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Konzert

Magnetische Sternstunde der Musik

Lorenz Kellhubers New Trio entführte in einen magisch-magnetischen Klangkosmos. Nun soll daraus ein Album entstehen.
Von Michael Scheiner

Lorenz Kellhuber (im Bild) verzauberte beim Auftritt in Regensburg mit seinen Co-Musiker Felix Henkelhausen und Moritz Baumgärtner. Foto: Scheiner
Lorenz Kellhuber (im Bild) verzauberte beim Auftritt in Regensburg mit seinen Co-Musiker Felix Henkelhausen und Moritz Baumgärtner. Foto: Scheiner

Regensburg.Verpufft und beiseitegewischt. Jeglicher Vorbehalt, ob ein reines Instrumentalkonzert auch bei den Zuhörern ankommt, wurde schlussendlich atomisiert. Anfänglich sorgte sich Pianist Lorenz Kellhuber noch, dass Besucher sein Konzert mit dem New Trio im Theater Regensburg vorzeitig verlassen könnten. Am Ende konnte das euphorisierte Publikum kaum noch mit Zugaben beruhigt werden.

Nach einer über dreiviertelstündigen Improvisation hatten die drei Musiker ihre Zuhörer derart in einem magisch-magnetischen Klangkosmos gefangen, dass sie wie Süchtige nach immer mehr verlangten. Einige wenige waren tatsächlich nach der Pause nicht mehr ins Theater zurückgekehrt, ihre Plätze blieben verwaist. Vielleicht hatten sie sich etwas mehr Groove, normaleren (Mainstream-)Jazz oder songartige Strukturen erwartet. Wer die Entwicklung des mit 28 Jahren noch jungen Berliner Pianisten mit oberpfälzischen Wurzeln ein wenig verfolgt hat, konnte darauf ernsthaft kaum gesetzt haben. Kellhuber hat sowohl als Solist, Bandleader, wie als Begleiter oder Partner über Genregrenzen hinweg der Improvisation immer einen breiten Raum eingeräumt oder gar ganz frei gespielt.

Eine kreative Zumutung

Dennoch war es vom Jazzclub, dem engagierten Veranstalter, eine mutige Entscheidung, das neue Trio um Kellhuber in der Reihe „Jazz im Theater“ zu präsentieren. Anders als im intimeren und lockereren Rahmen des Clubs hat es Musik ohne Gesang schwerer, richtig Anklang zu finden. Selbst wenn so fantastische Musiker wie Kellhuber, der 23-jährige Oldenburger Felix Henkelhausen am Bass und der zehn Jahre ältere Schlagzeuger Moritz Baumgärtner am Werk sind. Bei aller hoch verdienten Resonanz, die sie bei ihrer Deutschlandpremiere im Theater erhalten haben, ist ihre Musik auch eine Zumutung. Eine kreative Zumutung zwar, ein starkes Stück, das herausfordert, den Zuhörenden auch etwas abverlangt. Sie sind angehalten, genau hinzuhören, sich auf Unerwartetes einzulassen, eben Aufgenommenes wieder fallenlassen zu können und sich einem neuen musikalischen oder rhythmischen Gedanken zu stellen.

Auf Noten kommt es nicht an

Als eine komplette „Reise um die ganze Welt“, aus welcher sie gar nicht mehr aussteigen wolle, hat eine noch sichtlich gefangene Zuhörerin nach dem Konzert im Foyer das eben Erlebte beschrieben. Gerade im durchgängigen zweiten Teil hat das Trio zu einer immensen Dichte und Kommunikation gefunden, die eine geradezu magische Stimmung erzeugt hat.

Es kommt heute nicht mehr auf die Noten an, die man spielt, sondern auf die Schwingungen.“

Lorenz Kellhuber

Über 25 Minuten lang wiederholte Kellhuber einen einzigen Akkord, variierte ihn dynamisch, während um ihn herum Schlagzeuger und Bassist zu immer neuen Ideen ausholten. Bei dieser eigentlich penetranten Form, die sich im Minimalismus wie im sturen Techno findet, im Drum’n’Bass oder bei Erik Satie, wurde die Essenz einer Behauptung Kellhubers deutlich. Während einer Ansage, mit der er beschrieb, wie sie völlig frei an ein solches Konzert rangehen und beim Hören auf die jeweils anderen Musiker spontan reagieren, gab er auch etwas von seinem Musikverständnis preis. „Es kommt heute nicht mehr auf die Noten an, die man spielt, sondern auf die Schwingungen“, so Kellhuber. Die müssten beim Publikum ankommen.

Genau das ist dem Trio in dem gut zweistündigen Auftritt grandios gelungen. Nach anfangs zwei kürzeren Stücken, wo das Trio beim sich Abtasten gelegentlich noch etwas auf der Stelle getreten ist, nahm Kellhuber mit einem ungemein lyrisch-zarten Intro jeden einzelnen Zuhörer bei der Hand. Diese ließ er dann bis zum Schluss nicht mehr los. Tiefer und tiefer zog das Trio mit seinen zauberhaften klanglichen Exkursionen, groovigen Momenten, den poetischen und ekstatischen Leitlinien das Publikum in eine entgrenzte Welt – aus der es wie neugeboren auftauchte. Die geblieben waren, erlebten eine Sternstunde.

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