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Lebenslänglich für den „Rosenmörder“

Landgericht Regensburg verurteilt den 43-jährigen Maurer wegen heimtückischen Mordes

Von Prozessbeginn bis zum Schlusswort hatte der Maurer beteuert: „Ich habe Sylvia schon tot aufgefunden. Warum hätte ich sie umbringen sollen? Ich habe sie doch so sehr geliebt.“ Das Tatmotiv „kennt nur der Angeklagte“, räumte der Kammervorsitzende Werner Ebner ein. Das Gericht spekuliere nicht. Die Kammer habe aber in dem vier Monate dauernden Prozess alle Möglichkeiten zur Erkenntnis ausgeschöpft. „Hierbei die mehr als ausreichende Überzeugung gewonnen, dass Leonhard B. seine Geliebte getötet und sich des Mordes schuldig gemacht hat.“

Den Erklärungen des Angeklagten glaubte das Gericht nicht. „Sie haben von Anfang an nur taktiert und bei jeder Vernehmung eine andere Variante gezogen“, hielt Ebner entgegen. Der Vorsitzende hatte die abweichenden Aussagen des Maurers nebeneinander aufgelistet: Räumte B. anfangs noch ein, er habe „mit dem Tod von Sylvia J. etwas zu tun“, so flüchtete er bald in Erinnerungslücken und sah schließlich den Täter im Umfeld der Prostituierten.

Der stärkste Beweis gegen B. seien die an der Leiche gefundenen Spermien des Angeklagten, so der Richter. Diese könnten laut Gerichtsmediziner nicht, wie behauptete, von einem Liebesakt am Vortag stammen. Die Spuren lägen nicht länger als sechs Stunden zurück. Das Sperma sei „zeitnah zum Todeseintritt gesetzt worden“. Ferner haftete einer Rasierklinge die DNA von B. und jene der toten Sylvia J. an. In sein Handgelenk und das der Toten habe der Maurer Schnitte eingefügt, um einen gemeinsamen Freitod vorzuspiegeln, so der Richter. Und: Am Antennenkabel, dem Tatwerkzeug, hatte sich gerade im Endabschnitt vermehrt Hautabrieb des Angeklagten gefunden. Zeichen für eine starke Beanspruchung.

Der Vorsitzende schloss die gegen den Angeklagten sprechende Kette von Indizien an: Den Streit des Paares am Vortag, von dem Sylvia J. ihrer Freundin berichtete: „Ich habe ihn hinausgeschmissen.“ Der Angeklagte sei am Tattag, jenem 14. Oktober 2004, seiner Arbeit unentschuldigt ferngeblieben. Er kaufte und zog schwarze Trauerkleidung an. Er überbrachte seiner geschiedenen Ehefrau 3000 Euro aus dem Besitz der Toten und deren Pelzmantel. Er verabschiedete sich von seinen Kindern und Eltern.

Als ganz außergewöhnliche, „emotionale Wiedergutmachung gegenüber der Toten“ wertete die Kammer, dass B. Sylvia‘s Leiche aufbahrte, die Bettdecke mit 18 roten Rosen bestreute und Kerzen entzündete. Dies lasse, so hatte ein Analytiker gefolgert, auf eine „starke, innere Bindung“ schließen. Erst dann meldete B. über Notruf der Polizei, dass in dem Appartement im Regensburger Norden eine Tote liege. In einem Abschiedsbrief bat der Maurer „um gemeinsame Einäscherung“. Doch sein Suizid mit 130 Schlaftabletten und Autoabgasen misslang.

Sylvia J. war erst nachts von ihrer Freundin in ihr Appartement zurückgekehrt. Der genaue Zeitpunkt der Tat könne nicht festgestellt werden, so der Vorsitzende. Er liege nach drei Uhr bis neun Uhr morgens. Sylvia J. habe auf ihrem Bett auf dem Bauch gelegen. Der Täter habe auf dem Rücken des Opfers kniend das Kabel um dessen Hals geschlungen und kraftvoll zugezogen. „B. handelte mit direktem Tötungsvorsatz.“ Die tiefe und sechs Millimeter breite Strangfurche am Hals der Toten beweise dies. Das Blut habe sich im Halsbereich gestaut und einen Sauerstoffmangel im Gehirn bewirkt. Nach drei bis fünf Minuten sei der Tod eingetreten. „Für das Opfer kam die Attacke offensichtlich überraschend. Der Liegenden war es nicht möglich, den Angriff abzuwehren.“ Darin erkannte das Gericht „Heimtücke“ und entschied auf Mord und lebenslange Freiheitsstrafe.

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