Fasching in Waldmünchen
Bei Wagerlzug in Perlhütte große Politik und lokale Besonderheiten auf die Schippe genommen

12.02.2024 | Stand 12.02.2024, 11:00 Uhr

Ein Bauernprotest à la Perlhütte sieht im Fasching so aus. Fotos: Ingrid Milutinovic

Wer da glaubt, der Wagerlzug in Perlhütte beginne um 14 Uhr, der musste sich eines Besseren belehren lassen.

Während die einen noch in Garagen oder Schuppen letzte Hand an ihre Wagen anlegten, oder sich in kleiner Runde auf das Kommende vorbereiteten, trafen sich bereits am Vormittag Aktive im Trepferl bei Helmut Blahnik, um bei einem Weißwurstfrühstück eine solide Grundlage für alles, was der Tag noch so bringen sollte, zu legen. Die Stimmung war schon hier grandios. Aufwärmen – von innen und außen – da konnte dann aber auch nichts mehr schief gehen.Auch wenn sich die Regenprognose „Das hört heute Mittag auf“ doch nicht bewahrheitete, tat das der Stimmung keinen Abbruch.

Spontan-Zelt gegen Regen

Auch die Zuschauer strömten in Scharen herbei. Bunte Kostüme – nicht nur für die kleinen Jecken – belebten das Bild, auch wenn viele dann doch lieber zur wasserdichten Jacke gegriffen hatten. „Da packt man sich einfach gut ein“, „man kanns halt nicht ändern“ – alle nahmen es gelassen. Die trockenen Plätzchen wie das Bushäusl oder unter Garagenvordächern waren gefragt, und einer hatte sogar kurzerhand ein Zelt vor der Garage aufgebaut, wo er jetzt mit Freunden gut gelaunt wartete. Auch manch Vorbeikommender machte hier kurz Station zum Aufwärmen.



Das könnte Sie auch interessieren: Faschingszug mit vielen Wagen: In Chammünster herrschte eine galaktische Stimmung


Zum Einstimmen gab es gleich einmal ein Standkonzert am Bushäusl, bis sich der Zug vom „Trepferl“ kommend pünktlich in Bewegung setzte. Die Perlhütter hatten wieder einmal keine Mühen gescheut und einen bunten Zug auf die Beine gestellt. Die Themen waren vielfältig. Nicht nur lokale Themen waren es, auch die große Politik kam nicht zu kurz.

Der Tod des Skilifts

Dass die Klimakleber jetzt auch in Perlhütte unterwegs sind, Straßen blockieren und die Polizei wieder aufräumen muss, bewegte ebenso wie die Diskussion um die Sicherheit der Rente. Und die Ampel bekam (natürlich) auch hier den Protest der Bauern zu spüren, während andere schon mal einen Ausblick auf die kommende Bundestagswahl wagten.

Lokal gab es gleichermaßen genügend Themen. Die Perlhütter Straßenwärter ließen ihrem Frust freien Lauf, wenn es um den Zustand „ihrer“ Straßen ging, die ja „eh so schee han“. Auch der „Tod“ des Skilifts und die Not der Skifahrer hatten zu einem Wagen inspiriert. Von der Müllentsorgung in Wackerling ganz zu schweigen: „Trautes Heim, Schutt daheim“, ließ Schlimmes erahnen.

Dazwischen wurde es immer wieder bunt. Der Fantasie waren bei den Kostümen fast keine Grenzen gesetzt. Haribo-Bärchen, Igel, ein gewagtes Outfit mit Badelatschen und Bademantel, ein Hauch von Karibik und zum Abschluss sogar der Weihnachtsmann mit – zugegeben – etwas grimmigem Gesicht. Oder war er etwa als Alien auf der Erde gestrandet?

Auch am Straßenrand tat sich so einiges. Während die jüngsten Zuschauer eifrig Bonbons und Gummibärchen sammelten, waren die älteren eher mit den wärmenden Getränken zu locken.

Gelegenheit, ein Gläschen zu ergattern, gab es wahrlich genug, und so wurde auch die Stimmung (wenn sie nicht schon vorher so gut gewesen wäre) mit jedem Wagen besser. Bei so viel Spaß an der Freud’ hatten die Spendensammler an diesem Regentag dann doch auch wieder ein relativ leichtes Spiel.