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Konzert

Beim zweiten Mal ist’s wie beim ersten

Alle Jahre wieder? Ringlstetter tut sich und seinem Publikum keinen Gefallen, wenn er sich wiederholt.
Von Peter Geiger

Kleines Déjà-vu: Der Musiker, Moderator und Komödiant Hannes Ringlstetter ist ein regelmäßiger Gast im Theater Regensburg. Foto: MZ-Archiv/Biedermann
Kleines Déjà-vu: Der Musiker, Moderator und Komödiant Hannes Ringlstetter ist ein regelmäßiger Gast im Theater Regensburg. Foto: MZ-Archiv/Biedermann

Regensburg.Als nach 37 Spielminuten ein Gast aufstand, um seinen 45-Euro-Sitzplatz im Parkett zu räumen, rief Hannes Ringlstetter noch gut gelaunt hinterher: „Muasst aaf’s Klo? Haltst as nimma aus?“ Vielleicht hätte sich der Gastgeber im vollbesetzten Theater besser bedeckt gehalten. Der vom Fluchtreflex Getriebene aber war nun ganz und gar nicht mehr gewillt, Harndrang vorzutäuschen oder gar klein beizugeben und ging, bevor er ging, in die Offensive: „I war letzt’s Jahr a scho do – und do hobe genau as Gleiche gheart.“ Boing – das hatte gesessen. Denn der Vorwurf des namenlosen Flüchtigen war ja wirklich nicht ganz unberechtigt, angesichts repetitiver „I woaß ned, wia’s eahner geht?“-Fragen, viel Reisinger Sepp und adventlichem Flötenabend im Hause Ringlstetter.

Wenngleich: Im vergangenen Jahr, als der BR-Talkshow-Gastgeber erstmals am zweiten Weihnachtsfeiertag zum Solo-Abend geladen hatte, da war immerhin noch ein schwarzer Flügel auf der Bühne gestanden. Und der hatte nicht nur der Optik gut getan, sondern auch dem akustischen Erleben Gravität verliehen. Heuer dagegen hielt man es von Seiten der Theaterverantwortlichen nicht mal für notwendig, die Kulisse der h-Moll-Messe zu entfernen. Oder sollten die auf rotem Glanzgrund geschriebenen goldenen Lettern „Soli Deo Gloria“ – dass Gott allein Ehre gebührt – auf den Protagonisten des Abends gemünzt sein?

Hommage und Persiflage

Hannes Ringlstetter lässt sich nicht aus seinen gewohnten Bahnen werfen. Dass er den Protest nicht ignoriert – das spricht wiederum für ihn. Und unterstreicht, was ihn am meisten ausmacht: seine grandiosen Stand-up-Qualitäten. Die werden spürbar, wenn er etwa mit einem anderen Gast (dem Günther aus dem oberfränkischen Münchberg) in Dialog tritt und dabei zeigt, wie meisterhaft und charmant er Hommage und Persiflage verschmelzt. Und nach der Pause kehrt er durchaus demütig zurück auf die Bühne, bekennt mit entwaffnender Ehrlichkeit, dass ihm „so etwas“ – wenn jemand den Saal verlässt – „immer gewaltig stinkt“. Und lässt Anflüge von Reue spüren, wenn er bei der Zugabe betont, es handle sich bei der solo vorgetragenen Ballade „Manchmal“ um eine „absolute Premiere“: „Das spiel‘ ich ansonsten nur mit Band!“

Hannes Ringlstetter im Theater

  • Ringlstetter im Duo

    gibt es am Samstag, 10 März, um 19.30 Uhr im Theater Regensburg. An der Seite des Niederbayers: Christian Tramitz, bekannt geworden als Teil der „Bully-Parade“, in „Der Schuh des Manitu“ und „(T)Raumschiff Surprise“. Derzeit beliebt als Teil von „Hubert & Staller“.

  • Zu Ringlstetters Rendezvous

    lädt sich der Musiker, Moderator, Schauspieler und Kabarettist wieder verschiedene Gäste ein. Am 14. April 2018 ist das zum Beispiel der Poetry Slammer Bumillo, am 12. Mai sind Claudia Koreck und Helmut A. Binser seine Talk-und Sing-Gäste

Gespaltene Persönlichkeit

Vielleicht ist das der Schlüssel zu Hannes Ringlstetter. Egal, ob er etwas Neues im Angebot hat oder nicht, thematisch läuft es meist darauf hinaus, dass er als – wie er unablässig betont – „gespaltene Persönlichkeit“ einen Hang zur Herkunft Niederbayern ebenso verspürt wie zu Metropolen der Preisklasse Regensburg, München und Wien. Insofern geht der Vorwurf der Wiederholung vielleicht nicht ins Leere, aber ins Erbsenzählerische. So, als wollte man einem Autobauer zum Vorwurf machen, dass er verschiedene Fahrzeugtypen auf ein und derselben Plattform fertigt.

Fundamentaler freilich muss man diesen grandiosen Typen-Darsteller (toll, was er zu berichten weiß aus dem Getränke-Supermarkt in Etterzhausen) dafür kritisieren, dass manche Pointe allenfalls mimikryhaft für das steht, was politisches Kabarett sein könnte. Oder sich verhält wie alkoholfreies Bier: Schmeckt zwar irgendwie nach Kabarett, verursacht aber weder Rausch noch Kopfweh. Dass er auch die Mittelbayerische nicht ausspart („Sobald sie nicht von hier berichten, sans echt guad!“) ist legitim – und doch wünschte man sich dann mehr Salz und Pfeffer, nicht bloße Überleitung ins Pauschale. Ebenso schmalbrüstig bleibt er, wenn ihm zum österreichischen Rechtspopulisten Heinz-Christian Strache nicht mehr einfällt, als dass dieser ein „Prolet“ sei, der sich jetzt – zum Wechsel ins Kurz-Kabinett – eine neue Brille gekauft habe. Erkenntnisse, die das Populismus-Phänomen erklären, stecken nicht in solchen Knallerbsen. Vielleicht hat die Dame Recht, die beim Rausgehen dem Gatten zuraunt: „I find’n scho guat, den Ringlstetter. Aber a zwoat‘s Mal dade man ned oschaugn!“

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