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Oper

Triumphmarsch in biederer Inszenierung

Verdis „Aida“ eröffnete die diesjährigen Schlossfestspiele – und machte die Tücken einer Freiluftaufführung deutlich.
Von Andreas Meixner, MZ

Die Thurn & Taxis Schlossfestspiele 2017 wurden mit der meistgespeilten Oper der Welt, Giuseppe Verdis „Aida“, eröffnet. Foto: altrofoto.de
Die Thurn & Taxis Schlossfestspiele 2017 wurden mit der meistgespeilten Oper der Welt, Giuseppe Verdis „Aida“, eröffnet. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Die Entstehungsgeschichte der Oper ist für sich schon spannend. Ismail Pasha, europäisch orientierter Vizekönig von Ägypten, wünschte sich zur Einweihung des Opernhauses Kairo 1869, dem ersten seiner Art auf afrikanischen Boden, ein spektakuläres Chorwerk aus der Feder des bedeutendsten zeitgenössischen Komponisten Europas. Verbunden damit war auch die Eröffnung des Suezkanals. Giuseppe Verdi lehnte jedoch zunächst ab, ließ sich dann aber doch ein Jahr später auf vielfaches Drängen und mit der Aussicht auf ein für damalige Zeiten unglaubliches Honorar von 150 000 Franken darauf ein.

Verdi lieferte nicht nur die Musik für den Stoff, sondern forderte darüber hinaus Mitspracherecht in allen Belangen der Ausführung. Intensiv beschäftigte er sich mit der orientalischen Kulturgeschichte und dem Götterkult Ägyptens. Für den berühmt gewordenen Triumphmarsch ließ er zudem von Adolphe Sax eigens die eineinhalb Meter langen „Aida-Trompeten“ nach dem Vorbild altägyptischer Überlieferung bauen. Den besonders durchdringenden und glänzenden Klang hielt er damals für authentisch.

Aida wurde mit der Uraufführung am Heiligen Abend 1871 zu einem Welterfolg. Tausende Glückswunschbriefe erreichten den Komponisten, der bei der Premiere gar nicht anwesend war – er scheute die lange Anreise. War schon im 19. Jahrhundert Ägypten und seine Kultur zum Sehnsuchtsort geworden, so ist bis heute die Faszination ungebrochen. Das Werk ist die meistgespielte Oper auf den Bühnen der Welt. Grund genug, die diesjährigen Thurn & Taxis Schlossfestspiele mit dem Welthit zu eröffnen.

Fehlende Höhepunkte

Der große Regen beruhigte sich glücklicherweise zum Beginn der Aufführung. Er gab zwar im ersten Akt noch ein kurzes Intermezzo, verschonte aber in der Folge das fröstelnde Premieren-Publikum. Die Defizite einer Freiluftaufführung zeigten sich auch in diesem Jahr. Das einfache, aus großen Quadern bestehende Bühnenbild, und ein paar stilisierten altägyptischen Skulpturen aus dem Fundus der Prager Staatsoper mussten erstmal reichen, um die Illusion eines pharaonischen Tempels auf der räumlich beschränkten Bühne nachzuempfinden. Die klassischen Kostüme taten ihr Übriges, Abstraktes oder Symbolhaftes war der Inszenierung von Petar Selem fern. Überhaupt hatte die Erzählweise und Choreographie wenig Höhepunkte.

Auf der anderen Seite fanden Efe Kislali als hartgesottener Krieger Radames und Veronika Hajnová als hintertriebene und doch unglücklich liebende Amneris zu beachtlichen sängerischen Leistungen. Ebenso sorgte Hana Jonasova als beschwörende Priesterin mit hellem, knabenhaften Timbre für einen Gänsehautmoment zum Ende des ersten Akts. Richard Haan als Amonasro beeindruckte mit großer Bühnenpräsenz und deutlicher Aussprache, sang jedoch stets schleppend und unpräzise. Anda Louise Bogza als Aida hatte indes nicht ihren besten Tag. Sie konnte nicht nur mit der biederen Inszenierung am wenigsten anfangen, sondern kämpfte über die ganze Aufführung hinweg mit der Intonation.

Auch das direkte Zusammenwirken mit dem Orchester der Staatsoper unter Andreas Sebastian Welser war erwartungsgemäß schwierig. Musikalische Feinheiten, rhythmische Präzision und überhaupt das Verschmelzen von Instrumental- und Vokalklang sind unter diesen Umständen auch mit Monitoren nur bedingt möglich. So geschah es, dass das große Finale des zweiten Aktes zwischen den Solisten, Chor und Orchester gehörig wackelte.

Dennoch hinterließ gerade das Orchester erneut einen hervorragenden Eindruck. Streicherklang, Holz- und Blechbläser musizierten auf höchstem Niveau, spielten aus einen Guss. Schade, dass die sonst gute Klangübertragung an der Lautstärke des Orchesters zu sehr sparte. Die Angst, die Sänger auf der Bühne zuzudecken, kostete gerade in den großen Tutti-Stellen die nötige Wucht.

Schlichte Choreographie

Das wirkte hemdsärmelig, aber auch erstaunlich sympathisch, zumal nicht jedes Kostüm perfekt zu seinem Träger passte. Die Tänzer des Tschechischen Nationaltheaters hatten dagegen leichtes Spiel mit der schlichten Choreographie von Otto Sanda, die sich ganz auf die verstaubten Stereotypen ägyptischer Tanzstilistik verließ. Das war nett anzuschauen, aber versprühte nur wenig orientalischen Zauber. Die Inszenierung verlor dann im dritten und vierten Akt völlig an Fahrt, die Spannung konnte nur mit Mühe aufrecht erhalten werden.

Das Gewölbe, in dem Aida und Radames zum Ende lebendig unter dem Tempel eingemauert wurden, ist nicht mal zu erahnen. Klar aber auch, dass sich eine Freiluftaufführung auf Wesentliches reduzieren muss. Abläufe und Bühnenwege sind fremd, Probenzeit beschränkt. Da geht es schon auch darum, dass alles gut funktioniert. Unter diesem Aspekt wurden die Erwartungshaltungen sicherlich erfüllt. Der große Triumphmarsch erschallte festlich über den ganzen Schlosshof und gab den Festspielen den ersten Glanz, der unter den unsicheren Wetterbedingungen nicht zu erwarten war.

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