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Seltsame Schönheit: Deutsche Renaissance-Malerei in London

Von Anna Tomforde, dpa

Eine Mariendarstellung von Martin Schongauer (Ausschnitt). Foto: National Gallery

London.«Dies ist eine Ausstellung mit vielen Fragezeichen», sagt Nicholas Penny, der Direktor der National Gallery in London.

Warum, so die Schlüsselfrage, standen deutsche Meister wie Albrecht Dürer, Hans Holbein, Lucas Cranach der Ältere oder Matthias Grünewald so lange im Schatten ihrer italienischen und holländischen Zeitgenossen. Warum galt ihre Kunst häufig gar als «hässlich und zu emotional?» Die Ausstellung «Seltsame Schönheit - Meister der deutschen Renaissance» will darüber Auskunft geben. Sie wird bis zum 11. Mai gezeigt.

Zusätzlich zu seinen eigenen Beständen hat die National Gallery mehr als 30 Leihgaben aus britischen Sammlungen zusammengetragen. Dazu gehören die Zeichnung «Ältere Frau mit gefalteten Händen» von Matthias Grünewald aus dem Ashmolean Museum in Oxford und die berühmte Miniatur der «Anna von Kleve» von Holbein dem Jüngeren aus dem Victoria & Albert Museum. Ein Höhepunkt der Werkschau ist die - mit Hilfe von Fotografien - versuchte Rekonstruktion des Hochaltars der Klosterkirche von Liesborn (1465).

Erst 70 Jahre nach der Gründung erwarb die National Gallery den Angaben zufolge 1894 ihr erstes Gemälde der deutschen Renaissance - ein Werk von Hans Baldung Grien (1484-1545). Eine von Prinz Albert in seinem Testament verfügte großzügige Schenkung von Renaissance-Kunst hatte das Museum 1863 zum Teil noch dankend abgelehnt.

Während Dürer - und andere Meister der deutschen Renaissance - im 16. Jahrhundert für ihre Ausdruckskraft und den Erfindungsreichtum hoch geschätzt wurden, lösten ihre Werke im frühen 19. und 20. Jahrhundert «ein sehr gemischtes Echo aus», heißt es in der National Gallery. «Manch ein Betrachter bewunderte das technische Vermögen der Künstler, und die als solche empfundene Verkörperung einer nationalen deutschen Identität; andere nahmen diese Werke als exzessiv oder sogar hässlich wahr, vor allem im Vergleich zur italienischen Renaissance.»

Die Tatsache von zwei Weltkriegen habe bei der Bewertung und Anerkennung der deutschen Kunst dieser Epoche ebenso eine Rolle gespielt. Erst in den 1960er und 1970er Jahren sei in Großbritannien ernsthaft mit dem Erwerb der Werke deutscher Renaissance-Künstler begonnen worden.

Wegen ihrer angeblich übertriebenen Emotion, der Dramatik und der Liebe zum naturalistischen Detail sei die deutsche Renaissance-Kunst zum Teil abgelehnt worden. «Sie galt als zu realistisch, zu hart - einfach einen Schritt zu weit», sagte Kuratorin Susan Foister der Nachrichtenagentur dpa.

Aber in Wahrheit hätten die Künstler der Zeit ein «subtiles Verhältnis zwischen der Kunst und der Schönheit der Natur» hergestellt. «Die natürliche Welt wurde Thema ihrer kreativen Erfindung. Sie waren genaue Beobachter, aber an einer Verschönerung der menschlichen Form nicht interessiert.»

Mit der Ausstellung, so Foister, werde der in Großbritannien «vernachlässigten» Kunst der deutschen Renaissance der längst überfällige Respekt gezollt.

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