Backgroundsängerinnen lenken manchmal zu sehr von der Hauptakteurin ab. Anastacias Stimme wäre auch ohne üppige Show ausgekommen. Trotzdem: Das Publikum ist begeistert.

Hier sehen Sie jeden Abend ab 20 Uhr eine neue Folge Schlossfestspiele-TV.

Der größte Hit zum Schluss

Natürlich sind es überwiegend die alten Songs aus den 2000er Jahren, die die Stimmung an diesem Abend hochhalten. „Left Outside Alone“, „Paid My Dues“, „Sick And Tired“ – das sind die Ohrwürmer, die die Regensburger lauthals mitsingen. Mit den Evergreens können die neueren Lieder nicht mithalten. Sobald Anastacia eine unbekannt Melodie anstimmt, ebbt die Stimmung wieder ab. Deshalb sind die Hits geschickt platziert im Set. Ihren größten Erfolg („I’m Outta Love“) hebt sich Anastacia für den Schluss auf.

Sehen Sie im Video: Das war Tag 4 der Schlossfestspiele

Video: MZ

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