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Gastkritik

Starker Auftakt, fast kitschiges Ende

Der Familientherapeut und Kolumnist der Digitalen Sonntagszeitung Sebastian Sonntag hat für uns die „Hamlet“-Premiere besucht.

Sebastian Sonntag, Familientherapeut aus Amberg
Sebastian Sonntag, Familientherapeut aus Amberg

Regensburg.Herr Sonntag, an welche Szenen aus ihrem Berufsalltag hat der Regensburger „Hamlet“ Sie erinnert?

Es gab gleich zu Beginn des Stückes zwei Szenen, die mich sehr stark an meine berufliche Erfahrungen erinnerte. Ich arbeite viel mit trauernden Menschen. Deshalb empfand ich die Darstellung der Trauer Hamlets um seinen Vater ganz am Anfang sehr authentisch, dicht und hoch emotional. Die zweite Szene danach, als alle beteiligten Personen stumm und starr wie in einer Familienaufstellung auf der schrägen Ebene standen, war für mich ebenso großartig. Da kam für mich etwas von der unheimlichen Familien-Dynamik rüber, die ich von dieser Arbeit kenne.

Ließe sich das Drama verhindern?

Das weiß ich nicht. Denn man begegnet auch in der Arbeit als Familientherapeut Schicksalen, denen man hilflos gegenübersteht und keinerlei Möglichkeiten zur Hilfe hat. Die Eigendynamik in Familiensystemen ist oft gewaltig. Die Chancen auf Lösungen gibt es nur, wenn solche tieferliegende Konflikte, wie sie in diesem Stück so enorm sind, offen und in direktem Kontakt angesprochen werden. Zum Beispiel zwischen Mutter und Sohn, aber nicht in dieser Aggressivität, sondern mit Austausch der tieferen Gefühle wie Trauer und Schmerz. Aber ob das gereicht hätte, ist zu bezweifeln.

Was hat Ihnen an der Inszenierung gut gefallen, was weniger?

Sehr gut gefallen hat mir vor allem, wie schon erwähnt, die Anfangsinszenierung. Der Aufbau der Spannung mit der gewaltigen Musik und diesem plötzlichen Moment der Stille. Da war etwas erfahrbar von der Dramatik und Tragik dieser Geschichte. Den Bühnenaufbau mit der schrägen Ebene empfand ich toll, wie das Energiefeld eines Familiensystems. Wobei mir nicht immer klar war, ob die verschiedenen Bühnenebenen bestimmten thematischen Inhalten zugeordnet sein sollten. Leider war für mich im weiteren Verlauf des Stückes oft zu viel und zu lauter Aktivismus, wo ich mir manchmal mehr emotionale Dichte und Betroffenheit gewünscht hätte. Gerade auch am Ende. Der blutige Abschluss war mir zu spektakulär und fast kitschig.

Geben Sie doch bitte Ihre persönliche Bewertung in Form einer Schulnote ab.

Ich mag zwar Schulnoten nicht, aber hier würde ich 2- 3 geben, für den Gesamteindruck, nicht für die Leistung der Schauspieler. Das wäre 1.

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