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Theater

Mit Trumper am Schachbrett

Das etwas überfrachtete Musical „Chess“ feierte in Regensburg Premiere.
Claudia Böckel

Die zwei Helden: Ruud van Overdijk (Trumper, links) und Thomas Christ (Anatoly) Foto: JochenQuast
Die zwei Helden: Ruud van Overdijk (Trumper, links) und Thomas Christ (Anatoly) Foto: JochenQuast

Regensburg.Wenn der Held Trumper heißt, lassen sich auch Twitter-Nachrichten nicht vermeiden. Via Handy-Display links und rechts von der Bühne bekam man Zusatzinformationen zur aktuellen politischen Lage oder zur Selbstoptimierung der Helden. Diagramme und Landschaftsansichten, Überlagerungen im Plot, Überblendungen auf der Bühne: Ein wenig überfrachtet erschien der erste Teil des Musicals „Chess“, englisch für „Schach“, schon.

Das Schachspiel per se ist ja schon ein Modell für alles Mögliche. Mehr als ein Spiel, eine Metapher für Fremdbestimmtheit, eine Demonstration von Macht und Manipulation, ein Kriegsspiel. Jeder kann Opfer sein oder werden. Der britische Texter Tim Rice war vom Jahrhundertspiel zwischen dem Amerikaner Bobby Fischer und dem Russen Boris Spassky inspiriert für sein Chess-Projekt.

Seine Helden Trumper und Anatoly Sergievsky sind nicht nur Schach-Genies, sondern auch Vertreter waffenstarrender Supermächte. Das Spiel als Stellvertreterkrieg zwischen zwei Männern, die selbst immer mehr zu Schachfiguren im Spiel der Mächtigen werden. Die Abba-Mitglieder Benny Andersson und Björn Ulvaeus sorgten für die Musik. Sinfonisches, Stilkopien von Opernmusik, Rockiges und Barockiges wechseln sich da ab, allerdings sind nur wenige Songs dieses 80er-Jahre-Musicals wirklich bekannt geworden. Das Orchester unter Leitung von Alistair Lilley gab viel Kontur, gewann auch den oft gleichförmigen Strukturen Varianten ab. Die Chormitglieder waren lebende Schachfiguren, die dem Geschehen aber eher betrachtend beiwohnten, ein kluger Schachzug der Regie von Chefdramaturgin Christina Schmidt.

Im zweiten Teil des Abends nahm die ganze Sache richtig Fahrt auf. Fetzige Musik folgte, ebenso Persiflagen auf die russische Seele mit einem hinreißenden Seymur Karimov als Chef der russischen Delegation und berückende Duette der beiden Damen Florence und Svetlana (Christiana Wimber und Esther Baar). Trumper (Ruud van Overdijk, der in höheren Lagen mit seinem Belting-Gesang ein wenig in Schwierigkeiten geriet) und Sergievsky (intensiv besonders am Schluss Thomas Christ) sind nicht nur Rivalen am Schachbrett, sondern konkurrieren auch um Florence.

Die schönste Szene des Abends: An drei Schachtischen mit je einem Paar wird Spiel und Leben entschieden (Bühne und Video: Frank Fellmann, Kostüme: Susanne Ellinghaus). Immer wieder tritt das Ballett auf in Choreographien von Tamás Mester, gibt Kolorit, wenn die Szene nach Bangkok wechselt, kommentiert in beeindruckenden, kampfartigen Szenen, wenn es um das konkurrierende Spiel der Mächte geht. (moe)

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