Rechtsserie
Banken haften bei Kartenbetrug: Es gibt aber einige Ausnahmen, wie der Experte erklärt

25.02.2024 | Stand 25.02.2024, 5:00 Uhr

Der Chamer Rechtsanwalt Christoph Treml erklärt, wann die Banken bei Kreditkartenbetrug haften. Foto: Ole Spata/dpa

In der heutigen Zeit, in der Online-Transaktionen zur Normalität gehören, steigt auch die Gefahr von Kreditkartenbetrug. Verbraucher stehen oft vor der Frage, wer die Verantwortung trägt, wenn es zu betrügerischen Abbuchungen kommt. Aus rechtlicher Sicht ist die Haftung der Banken bei Kreditkartenbetrug ein komplexes Thema, das durch Gesetze und Verordnungen geregelt wird.

Gemäß dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) und dem Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz (ZAG) haben Banken grundsätzlich eine hohe Verantwortung, die Sicherheit der von ihnen ausgegebenen Zahlungsmittel zu gewährleisten. Dies schließt auch Kreditkarten mit ein. Im Falle von Kreditkartenbetrug sind Banken dazu verpflichtet, den entstandenen Schaden zu ersetzen, sofern der Karteninhaber nicht grob fahrlässig gehandelt hat. Grobe Fahrlässigkeit liegt beispielsweise vor, wenn der Karteninhaber seine PIN zusammen mit der Karte aufbewahrt oder Dritten zugänglich gemacht hat.

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Nach § 675v BGB muss der Karteninhaber einen entstandenen Schaden bis zu einem Betrag von 50 Euro selbst tragen. Sobald die Bank über den Verlust oder Diebstahl informiert wurde, übernimmt sie die Haftung für weitere Missbräuche.

Diese Regelung soll einen Anreiz schaffen, Verluste schnell zu melden, und gleichzeitig sicherstellen, dass Verbraucher nicht unverhältnismäßig hoch für Schäden haften, die sie nicht verursacht haben.

Es gibt jedoch auch Ausnahmen von dieser Regel. Wenn die Bank nachweisen kann, dass der Karteninhaber betrügerisch gehandelt oder seine Sorgfaltspflichten in erheblichem Maße verletzt hat, kann die Haftung des Karteninhabers über den Betrag von 50 Euro hinausgehen.

Darüber hinaus sind Banken nicht zur Entschädigung verpflichtet, wenn sie beweisen können, dass der Karteninhaber keine Sicherheitsmaßnahmen befolgt hat, die zum Schutz der Karte beziehungsweise des Kontos erforderlich sind.

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Trotz der klaren gesetzlichen Regelungen gibt es in der Praxis oft Unstimmigkeiten zwischen Banken und Kunden über die Frage der Haftung. Es ist daher ratsam, dass Karteninhaber ihre Karten und die zugehörigen Sicherheitsmerkmale sorgfältig handhaben. Dazu gehört, PINs sicher zu verwahren, regelmäßig Kontoauszüge zu überprüfen und den Verlust oder Diebstahl von Karten unverzüglich zu melden.

Abschließend lässt sich festhalten, dass das Gesetz einen Rahmen vorgibt, der Verbraucher vor den finanziellen Folgen von Kreditkartenbetrug schützt, sofern sie nicht grob fahrlässig gehandelt haben. Dennoch bleibt es eine gemeinsame Verantwortung von Banken und Karteninhabern, durch sorgfältigen Umgang und schnelle Kommunikation Betrugsfälle zu minimieren und effektiv zu bekämpfen.