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Bühne

Mitten ins Herz der Geliebten

Das Theater zeigt mit „The Black Rider“ ein Stück, das mehr bunter Groschenroman als Romantik sein will. Und das kommt an.
Von Peter Geiger

Robert Herrmanns (von links), Ruth Müller, Gunnar Blume, Verena Maria Bauer, Oliver Jaksch, Matthias Zera sind am Theater Regensburg in „The Black Rider“ zu sehen. Foto: Jochen Quast/Theater Regensburg
Robert Herrmanns (von links), Ruth Müller, Gunnar Blume, Verena Maria Bauer, Oliver Jaksch, Matthias Zera sind am Theater Regensburg in „The Black Rider“ zu sehen. Foto: Jochen Quast/Theater Regensburg

Regensburg.Sie sind zwar selten – aber es gibt sie: Jene Momente, in denen sich die Gegenkultur mit der Hochkultur vermählt und etwas entsteht, das das Beste aus zwei Welten miteinander vereint. Der „Black Rider“, jenes 1990 in Hamburg uraufgeführte Musical aus der Feder von William S. Burroughs und Tom Waits, es scheint für Regensburg eine solche himmlische Hochzeit zu ermöglichen.

Da ist ein Stoff, der cool ist und ganz und gar nicht unter Spießigkeitsverdacht steht – und gleichzeitig drücken die Regensburger bei der öffentlichen Probe am letzten Wochenende den Verantwortlichen im Velodrom schon mal derart die Bude ein, dass man sich, obwohl Samstagmittag, angesichts des vollen Hauses schon in der Premiere wähnte.

Regisseur Jan Langenheim, einstiger Weggefährte von Roland Schimmelpfennig (dem derzeit meistgespielten deutschsprachigen Gegenwartsdramatiker), lacht, wenn man ihn auf sein Debüt in Regensburg anspricht. Und wissen möchte, wie sehr er sich dabei von romantischen Bezügen zu Carl Maria von Webers „Freischütz“ hat leiten lassen. Denn immerhin steht ja auch im „Black Rider“ ein untalentierter Schütze im Zentrum, einer, der teuflische Hilfe benötigt, um ins Schwarze zu treffen.

Pulp Fiction des 18. Jahrhunderts

Und so schließlich ein Mädchen namens Käthchen zum Traualtar führen zu dürfen. „Nein, die ‚Deutsche Nationaloper‘, die spielt hier eigentlich gar keine Rolle“, sagt Langenheim und schüttelt den Kopf. „Das, was sich Burroughs und Waits gemeinsam mit Regisseur Robert Wilson da vor knapp 30 Jahren haben einfallen lassen, das ist viel mehr ein ‚Pulp Fiction‘ des 18. Jahrhunderts.“

Und weil er schon mal in Fahrt ist, macht er sich gleich noch ans Zertrümmern weiterer literaturgeschichtlicher Bezüge: „Wissen Sie, deutsche Romantik, das klingt immer so heilig! Aber eigentlich ist der ,Black Rider‘ ein bunter Groschenroman!“ Und zitiert den zentralen Satz, der gleich am Anfang der Aufführung steht: dass nämlich ein Teufelspakt immer ein Narrenpakt ist. Weshalb man sich auch als Inszenierungsidee völlig von romantischen Bildwelten entfernt habe, wie Dramaturgin Anastasia Ioannidis betont. Das heißt: keine Waldeinsamkeit.

Und keine Innerlichkeit. Vielmehr steht das Burleske, das Vaudevillehafte und Marktschreierische im Zentrum der Inszenierung. Untermalt wird das Schauermärchen von der sechsköpfigen Band um den Jazz-Pianisten Bernd Meyer, die die Musik von Tom Waits ganz getreu nach Partitur spielt – aber gleichzeitig drauf aufpasst, „dass es nicht zu sauber klingt“, wie der Bandleader betont.

Unterhaltung garantiert

Autor William Burroughs (1914 bis 1997), zentrale Figur der Beatgeneration, verarbeitete während seines gesamten literarischen Schaffens sein höchst tragisches Schicksal: Im Drogenrausch hatte er, der exzentrische Waffennarr, seine Frau Joan erschossen. Der Versuch, die Apfelszene aus Wilhelm Tell nachzustellen, war tragisch gescheitert. Ein Mensch war tot. Und ein Autor, den viele für den stärksten amerikanischen Schriftsteller der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts halten, war geboren.

Der „Black Rider“ markiert das Ende des Burrough’schen Schaffens. Für das Theater in Regensburg eröffnet er die Möglichkeit, gut abgehangene Traditionen anzubinden an experimentelle Schreibweisen des vergangenen Jahrhunderts – und so ein höchst unterhaltsames transatlantisches Feedbackgewitter zu erzeugen.

Darum geht es in „The Black Rider“

  • Wilhelm hat sich auf

    einen Teufelspakt eingelassen – und erhält dafür Kugeln, die ihr Ziel niemals verfehlen. Als ihm die Munition ausgeht, wendet er sich erneut an teuflische Helfer, um das Probeschießen vor dem Herzog erfolgreich zu bestehen. Die Kugeln bekommt er nicht geschenkt.

  • Der schwarze Reiter

    erscheint und erklärt Wilhelm die Bedingungen: Sechs Kugeln treffen das Ziel, doch der siebte Schuss wird Stelzfuß gehorchen. Und so kommt es, wie es kommen muss: Mit der letzten Kugel trifft er seine Geliebte – und zwar mitten ins Herz.

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