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Bühne

Das wohl schrägste Musical der Welt

In der neuen Inszenierung von Cantemus dreht sich alles um die „Ritter der Kokosnuss“. Im März ist Premiere im Velodrom.
Von Angelika Lukesch

Schon bei den Proben des Cantemus-Ensembles geht es ab: Es wird getanzt, gelacht und natürlich gesungen. Foto: Lukesch
Schon bei den Proben des Cantemus-Ensembles geht es ab: Es wird getanzt, gelacht und natürlich gesungen. Foto: Lukesch

Regensburg. Es ist Sonntagmittag, 12 Uhr. Auf dem Bismarckplatz herrscht die übliche Geräuschkulisse. Wenn sich die Türe des Hauses der Musik hinter dem Besucher schließt, herrscht Stille. Doch nicht lange. Auf dem Weg zum Cantemus-Chorsaal dringen aus der Ferne merkwürdige Geräusche an das Ohr. „Klackklack-klackklack-klackklack“. Immer lauter wird das Geklapper, je näher man dem Saal kommt. Es hört sich an wie Hufgetrappel, so als würden zwei Pferde auf einer Straße in Ruhe vor sich hin traben. „Klackklack-klackklack-klackklack“.

Die Tür zum Saal öffnet sich und der Besucher taucht ein in eine lebhafte Probe des Cantemus-Chores. Mitten im Getümmel ein Flügel, an dem ein junger Mann sitzt und spielt. An die 50 jungen Leute, teils auf Stühlen sitzend, teils stehend, teils auf der leeren Fläche inmitten des Saales agierend. An der schmalen Wand des Saales das Instrumentarium der Piu-Piu-Band (mit Thomas Basy und Ulli Forster), mittendrin Chorleiter Matthias Schlier, Regisseurin Christina Hommel, Choreographin Heidi Huber, Dramaturgin Annika Fischer, Stimmbildner Uli Groeben.

Zwei Kokosnusshälften und das Hufgetrappel

Hier sind Frederico Skarban (König Artus) und Felice Arp (Patsy) zu sehen mit einer Kokosnuss in der Hand, mit der das Hufgeklapper eines Pferdes auf der Bühne simuliert wird. Foto: Lukesch
Hier sind Frederico Skarban (König Artus) und Felice Arp (Patsy) zu sehen mit einer Kokosnuss in der Hand, mit der das Hufgeklapper eines Pferdes auf der Bühne simuliert wird. Foto: Lukesch

Es wird gesungen, es wird gelacht. Auch das Geklacker ist schnell geklärt: Chorsängerin Felice Arp klackert mit zwei leeren Kokosnusshälften und erzeugt so ein einem Hufgetrappel täuschend ähnliches Geräusch. Dieser Sonntag ist Probentag für die Inszenierung des Cantemus-Chores: „Monty Pythons Ritter der Kokosnuss – Spamalot, das schrägste Musical der Welt.“

Felice Arp spielt im Stück Patsy, den Diener des legendären Königs Artus. Gleichzeitig „spielt“ sie auch sein Pferd, daher auch das Kokosnuss-Geklacker. Und deswegen heißt das Musical auch „Die Ritter der Kokosnuss“, denn im gleichnamigen Film der Komikergruppe Monty Python (1975) „reiten“ König Artus und die Ritter seiner Tafelrunde auch mit „Pferden“, die nur durch ihr Geklacker Existenz im Film erlangen.

Monty Python ist berühmt für seinen skurrilen, schrägen und absurden Humor. Wer nun glaubt, dass dieses Musical, das wie immer Matthias Schlier für seinen Chor ausgewählt hat, sich genau an den Film hält, täuscht sich gewaltig. Tatsächlich beruht das Musical zwar auf diesem Film, hat sich jedoch durch die Bearbeitung von Eric Idle (selbst Mitglied von Monty Python) ziemlich verändert. So erklingen zwar auch Melodien aus Monty-Python-Sketchen und auch „Always look on the bright side of life“ aus „Das Leben des Brian“ (1979). Ganz besonders jedoch wurde dieses Musical berühmt durch seine Parodien auf das Broadway-Theater.

Monty Pythons britischer Humor

Die Musik stammt von Eric Idle und John Du Prez und wurde zu einem großen Teil neu für dieses Musical komponiert, das seit März 2005 ununterbrochen am Broadway gespielt wird. Angekündigt wird das Musical dort so: „Dieses Musical handelt von Rittern und ihren verqueren Heldentaten und bietet eine Menge schöner Girls, Kühe, Killerkaninchen und Franzosen.“

Im Musical „Die Ritter der Kokosnuss – Spamalot“ regiert der englische Humor. Da reicht es allein schon, dass gesagt wird, es könnten Franzosen auftauchen. Der Titel „Spamalot“ ist übrigens eine Verballhornung von Camelot, der sagenhaften Festung des Königs Artus. „Spamalot“ hat seinen Ursprung in dieser Zeile des Films „Die Ritter der Kokosnuss“: „We eat ham and jam and spam a lot“, wobei mit „spam“ Büchsenfleisch gemeint ist. Auch der legendäre König Artus, in der Cantemus-Inszenierung gespielt von Frederico Skarban, kommt bei diesem schrägen Musical nicht so ehrenhaft und hehr weg, wie in der Legende. In den Regieanweisungen heißt es über König Artus: „Hat Probleme beim Zählen bis drei.“

Schwierigkeit, ernst zu bleiben

Seit Dezember probt der Cantemus-Chor mit 70 Jugendlichen beziehungsweise jungen Erwachsenen dieses Musical. Den jungen Akteuren macht dabei die Absurdität und Skurrilität der Handlungen der Personen am meisten Spaß. „Selten findet man ein Stück mit einer solchen Dichte an Witz, Ironie, Komik und Slapstick“, sagt Matthias Schlier. Die größte Schwierigkeit, verrät er, liege bei diesem Stück darin, als Darsteller ernst zu bleiben: „Selten wurde in den Proben so viel gelacht…“

Matthias Schlier hat dieses Musical ausgesucht, weil es für ihn eine perfekte Vorlage darstellt: „Das Besondere an diesem Musical ist für mich die außerordentliche Konzentration des gesamten Monty-Python-Spektrums in Kombination mit einer hinreißenden Musik, die der Textvorlage in nichts nachsteht.“ So ist es typisch für den Stil des Stücks, dass vor Beginn ein Ausrufer vor den Vorhang tritt und das Publikum ermahnt, Handys auszuschalten. Die verehrten Herrschaften sollten sich immer bewusst sein, dass schwer bewaffnete Ritter auf der Bühne seien und man könne nicht vorhersehen, was sie anstellten, falls sie in Rage gerieten. Natürlich spielen neben König Artus auch die Ritter der Tafelrunde mit, einschließlich Lancelot. Auch das sagenhafte Schwert Excalibur spielt eine große Rolle, daneben die bereits erwähnten Killerkaninchen („blutrünstige Kaninchen mit fiesen, großen, spitzen Zähnen“), die „Heilige Handgranate von Antiochia“, der Fiedler auf dem Dach und der schwarze Ritter. Die Regie für diese ungewöhnliche Inszenierung hat Christina Hommel übernommen, die zur Zeit am Prinzregententheater in München arbeitet.

Auf der Bühne

  • Aufführungen:

    Cantemus zeigt Monty Pythons „Die Ritter der Kokosnuss“ – Spamalot, das schrägste Musical der Welt“. Aufführungen sind am 3. März um 19.30 Uhr sowie am 4. März um 16 Uhr im Velodrom.

  • Ensemble:

    Gesamtleitung: Matthias Schlier; Regie: Christina Hommel; Choreographie: Heidi Huber; Ausstattung und Kostüme: Bianca Leonie Bauer-Jörg; Dramaturgie und Einstudierung: Annika Fischer; Stimmbildung: Ulli Groeben; Korrepetition und Bandarrangements: Thomas Basy; Piupiu-Band unter der Leitung von Ulli Forster

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