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Berliner Luft und große Oper

Der 15. Künstlerball der Theaterfreunde verzauberte das Publikum. Das Kolpinghaus wurde zum Vergnügungstempel.
Von Peter Themessl

  • Seymur Karimov und Alistair Lilley Fotos: Themessl
  • Uschi Michalke, Jens Neundorff von Enzberg und Maria-Elena Hackbarth freuen sich über den Erlös. Fotos: Themessl

Regensburg.Wer beim Einlass im Kolpinghaus die Ohren spitzt, hört unten bei der Garderobe manchmal fremde Sprachfetzen: Die jungen Männer mit etwas dunklerer Gesichtsfarbe nehmen Mäntel und Jacken entgegen, sagen „Bitte“, Danke“, „Das macht zwei Euro“. Sie stammen aus Afghanistan, und wenn es eng wird, verständigen sie sich in ihrer Heimatsprache Paschtu.

Das Regensburger Publikum schreitet derweil die Treppen hinauf, jede Dame bekommt eine Rose geschenkt, die anschließend schön den Tisch schmückten. Streicherklänge von „Moonlight“ empfangen die Gäste. Das Quartett spielt bis zur Eröffnung, dann übernehmen Sänger des Theater-Ensembles im Wechsel mit den „Be Friends“, die zum Tanz aufspielen.

Die Theaterfreunde haben sich diesmal das Berlin der 30er Jahre ausgesucht. Claus J. Frankl besingt diese Zeit des „Vergnügungshauses Kroll“, das im Tiergarten stand und bald zur Opernhalle und Bühne aufstieg. Frankl unterlegt seine Couplets mit Gedichten des frühen Heinz Erhardt, der als Komiker in Berlin von 1938 bis 1941 Kabarett machte.

Ein Hut sorgt für Aufsehen

Den ersten Tanz legen die Elevinnen der Ballett- und Tanzakademie Bonivento-Dazzi aufs Parkett. Die Vorsitzende der Theaterfreunde, Uschi Michalke, trägt den ganzen Abend einen gewagten Hut mit Federn. Es ist ein Unikat von „Hut König“ und wird sehr viel später zugunsten des Jungen Theaters versteigert werden.

Überhaupt das Junge Theater: Es will Kinder und Jugendliche so früh wie möglich an die Faszination Theater heranführen, unabhängig von Bildung und finanziellem Hintergrund. Mit 26 Schulen arbeitet das Junge Theater in Kooperation. Im vergangenen Jahr wurde mit Unterstützung der Theaterfreunde eine Oper für Kinder ab vier Jahren entwickelt. Auch diesmal wird eine fünfstellige Summe für die Nachwuchs-Arbeit gespendet. Das „Junge Theater“ bekommt 10000 Euro aus dem Erlös des Künstlerballs.

15. Künstlerball der Theaterfreunde Regensburg

In drei musikalischen Blöcken unterhalten Sänger des Theaters das Publikum mit Melodien aus Oper, Operette und Musical. Als Mert und Selena Öztaner das Medley aus dem „Phantom der Oper“ singen, ist es still bis oben in der Bar unter dem Dach – danach: tosender Applaus. Akrobatik und Leidenschaft verbinden zu guter Letzt gegen Mitternacht die Tamas Mesters mit ihrer Version von „Dirty Dancing“. Danach war die Tanzfläche frei – bis morgens um zwei.

Unten bei der Garderobe steigen Damen in Glitzerkleid von den Tanzschuhen wieder in Winterstiefel. Die beiden Afghanen Imdad und Safiullah reichen freundlich Mäntel und Schuhe. Sie sind zwei Jahre hier, machen eine Lehre und wohnen bei Kolping.

Herzen aus Lebkuchen

Ob denn ihre Asylverfahren schon als anerkannt entschieden seien? Da verdunkelt sich der Blick. „Nein“, sagen sie und ergänzen in fließendem Deutsch: „Typisch bürokratisch halt!“ Und reichen weiter Mäntel und kleine Lebkuchenherzen. „Danke“ steht darauf.

Es gab auch eine Tombola. Drei Losnummern wurden am Abend nicht abgeholt: 0242 (ein Dirndl von Astrid Söll), 0027 (Fahrrad-Gutschein von Zweirad Stadler) und 1020 (ein Premieren-Abo, das ein Gast spontan stiftete). Die nächste Veranstaltung der Theaterfreunde ist ein Belcanto-Konzert mit dem Tenor Yinja Gong (25. Februar) im Haus der Musik.

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