MyMz

Premiere

„Nabucco“: Ein musikalischer Volltreffer

Dem Theater Regensburg gelingt mit Verdis Oper ein gelungener Einstieg in die neue Saison. Das Publikum war begeistert.
Von Andreas Meixner

Aile Asszonyi als Abigaillle mit Adam Kruzel als Nabucco und Naji Baghdadi als Schatten Nabuccos am Bismarckplatz-TheaterFoto: Jochen Quast
Aile Asszonyi als Abigaillle mit Adam Kruzel als Nabucco und Naji Baghdadi als Schatten Nabuccos am Bismarckplatz-TheaterFoto: Jochen Quast

Regensburg.„Nabucco“ markiert 1842 den Beginn der „Galeerenjahre“ des Komponisten Giuseppe Verdis, in denen er sich von immer neuen Vertragsverpflichtungen für neue Opern 16 Jahre lang zum Schreiben treiben ließ. Der Begriff geht auf einen Brief Verdis aus dem Jahr 1858 zurück: „Seit Nabucco habe ich sozusagen keine ruhige Stunde mehr gehabt. Sechzehn Jahre Galeerenarbeit“ – zugleich war Nabucco der erste große Erfolg Verdis auf der Opernbühne. Das Libretto erzählt vordergründig die Geschichte der babylonischen Gefangenschaft, aber auch von Machtgier, Liebe und Hass. Und die Grunderkenntnis: Hochmut kommt vor dem Fall.

Jedenfalls muss das der babylonische König Nabucco am eigenen Leib erfahren, als er sich selbst zum Gott erklärt und daraufhin dem Wahnsinn verfällt. Es ist der große Moment von Adam Kruzel, der bis dahin einen eher hölzernen Herrscher gibt, dann aber in der Zwangsjacke als verwirrter, hinsiechender Greis schauspielerisch und musikalisch aufblüht. Die Inszenierung der Verdioper vom aus dem rumänischen Sibiu stammenden Rares Zaharia spielt vor düsteren, transparenten Tempelaufbauten, die auf der Drehbühne gegensätzlich kreisen und für Perspektiven- und Szenenwechsel sorgen sollen.

Ein fades Nazi-Klischee

Das gelingt auch ganz gut, obwohl sich de facto nie allzu viel verändert. Dennoch ist immer alles in Bewegung, eine solide Personenregie sorgt zusätzlich für eine Dynamik, die keine Langeweile aufkommen lässt. Ein jungenhafte, goldene Figur als stummer Beobachter der Szenen entwickelt darin ihren ganz eigenen Zauber, lässt ihrer Interpretation freien Raum bis zur finalen Schlussszene. Feine Arbeit erlebt man auch von der Lichtdramaturgie, die mit unaufgeregten Videoprojektionen stimmungsvolle Bilder kreiert.

Skurril muten die spitz zulaufenden, regenschirmartigen Hüter der babylonischen Priester an, unfreiwillig komisch die rhythmisch einmarschierenden Soldaten mit hochgehaltenen Pistolen. Warum bei der Darstellung von bösen Militärstaffeln immer wieder auf Nazi-Klischees zurückgegriffen wird, bleibt auch hier ein Geheimnis. Manchen dürfte es schlicht langweilen. Auch die schmale, hochaufragende Freitreppe, die immer wieder erklommen wird, ist als Symbol der Fallhöhe von Machtgewinn und Verlust nur wenig tragfähig.

Großartiger Opernchor

Der Opernchor fühlt sich indes in seiner großen Partie sichtlich wohl. Alistair Lilley hat bei der Einstudierung Großartiges geleistet, selten hat man das Ensemble differenzierter und ausgewogener gehört als an diesem Premierenabend. Der berühmte Gefangenenchor, ein fast abgehalfterter Opernschlager, erstrahlt im Halbschatten des Verlieses im neuen, zarten Glanz der Freiheits- und Friedenssehnsucht. Gleiches ist über das Philharmonische Orchester unter der Leitung von Tom Woods zu sagen, das ein sattes Klangbild erzeugt, schillernd und kraftvoll. Es könnte sein, dass man im Orchestergraben an der Musik des jungen Verdi an diesem Abend viel Spaß hatte.

Beste Grundlagen also für die Rollenentfaltung der weiteren Solisten, deren Leistung über alle Zweifel erhaben war. Aile Asszonyi war als rachsüchtige und machthungrige Abigaille in jeder Hinsicht eine Klasse für sich, rundete ihren fabelhaften Gesang mit einer großen szenischen Präsenz ab. Mindestens so überzeugend auch Selcuk Hakan Tirasoglu als Hohepriester Zaccaria sowie Vera Egorova-Schönhöfer als Königstocher Fenena.

Musikalisch erwies sich die Premiere als Volltreffer, die die kleinen Schwächen einer insgesamt gelungen Inszenierung egalisierte, die – im Blick auch auf den krankheitsbedingten Wechsel in der Regie – eine eigene Sprache gefunden hat. Das honorierte das Premierenpublikum mit Wohlwollen und kräftigem Applaus für das Team rund um Rares Zaharia.

Verdis Erfolgsoper „Nabucco“

  • Uraufführung:

    Sie fand 1842 im Teatro alla Scala in Mailand statt. Die Premiere war so erfolgreich, dass es in der nächsten Spielzeit, die im Herbst 1842 begann, 57 Wiederholungen gespielt wurden. Der Gefangenenchor „Va pensiero“ traf die Italiener mitten ins Herz. Verdi wurde über Nacht zum Star, sein Name später zum geheimen Schlachtruf gegen die österreichischen Besatzer.

  • Termine:

    Die weiteren Aufführungen am Theater Regensburg sind am 18., 21., 24. September, am 3., 5., 9., 14. und 20. Oktober (Theater am Bismarckplatz). Weitere Termine bis zum 8. Januar 2019 im Internet auf www.theater-regensburg.de (mqv)

Lesen Sie dazu auch ein Porträt über einen der 13 neuen Schauspieler und Sänger, die nun an das Theater Regensburg gewechselt sind.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht