Verein in Not
Deutsch-französischem Freundeskreis Furth im Wald droht das endgültige Aus

29.02.2024 | Stand 29.02.2024, 5:00 Uhr

Das Amt als Vorsitzender des Pétanque-Clubs, den er seit 37 Jahren führt, wird Wissmann weiter ausführen. Foto: Frimberger

Der deutsch-französische Freundeskreis befindet sich in der Krise, das Aus droht (wir berichteten). Gibt es einen Rettungsanker? Der Vorsitzende Bertrand Wissmann kennt die Antwort.

Keiner ist in Furth im Wald wohl besser als Vorsitzender des Vereins geeignet, als der heute 75-Jährige. Geboren in Lothringen war er als Soldat in Landau stationiert. Am 10. Januar 1970 kam er nach Furth im Wald. „Ich erinnere mich genau an das Datum, man hat uns damals gesagt, wir kommen nach Klein-Sibirien.“ Was sich heute keiner mehr vorstellen kann, es gab damals noch Winter mit 20 Grad minus und meterhohe Schneewände. 1997 hat er sich an den damaligen Bürgermeister Reinhold Macho gewendet, ob man nicht einen deutsch-französischen Verein gründen sollte. Macho war sofort begeistert. Eine Satzung wurde ausgearbeitet. Vereinszweck, so steht es in dem Dokument, ist: „Förderung von gegenseitigem Verständnis in Kunst, Kultur und Brauchtum.“ Außerdem soll Hilfe bei der Aufnahme von persönlichen Kontakten geleistet und die sportliche und kulturelle Begegnung gefördert werden.

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Vorsitzender wurde Furths damaliger 2. Bürgermeister, Wissmann sein Stellvertreter. Nach einem Zerwürfnis mit Macho warf der Vorsitzende hin und Wissmann rückte an die Spitze vor. „Wir haben gleich im ersten Jahr einen großen Ball veranstaltet, zu dem wir rund 100 ehemalige in Furth stationierte Soldaten eingeladen haben.“ Viele sind gekommen. Über die Jahre hat man vor allem französische Traditionen gepflegt, den französischen Nationalfeiertag am 14. Juli gefeiert und Abende mit französischen Gerichten wie Mechoui (Lamm auf dem Grill) zelebriert. Natürlich gab es auch viele Ausflüge zu den Freunden in Frankreich aber auch nach Belgien, Berlin und anderswohin.

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Neun Mitglieder haben den Verein gegründet, 120 waren es zu Spitzenzeiten. Derzeit sind es noch 89. „Davon sind vielleicht noch 20 aktiv“, sagt Wissmann, der seinen Rücktritt damit erklärt, dass ihm einfach die ganze Organisation immer schwerer fällt und er kürzertreten muss. Bei der zurückliegenden Jahreshauptversammlung kristallisierte sich kein neuer Vorstand heraus. Im Mai soll es einen letzten Versuch geben. „Ich glaube nicht, dass wir einen finden, alle Aktiven haben schon abgewunken, wollen überhaupt kein Amt übernehmen.“ Wenn der Verein sich auflöst, dann sei das schade, andererseits: „Alles hat seine Zeit.“