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Premiere

So wird die neue Regensburger „Tosca“

Der Opernthriller über Macht, Widerstand, Liebe und Verrat eröffnet am Samstag die neue Spielzeit am Theater Regensburg.
Von Claudia Böckel

Ein Eindruck aus der Neuinszenierung von „Tosca“, mit Deniz Yetim als „Floria Tosca“ und Adam Krużel als „Scarpia“. Premiere ist am Samstag, 14. September, im Theater am Bismarckplatz. Foto: Jochen Quast
Ein Eindruck aus der Neuinszenierung von „Tosca“, mit Deniz Yetim als „Floria Tosca“ und Adam Krużel als „Scarpia“. Premiere ist am Samstag, 14. September, im Theater am Bismarckplatz. Foto: Jochen Quast

Regensburg.Springt sie? Mit dieser Frage sah sich der Regisseur Dominique Mentha in seinem privaten Umfeld konfrontiert, als er über seine Neuinszenierung von Puccinis Oper Tosca sprach. Um den finalen Sprung von der Engelsburg ranken sich schließlich viele Geschichten. Die große Schauspielerin Sarah Bernhardt, die in Sardous Theaterstück La Tosca, der Vorlage für die Oper, viele Jahre brillierte, verletzte sich dabei 1905 so schwer, dass ihr das Bein amputiert werden musste. Das Libretto von Luigi Illica und Guiseppe Giacosa nach Sardous Stück aus dem Jahr 1887 wurde zunächst wegen der Brutalität der Handlung als für die Oper ungeeignet angesehen. Das krasse Geschehen um ein Künstlerpaar, das auf einen von politischem Eifer und Eifersucht getriebenen Polizeichef trifft, das in Erpressungen verstrickt ist, in existentielle Kämpfe um eigene Überzeugungen und persönliches Glück, fesselt aber bis heute. Der nackte Naturalismus wird durch die Musik abgemildert, schmelzende Kantilenen bilden musikalische Stimmungskontraste zur Handlung.

Dominique Mentha Foto: Sylvan Mueller
Dominique Mentha Foto: Sylvan Mueller

Regisseur Mentha, langjähriger Intendant des Theaters Luzern, geht von der Vorgabe des Librettos aus. Es stehe schon alles im Text drin, sagt er. Die Figuren bräuchten keine Neuinterpretation. Man habe also nach einer starken Bild-Ästhetik gesucht. Nachdem die Musik sehr farbig sei, habe man aus dem Bühnenbild alle Farben weggelassen, meint Helmut Stürmer, der für Bühne und Licht verantwortlich ist. Man setze konsequent auf Schwarz-Weiß-Kontraste und alle Abstufungen von Grau, um dem Grauen gerecht zu werden, das die Geschichte um die Sängerin Floria Tosca, ihren Geliebten, den Maler Cavaradossi und den skrupellosen Polizeichef Scarpia umgibt. Expressivität sei ihm wichtig, meint Stürmer und verweist auf Bob Wilson.

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Die Technik des Filmschnitts spiele eine Rolle, ebenso wie konsequente Lichtregie und die Verwendung von Schlagschatten. Für die drei Akte gibt es drei verschiedene Bilder, aber keine realistischen Raumsituationen. Für den Kirchenraum des ersten Aktes muss als Assoziation das Marienbild reichen, das Cavaradossi malt. Bildzitate von Desiderio Monsù, eines Malers des Spätbarock, der sich explodierenden oder einstürzenden Kirchen widmete, werden fototechnisch bearbeitet und tauchen wie Fresken auf der Bühne auf.

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Das Bühnenbild sei wie ein Zauberkasten und drehe sich zweimal. Bedrohung sei ständig spürbar, die dramatische Liebesgeschichte eingebettet in äußere und innere Krisensituationen, der Raum ständig zwischen Gefängnis und Kirche changierend. Mentha inszeniert Tosca als echten Thriller. Er habe immer geträumt, mal einen Tatort zu machen: „Das ist jetzt mein Tatort.“

Man wird bei der Spielzeiteröffnung mit der Tosca gleich auch neue Ensemblemitglieder kennenlernen können, sogar ein Sopranist befindet sich darunter. Die musikalische Leitung hat Generalmusikdirektor Chin-Chao Lin.

Und übrigens: Sie springt nicht.

„Tosca“ hat Premiere am 14. September (19.30 Uhr) im Theater am Bismarckplatz.

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