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Malerei

Unheimliche kleine Eroberer

Bodo Rott zeigt in Regensburg eine Reihe „Kinderbilder“: verstörende, lebenssprühende Wesen mit seltsam wissendem Blick.
Von Claudia Böckel, MZ

  • La Ballonesse, von Bodo Rott, zu sehen im Kunstkontor Westnerwacht in Regensburg Foto: Emanuel Schmid
  • Bodo Rott im Kunstkontor Westnerwacht in Regensburg vor einem seiner Bilder Foto: Emanuel Schmid
  • „Fotograf“ heißt dieses Bild von Bodo Rott, zu sehen im Kunstkontor Westnerwacht Foto: Emanuel Schmid
  • Ein tanzendes Mädchen mit tanzendem Hund, von Bodo Rott Foto: Emanuel Schmid

Regensburg.„Die Eroberer“ heißt die Ausstellung von Bodo Rott im Kunstkontor Westnerwacht. Kindliche Eroberer sind das, die ihre Welt erkunden. Am ersten Schultag stehen sie mit ihren Schultüten vor der Schiefertafel. Die Kinder haben merkwürdig erwachsen wirkende Gesichter: „Ich male Nicht-Kinder-Kinder“, sagt Bodo Rott.

Die Gesichter sind am deutlichsten ausgearbeitet, die Körper werden schon diffuser. Dann wird plötzlich nur mehr gezeichnet, wie mit bunter Kreide auf der Tafel. Bedeutungsschichten sind hier also gestaffelt: der Bildgrund ist die schwarze Schiefertafel. Gesichter sind sehr realistisch gemalt, allerdings entspricht der wissende Gesichtsausdruck nicht kindlicher Realität. Die Kreide-Kraxeleien wirken wie Kinderzeichnungen.

Unscharf und dann wieder real

Der Reiz von Bodo Rotts Gemälden liegt in dieser Diskrepanz von Realität und Schein, im Verunklären von Realität, im Verrätseln von Räumen. Andeutungen stehen neben ganz exakt ausgearbeiteten Stellen, Unschärfe neben Farbigkeit und Realitätsanspruch von antiquierten Abziehbildchen. Es gibt immer auch Fehlstellen im Bild, selbst bei den realistischen Teilen, Unfertiges, Skizziertes, nicht Ausgeführtes, Vorläufiges. Rott kombiniert verschiedene Bildsprachen, treibt dieses Spielchen auch mal auf die Spitze, indem er eine tätowierte Frau malt: „Ich dachte mir, ich male jetzt meine Figur an“. Noch eine Realitätsschicht mehr also.

Auf der anderen Seite arbeitet er mit Form und Formauflösung, mit starken Bewegungselementen. Das ist neu an Rotts Bildern. Bei den früheren Ausstellungen dieses Künstlers im Kunstkontor Westnerwacht waren seine Figuren statischer, eher traurige Kindmenschen bevölkerten seinen Kosmos, melancholische Grundstimmung herrschte vor. In den neuen Arbeiten sprühen seine Protagonisten nur so vor Lebensfreude, tanzen oder schaukeln in wilder Bewegung, explodieren vor Energie. Ein Hündchen balanciert auf der Zehenspitze seiner jungen Herrin mit dem roten Haar, das aus dem Bild quasi herausflutet.

Weniger böse als bei Yoshitomo Nara

Zirkuskünstler könnten sie sein, diese Wesen mit dem wissenden Blick. Sie sind keine guten Kinder. Ein unheimlicher Ton schwingt mit bei diesen „Ballonessen“, „Sängern“, „Alchemisten“, nicht so böse wie bei Yoshitomo Naras Kindgestalten, aber doch so, dass sie den Betrachter verunsichern. Soll man sich nun an den Bildern freuen oder sich fürchten? Rott, 1971 in Ingolstadt geboren, mit Studium in Nürnberg und an der HdK Berlin, hat seine eigene, hochinteressante Bildsprache gefunden, eine Bildsprache der Vorläufigkeit, des Uneindeutigen, das er mit starker Farbigkeit zu fassen sucht.

www.westnerwacht.de

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