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Schlossfestspiele

Ein Himmel voller Geigen

Zwischen wunderbarer Musik und schönem Ambiente hört man Liebesgeschichten. Die Schlossfestspiele starteten fulminant.
Von Christian Eckl

Willkommen bei den Schlossfestspielen: Fürstin Gloria von Thurn und Taxis steht vor der Tribüne im Schlosshof. Alle Fotos: altrofoto.de
Willkommen bei den Schlossfestspielen: Fürstin Gloria von Thurn und Taxis steht vor der Tribüne im Schlosshof. Alle Fotos: altrofoto.de

Regensburg.Festspielzeit! Und Regensburg meinte es zunächst nicht gut mit den Besuchern. Noch kurz vor Beginn der Oper „Nabucco“ aus der Feder des großen Giuseppe Verdi und inszeniert von Multitalent José Cura öffneten sich die Schleusen des Himmels. Doch der Himmel hatte schließlich doch noch Erbarmen mit den Gästen der Festspiele, bis zum Schluss blieb es trocken. Die Inszenierung der Oper Nabucco indes ist heuer eine Besonderheit. Ursprünglich auf die Bühne der Staatsoper in Prag gebracht wurde sie von einem Mann, der 2003 selbst als Tenor den allerersten Opernabend im Schlosshof bestritt: dem Argentinier José Cura. Der gilt als echter Tausendsassa – 1995 reüssierte Cura selbst als „Nabucco“ in Paris, heute also inszeniert er die große Oper – und die ist wirklich fabelhaft, wenn auch mutig und für viele vielleicht zu provokant futuristisch inszeniert.

Auftakt

Die Premierengäste strahlen um die Wette

Ob vor dem Schloss oder im Davidhof: Keiner ließ sich den ersten Abend der Festspiele von ein paar Tropfen verleiden.

Der Freiheitsdrang der Völker

Kaum eine Oper symbolisiert mehr als „Nabucco“ den Freiheitsdrang der Menschen: Das auserwählte Volk Israels darbt in der babylonischen Gefangenschaft unter Nebukadnezar, dessen Namen Giuseppe Verdi auf italienisch mit „Nabucco“ abkürzte. Verdi schuf mit dem Gefangenenchor eines der berühmtesten Stücke der Operngeschichte. Bis heute ist es identitätsstiftend für die italienische Seele, die ja die Opernwelt so prägte.

Klicken Sie sich hier durch unsere Galerie vom ersten Abend.

Das war der erste Abend der Schlossfestspiele

Der Babylonier-König möchte sich selbst zum Gott erheben, doch der Gott der Hebräer straft ihn. Am Ende wird Nebukadnezar, wie „Nabucco“ auf Deutsch heißt, zum Mitstreiter für das Volk Gottes, das nach Israel zurückkehrt. Cura inszeniert Nabucco in futuristisch anmutenden Kostümen mit klarer Bühne und starken Farben. Das Bühnenbild kontrastiert stark mit dem barocken Schloss St. Emmeram. Doch dieser Kontrast fesselt und verzaubert zugleich: Ein einfacher Holzverschlag setzt den Kontrast derart scharf, dass man unmittelbar der Musik lauscht. Und die überzeugt: Die nicht einfachen akustischen Verhältnisse im Schlosshof scheinen dem Chor und den Sängern wenig auszumachen. Impresario Reinhard Söll setzt damit fort, was er letztes Jahr begonnen hatte: Bereits da präsentierte er auf eine künstlerisch hochwertige, vor allem aber moderne Inszenierung der Oper „Tosca“. Längst ist ja aus den Schlossfestspielen ein buntes und abwechslungsreiches Potpourri geworden, von Startenor Jonas Kaufmann über Nena bis zu Revolverheld ist alles mit dabei.

Schlangestehen vor dem Festspielrestaurant
Schlangestehen vor dem Festspielrestaurant

Während sich viele Gäste bei einem Glas Champagner Lust auf die Oper machen, traf Fürstin Gloria von Thurn und Taxis ihre Gäste. Das wunderbare Ensemble um die David-Statue, die 1912 als Höhepunkt des Empire am Fürstenhof noch unter Albert I. und seiner Gattin, der österreichischen Erzherzogin Margarethe aufgestellt wurde, ist jedes Jahr wieder Schauplatz eines ebenso intimen wie hochkarätigen Stelldicheins. Doch es sind die Freundschaften der Fürstin, die eine begnadete Netzwerkerin ist und die Intellekt, Adel und Gesellschaft aus ganz Deutschland zusammenbringt.

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Schlossfestspiele-TV: Die erste Folge 2019

Empfang in den Privatgemächern

Ein Regenschauer scheuchte die Gesellschaft der Fürstin dann in ihre Privatgemächer. Zwischen höchst moderner Kunst und historischem Kreuzgewölbe trifft die frisch als CSU-Kandidatin favorisierte Astrid Freudenstein auf den früheren Ministerpräsidenten Günther Beckstein. Ein besonderer Gast ist der Botschafter Kroatiens in Deutschland, Gordan Grlic-Radman mit seiner Gattin Marjana. Beide sprechen perfekt Deutsch und freuen sich, als ihnen zahlreiche Gäste ihre Liebe zu Kroatien offenbaren.

Auch Wolfgang von Bayern ist da als Gast von Fürstin Gloria – die königliche Hoheit erzählt eine wunderbare Liebesgeschichte. „Wir haben uns in Regensburg im Orphee verliebt“, sagt der Adelige und zeigt stolz auf seine Gattin Tatiana, eine Dermatologin. „Ich habe drei Jahre lang in Regensburg studiert, alles, was ich kann, habe ich hier gelernt.“ Immer, wenn das Paar in Regensburg ist, ist der Himmel für sie voller Geigen.

„Die Bühne wächst immer weiter gen Himmel“

Viele Erinnerungen hat auch der legendäre Sportmoderator Fritz von Thurn und Taxis an Regensburg. Als Vertreter einer Nebenlinie des Haues kommt er gerne ins Schloss. „Ich beobachte jedes Jahr, wie die Bühne in den Himmel wächst“, sagt von Thurn und Taxis. „Das zeigt auch, wie erfolgreich diese Festspiele sind.“ Doch nicht jeder Gast möchte auch im Mittelpunkt stehen. Ein echter A-Promi versteckt sich in einem Pavillon, Leibwächter scheuchen Journalisten davon: Siemens-Chef Joe Kaeser ist Gast. Bei Alpenlachs auf Meerettich-Mouse, Entrecote vom Milchkalb und Limettencreme mit Kokosnuss klingt ein unvergesslicher Abend für viele Gäste aus. Regensburg leuchtet an diesem Abend – wenn auch nicht vom Himmel herab.

Die Regensburger Schlossfestspiele:

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