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Premiere

Die Sehnsucht nach einem besseren Leben

Die Berlinerin Katrin Plötner bemächtigt sich für das Theater Regensburg des Frauenschwarms „Liliom“ von Ferenc Molnar.
Von Michael Scheiner

Karin Plötner inszeniert zum fünften Mal am Theater Regensburg und genießt den „unheimlich guten Zusammenhalt im Ensemble“. Foto: Scheiner
Karin Plötner inszeniert zum fünften Mal am Theater Regensburg und genießt den „unheimlich guten Zusammenhalt im Ensemble“. Foto: Scheiner

Regensburg. Er ist ein guter böser Junge. Oder auch umgekehrt. Er schläft mit jeder, die er kriegen kann, trinkt, protzt und schlägt Frauen, auch seine Julie. „Häusliche Gewalt“ ist der entsprechende Terminus, unter dem wir heute ein solches Verhalten innerhalb einer Beziehung moralisch und juristisch korrekt einordnen. Gleichzeitig ist Liliom, um den geht es im gleichnamigen Theaterstück von Franz Molnar, „unglaublich charmant, kann sich wunderbar entschuldigen“ und hat auf Frauen eine unwiderstehliche, geradezu animalische Anziehungskraft. Manche würden diesen rauflustigen Kerl heute noch als Hallodri, coolen Macho oder geilen Aufreißer offen oder versteckt bewundern, andere ihn als Loser und hirnlosen Gewalttäter abstempeln. Ganz sicher ist dieser Rummelplatz-Zampano eine „ambivalente Persönlichkeit“, ist Regisseurin Katrin Plötner überzeugt.

Sie inszeniert die „Vorstadtlegende“, wie das Sozialdrama des österreichisch-ungarischen Dramatikers untertitelt ist, fürs Theater Regensburg. Es ist bereits ihre fünfte Arbeit für die Donaustadt. Für Plötner war weniger die „tolle, starke Sprache, die ein wenig an Horvath erinnert“ ausschlaggebend, die Regie zu übernehmen.

Der Schläger kriegt eine Chance

Zunächst habe sie sich sogar „wahnsinnig geärgert, wie ein Theater so etwas auf den Spielplan setzen kann“, bei dem sich die Frau – Julie – trotz der erlebten Gewalt „nicht von dem Typ lösen kann“. Vielmehr hält sie, die schwanger ist und nicht weiß woher sie Geld für Essen nehmen soll, ihm sogar die Treue bis über seinen Tod hinaus. Nach einem missglückten Raubüberfall, mit dem er sich und Julie mittels erhoffter Beute aus dem finanziellen Sumpf ziehen wollte, ersticht sich Liliom selbst.

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Ab hier wird die Geschichte märchenhaft-fantastisch: Der unbeherrschte Schläger, der so gern ein besserer Mensch gewesen wäre, erhält noch eine Chance. Er darf noch einmal zurück auf die Erde, um etwas Gutes zu tun. Es gipfelt darin, dass seine 16-jährige Tochter die Mutter fragt, ob es sein kann, dass „man geschlagen wird und es tut nicht weh?“ Die duldsame Mutter bejaht, sie habe das selbst schon erlebt. Im Grunde eine fast moderne Parabel über das Gefangensein in den sozialen Verhältnissen, die den darin verstrickten Menschen keinen Ausweg erkennen lässt.

„Sucht Euch jemand Cooles!“

Molnar habe mit seinem berühmtesten Stück „etwas radikal offen gelegt“, das ihm selbst im eigenen Leben zu schaffen gemacht hat, ist Plötner überzeugt. Deshalb habe er auch „soviel Witz und Leidenschaftlichkeit in seinen Text“ legen können. Es mache diesen „bis heute unglaublich stark“. Niemand müsse daher „eine dröge Brecht’ sche Lehrveranstaltung fürchten“. Es gehe in dem Stück „richtig sinnlich und saftig“ zu, was auch damit zu tun habe, dass die „uralte Übersetzung von Alfred Polgar ins wienerisch Deutsche“ schon damals eine „Art Kunstsprache“ gewesen sei. Allerdings würde heute auch niemand mehr verstehen, dass es der Mann „als seine Pflicht gesehen hat“, zu züchtigen, „um die Familie zusammenzuhalten“.

Premiere von „Liliom“ am Pfingstsonntag

  • „Liliom“:

    „Liliom“, eine Vorstadtlegende in sieben Bildern und einem szenischen Prolog von Franz Molnar (1878-1952), wurde in Berlin, London und New York gespielt, mehrfach verfilmt und diente 1945 Rogers & Hammerstein als Vorlage für das Musical „Carousel“.

  • Premiere:

    „Liliom“, das Alfred Polgar für die deutsche Bühne bearbeitete, hat am Pfingstsonntag, 20. Mai um 19.30 Uhr im Theater Regensburg Premiere. Eine Matinee am Sonntag, 13. Mai, elf Uhr, gibt Einblick in die Inszenierung. (mic)

Die Tragik liege darin, dass sich hier zwei Menschen ineinander verliebt haben, die „eigentlich nicht wirklich zusammen passen“. Weder habe „Liliom eine Möglichkeit seine Gefühle zu äußern“, noch Julie. Deshalb würde auch kein einziges Mal während des ganzen Stückes „Ich liebe dich!“ gesagt. Dennoch werde das Stück „durch die Bank als rührselige Liebesgeschichte“ auf die Bühne gebracht. Ihr gehe es dagegen darum, betont die streitbare Berlinerin, „die Sehnsucht zu bedienen, wie wir sie alle kennen“, wenn man verliebt ist, und „trotzdem gleichzeitig zu erzählen: ,Hey, sucht Euch jemand Cooles!‘“ Im Übrigen genieße sie es, in Regensburg zu arbeiten, denn hier gebe „es eine unheimlich guten Zusammenhalt im Ensemble“. Auch die erneute Zusammenarbeit mit dem Musiker Markus Steinkellner freue sie sehr.

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