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Bühne

Eine englisch-internationale Teufelei

Das Theater Babylon verzaubert an der Universität Regensburg mit einer Kriminalkomödie von Erich Fried.
Von Florian Sendtner, MZ

Eine Szene aus der Inszenierung am Uni-Theater
Eine Szene aus der Inszenierung am Uni-Theater Foto: Babylon

Regensburg.Bei Erich Fried denkt jeder an die Gedichte, die gern in Hochzeitspredigten zitiert werden. Hat der Wiener Schriftsteller überhaupt noch was anderes geschrieben? Oh ja, sehr viel sogar, das ist nur alles nicht so leicht verwertbar und vereinnehmbar wie die besagten Gedichte. Ein schönes Beispiel für einen wunderbaren, saukomischen, bitterbösen, funkelnd intelligenten Erich Fried kann man gerade im Theater an der Uni besichtigen. Unter dem leider etwas drögen Titel „...und alle seine Mörder...“ spielt das Theater Babylon eine knackige Kriminalkomödie von Erich Fried.

Der eigentliche Urheber ist bis heute unbekannt. Man weiß nur soviel: 1592 erschien in London ohne Angabe eines Autors „The Tragedy of Master Arden of Faversham“. Grundlage ist ein historischer Fall: 1551 wurde in der Grafschaft Kent der reiche Grundbesitzer Thomas Arden von Killern ermordet, als Auftragsgeberin wurde seine Frau Alice ermittelt, die freie Bahn für ihren Geliebten Mosby haben wollte.

„Unfromme Denkungsart“

Daraus hat Erich Fried in seiner Bearbeitung eine „englische Teufelei“, eine „lockere leckere Dialektiklektion“, eine „Staatsfeindlichkeitspassion“, eine „Milch der unfrommen Denkungsart“ gemacht (so Arbeits-Untertitel in Frieds Nachlass). Die Chronik eines angekündigten Mordes beginnt damit, dass Arden dem Publikum verkündet: „Ich bin der reiche Mann, der sterben muss.“ Und fast alle übrigen Beteiligten sind sich darin einig: Arden muss weg.

Der Witz am Theater Babylon: Alle Schauspieler sind ausländische Studenten, keiner auf der Bühne, dessen Muttersprache Deutsch wäre. Das ergibt einen zusätzlichen komischen Effekt: Arden (Stefano Vismara) hat einen bezaubernden italienischen Akzent, seine mörderische Gattin Alice (Blanche Monjuvent) einen hinreißenden französischen, ihr Geliebter Mosbie (Raúl Sancha Hernández) einen finster entschlossen spanischen. Eine entscheidende Rolle kommt der Nachbarin Mrs. Bradshaw zu, einer Art eiskalter Schwester von Goethes Marthe Schwerdtlein, von Stefania Zammatteo (Italien) als furchterregende Personifikation des Opportunismus gespielt.

Schönes Gegenbild

Herausragend auch der Fährmann durch den englischen Nebel (Xingyi Li, Politikstudentin aus China) sowie das Killerduo, bestehend aus dem schwarzen Bill (Dragisa Jerkic, Theologiestudent aus Bosnien) und seinem Gehülfen Beutelschneid (Angelika Ziolkowska, Polen). In der gekonnten Regie von Andreas Legner und Christine Kramel (die die bunte Theatertruppe seit zwölf Jahren dirigiert) ist ein hinreißend komischer, englisch-internationer Theaterabend entstanden. Und damit auch ein (unbeabsichtigtes) Gegenbild zur englischen Einigelung und Abschottung, wie es überzeugender nicht sein könnte.

Vorstellungen: Mi. und Do., 6. und 7. Juli, 19.30 Uhr im Theater an der Uni

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