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Lesung

Was bleibt von einem Leben?

Der Autor Robert Seethaler gab Einblicke in seinen neuen Roman „Das Feld“. Darin blicken Menschen auf ihr Leben zurück.
von Hannah Mages

Robert Seethaler und Knut Cordsen bei der Lesung im Neuhaussaal. Foto: Mages
Robert Seethaler und Knut Cordsen bei der Lesung im Neuhaussaal. Foto: Mages

Regensburg.„Ein faltiger Hintern ist genau so würdelos wie eine Lüge auf den letzten Drücker.“ Eine Lebensweisheit, die Susan Tessler von ihrer Freundin Henriette mit auf den Weg bekommen hat – süffisant, und dennoch mit einer Prise Wahrheit versehen. Susan ist eine der Protagonistinnen im neuen Roman von Robert Seethaler. In „Das Feld“ blicken Menschen nach dem Tod auf ihr Leben zurück. Sie erzählen von bewegenden Momenten, verblassten Erinnerungen, geben Ratschläge und sprechen Dinge aus, die sie ihren Hinterbliebenen nicht mehr sagen konnten. Jeder dieser fiktiven Rückblicke ist einzigartig. So versucht Herm Leydicke seinem Sohn zu vermitteln, woran dieser die Frau fürs Lebens erkennen kann – oder auch nicht: „Mach dir keine Mühe, die richtige Frau zu finden. Es gibt sie nicht.“ In einem anderen Rückblick erzählt eine Nymphomanin von ihren 67 Männerbekanntschaften und dem Einen, bei dem sie schließlich bleiben wollte, auch wenn sie sich nicht erklären könne, wie es dazu kommen konnte. Die Erinnerungen, die Robert Seethaler erschaffen hat, sind so individuell wie die Menschen, die sie erlebt haben. Sie erzählen und erinnern sich anders, und dennoch vermag es Seethaler, jeder seiner Figuren Emotionen einzuverleiben. Am Freitag war er ins Stadttheater gekommen, um sein neuestes Werk vorzustellen. Veranstaltet wurde die Lesung im Rahmen der Reihe „Große Namen – Große Texte“, eine Kooperation von Bücher Pustet und dem Theater Regensburg. Begleitet wurde Seethaler von Knut Cordsen vom Bayerischen Rundfunk, der dem Autor einige Anekdoten entlocken konnte. So wollte er wissen, warum der sich entschieden hat, sein Dasein als Schauspieler an den Nagel zu hängen. „Als Schauspieler habe ich mich so geschämt, ich war auf der Bühne wie eine offene Wunde. Das kann auf Dauer nicht gut gehen“, erklärte Seethaler. Mit einem Schmunzeln fügte er hinzu: „Ich bin ein ängstlicher Mensch, und versuche mich eigentlich vor solchen Situationen wie dieser Lesung zu drücken.“ Der Neuhaussaal ist bis auf den letzten Platz gefüllt, im Schein der Kronleuchter lässt Seethaler gefühlvoll die Gedankenwelten seiner Protagonisten entstehen. Auch das Hörbuch, dass zu seinem Roman erschienen ist, hat er selbst eingelesen. Manch einem mag ein leichter Schauer über die Haut ziehen, als Hanna Heim sich an ihren Mann wendet: „Fünfzig Jahre später hieltest du immer noch meine Hand. (…) Habe ich dir gesagt, dass ich dich liebe? Erinnerst du dich?“ „Das Feld“ erlaubt es, in diese Gefühlswelt einzutauchen, macht Augenblicke im Leben eines Menschen spürbar und schafft dennoch etwas, was nur wenigen Autoren zu gelingen scheint – ein ehrlicher Blick auf das Leben, unverkitscht und authentisch.

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