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„Man kann selber Höllenmitglied werden“

Regisseurin Nicole Claudia Weber verrät, wie herausfordernd es ist, „Orpheus in der Unterwelt“ im Velodrom zu inszenieren.
von Claudia Böckel, MZ

Nicole Claudia Weber hat die Operette in Regensburg inszeniert.
Nicole Claudia Weber hat die Operette in Regensburg inszeniert. Foto: Archiv/altrofoto.de

Regensburg. Seit 25 Jahren gab es im Theater Regensburg schon keinen Orpheus in der Unterwelt mehr, diese Operette des Komponisten und Cellovirtuosen Jacques Offenbach, der 1858 Ovids berühmten Mythos von Orpheus und Eurydike auf seine Weise interpretierte. Diese musikalische Mythentravestie gehört zu seinen meistgespielten Werken.

Regisseurin Nicole Claudia Weber, die selbst schon im Musical „Evita“ auf Regensburger Bühnenbrettern stand, hat sich für das Velodrom, diese große, besondere Spielstätte, nicht nur einen Bühnenraum ausgedacht, sondern setzt auf viel Veränderung. Es sei eine wirkliche Herausforderung, ohne Schnürboden und Unterbühne zu inszenieren. Und es würden wirklich „stolze Bühnenteile“ bewegt, sagt sie im Gespräch mit unserem Medienhaus. Schon im ersten Akt geht es mächtig rum: vom Prolog, der übrigens nicht im Himmel stattfindet, nach Theben und weiter in den Himmel. Orpheus in der Unterwelt sei zwar ein Zuckerstück, aber nicht leicht zu inszenieren. Schon allein wegen der Massenszenen.

Im zweiten Bild steht der Chor durchgehend auf der Bühne, alle Götterkinder sind schließlich auch Sänger. Die Textfassung des Werkes stammt von Peter Lund, der in Berlin Professor für musikalisches Unterhaltungstheater ist. Es wird nicht textlastig zugehen, sondern sehr viel Musik geben. Kleine Abwandlungen sind im zweiten Teil zu erwarten. Junos Reaktion auf das Metamorphosen-Couplet sei in vielerlei Hinsicht kraftvoller als im Original. Der Himmel ist aufgebaut wie eine kleine Firma. Verhandlungen mit Pluto, dem Entführer Eurydikes und Herrn der Unterwelt, laufen auf diplomatischem Weg.

Recht französisch habe sie die Inszenierung machen wollen, sagt Nicole Weber. Sie habe sich natürlich über die Idee gefreut, den Inbegriff des französischen Lokals in Regensburg, das Orphée, auf der Bühne zu haben. Cornelius Färber hat auch das Foyer verwandeln lassen, sogar französisch speisen kann man im Umfeld der Aufführung. Die Kostüme entsprechen den 60er Jahren, in toller Mischung mit Elementen aus Hieronymus-Bosch-Gemälden. Die Figur der Öffentlichen Meinung sehe anders aus als gewohnt, sie sei sehr frisch, stehe für Kamera, für Bewertung. Als Tribut an die Spielstätte wird mikrophonisiert, also ein wenig verstärkt. Das Velodrom war Radrennbahn, Varieté und Unterhaltungstheater. Das fügt sich doch alles, sagt Weber. „Man kann selber ein Höllenmitglied werden.“ Eurydike wird ein rotes Kleid haben. Sie fällt auf die falschen Männer herein, wird zum Schluss zum Vollblutweib.

In Kleinigkeiten werde man sehen, dass die Inszenierung von einer Frau stamme. „Dieses Stück hat eine sehr charmante Art, mit dem menschlichen Sein umzugehen. Die ganze Zeit ist Party, es muss kein Sozialdrama werden.“

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