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Theater

Spannender Kampf gegen Herzenskälte

„Die Schneekönigin“ raubt den kleinen Premierenbesuchern im Regensburger Velodrom den Atem. Aber Gerda besiegt das Böse.
Von Susanne Wiedamann

Die Schneekönigin (Andine Pfrepper) hält Kay (Marcel Klein) in ihrem Bann.  Foto: Jochen Quast
Die Schneekönigin (Andine Pfrepper) hält Kay (Marcel Klein) in ihrem Bann. Foto: Jochen Quast

Regensburg.Von einem Augenblick zum anderen ist alles anders. Gerdas liebster Spielkamerad Kay (Marcel Klein) rupft ihre geliebten Rosen aus dem Topf und nennt Gerda dumm, langweilig und hässlich. Plötzlich ist er eiskalt und gemein zu ihr. Gerda weint und Kay zischt ab, um mit den anderen Kindern zu spielen. Dass er dort von der Schneekönigin abgefangen wird, die ihn geschickt in ihr kaltes Königreich verführt, bekommt Gerda (Marianna McAven) erst nach einigen Tagen mit. Sofort zieht sie los, um Kay zu retten.

Nervenaufreibende Suche

Für die kleinen und großen Premierenbesucher im Regensburger Velodrom beginnt eine nervenaufreibende Suche, ein großes Abenteuer – das für die Kleinsten im Saal manchmal zu spannend ist (Die Altersempfehlung des Theaters „6+“ hat Sinn). Darum gibt es neben viel Gelächter und dann wieder atemberaubender Stille auch mal einen kleinen Schluchzer, wenn zum Beispiel die böse Schneekönigin (Andine Pfrepper) ihr Unwesen treibt.

Theater

Die Synthese von Herz und Kopf

Pünktlich zur Adventszeit kommt „Die Schneekönigin“ von Hans Christian Andersen auf die Bühne im Regensburger Velodrom.

Regisseur Robin Telfer hat den Stoff des Andersen-Märchens wunderbar für die Bühne aufbereitet. Klar haben die kleinen Zuschauer auch die Disneyfilm-Fassung im Kopf. Und so erschallt beim ersten Erscheinen des Schneemanns ein vielstimmiges „Olaf!“ aus dem Publikum. Doch diese Bühnenversion ist herrlich eigenständig und packt die Zuschauer ganz mit der Kunst des Theaters.

Ein höllischer Spaß

Von der ersten Szene an, in der die wüsten Kobolde das Schlechte hervorrufen und einen „höllischen Spaß“ versprechen, hängen die Kinder an den Lippen der Figuren. Michael Lindner hat ein schönes, modernes und sehr wandelbares Bühnenbild gebaut (Beleuchtung Leo Göbl), das er durch Videoprojektionen blitzschnell in Düsternis, eiskaltes Blau oder frühlingshaftes Sonnenlicht tauchen kann, oder mit denen er wilde Schneestürme entfesselt.

Die Schneekönigin

  • Das Stück

    Hans Christian Andersens (1805-1875) berühmte „Schneekönigin“ gehört zu den beliebtesten Märchen auf deutschen Bühnen. Der 1959 in England geborene Robin Telfer hat das Märchen inszeniert. Es ist seine vierte Regiearbeit in Regensburg.

  • Vorstellungen

    Die nächsten Vorstellungen sind am Dienstag, 27. November, am 28. und 29. November um 10 Uhr und am Freitag, 30. November, um 9 und 11 Uhr. Das Stück wird im Velodrom bis 6. Januar zu unterschiedlichen Zeiten gezeigt. Karten unter Telefon (09 41) 507 24 24

Katharina Heistingers Kostüme sind einerseits märchenhaft fantasievoll und andererseits so alltagstauglich, dass die Identifikation der Kinder mit Gerda und Kay ein Leichtes ist. Günter Lehr hat für alle Szenen, ob fröhlich, bedrohlich oder voll klirrender Kälte, die genau passende Musik herbeigezaubert.

Verwandlungskünstler

Gerda (Marianna McAven) kann das Räubermädchen (Andine Pfrepper) überzeugen, sie ziehen zu lassen. Sie muss Kay retten.  Foto: Jochen Quast
Gerda (Marianna McAven) kann das Räubermädchen (Andine Pfrepper) überzeugen, sie ziehen zu lassen. Sie muss Kay retten. Foto: Jochen Quast

Das kleine Ensemble sorgt dafür, dass das Publikum wie gebannt dem aufregenden Geschehen auf der Bühne folgt. Glänzend spielt Marianna McAven die mutige Gerda, die sich trotz aller Gefahren weder von der alten, egoistischen Frau noch von dem Räubermädchen von ihrem Vorhaben abbringen lässt. Marcel Klein muss, wie die restlichen Darsteller auch, in mehrere Rollen schlüpfen, gibt hervorragend den erkalteten Kay und mit Witz und vollem Einsatz auch noch die schnatternde weiße Rose, den in seiner Ruhe gestörten Prinzen, einen Höfling und einen Räuber.

Kleine Meisterstücke

Auch die Schneekönigin Andine Pfrepper hat viel zu tun. Sie macht die schönsten Nebenrollen im Stück, denen von Katharina Heistinger die prachtvollsten Kostüme auf den Leib geschneidert wurden, zu kleinen Meisterstücken: Sie ist eine grandiose Schneekönigin, aber auch ein wunderbar wildes Räubermädchen und eine überraschend selbstständige und selbstlose rosa Prinzessin, die Gerda für ihre Suche nach Kay eine goldene Kutsche zur Verfügung stellt.

Das Rentier (Ludwig Hohl) und der Schneemann (Felix Breuel) helfen Geda (Marianna McAven), den Palast der Schneekönigin zu finden. Foto: Jochen Quast
Das Rentier (Ludwig Hohl) und der Schneemann (Felix Breuel) helfen Geda (Marianna McAven), den Palast der Schneekönigin zu finden. Foto: Jochen Quast

Ob Felix Breuel als Kobold, Junge, rote Rose, Räubermutter Schneemann und – ganz groß – als gewitzte Krähe oder Ludwig Hohl, der in insgesamt sieben Rollen brillieren darf, und sich als Rentier in die Herzen der Kinder stiehlt, – sie alle verdienen einen Riesenrespekt für die schnellen Rollenwechsel und ihre Wandlungsfähigkeit. Auch Valerie Fischer, Luisa Roth und Victoria Rothe, die mal die Kinderbande und mal die Räuber verstärken.

Der Eispalast zerspringt

„Denen, die ein warmes Herz haben, kann die Schneekönigin nichts tun“, sagt das Rentier Ba. Und tatsächlich: Gerdas herzliche Art beeindruckt nicht nur das Räubermädchen, sondern bringt zum Schluss den Sieg über die böse Schneekönigin. Das Gute im Menschen überwindet eiskaltes Kalkül. Gerdas Tränen lassen die Kälte aus Kays Herz weichen. Und der Eispalast zerspringt in hunderttausend Teile. Nach rasend spannenden 70 Minuten gibt es ein Happy End und donnernden Applaus.

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