Geschichten aus der Heimat
Erinnerung an die „Schwarzecker Streif“: Lohberger Helmut Kühn jun. hat eine Chronik erstellt

06.02.2024 | Stand 06.02.2024, 11:00 Uhr
Maria Frisch

Sie haben das Rennen am Schwarzeck gemeistert: Die Siegermannschaft 1968 (von links Hermann Kopp (Lehrer); Franz Kopp, Michael Weber und Josef Kopp) Foto: Repro Helmut Kühn jun.

Heimat-Geschichte: Der Lohberger Helmut Kühn jun. hat über den Schwarzecker Schützenverein eine Chronik erstellt. Darin erinnert er unter anderem an den berühmt-berüchtigten Riesentorlauf, der Zuschauer aus dem ganzen Altlandkreis Kötzting anlockte.

Der Schwarzecker Schützenverein prägte über 40 Jahre lang das Dorfleben von Schwarzenbach in der Gemeine Lohberg. Durch eine Vielzahl von Aktivitäten, insbesondere der traditionellen Faschingshochzeit, war er über die Landkreisgrenze hinaus bekannt.

1993 ist das Licht des Vereins erloschen. Im Jahr 2006 setzten die ehemaligen Schützen zusammen mit der Bevölkerung von Schwarzenbach und Umgebung mit der Aufstellung des neuen Gipfelkreuzes auf dem Schwarzeck noch einmal ein Zeichen des Zusammenhalts und der Geschlossenheit. Da Helmut Kühn jun. das Vereinsgeschehen von Kindesbeinen an begleitete und selbst Mitglied war, fasste er den Entschluss, Wissenswertes zusammenzutragen, um es den Nachkommen zu erhalten.

Stoffsammlung ging zäh voran

Die Erstellung einer Chronik beschäftigte Helmut Kühn jun. etliche Jahre, einesteils weil er dies allein in seiner Freizeit bewerkstelligte und anderseits, weil die Stoffsammlung ziemlich zäh vonstatten ging. Nach der Auflösung hatte nahezu jeder etwas mit nach Hause genommen.

Nachdem erstmals am Rande der Kreuzaufstellung 2006 die Idee auftauchte, die Erinnerungsstücke wieder zu vereinen, hat Helmut Kühn jun. einen Fragebogen ausgearbeitet für die ehemaligen Mitglieder.

Mühsame Material-Suche

Der Initiator suchte damit sämtliche Dorfbewohner persönlich auf, um ihnen sein Vorhaben zu schildern und sie um Mitwirkung zu bitten. Zum Lückenschluss trugen auch drei Bücher der Schriftführerin Anita Hupf bei. Das zusammengetragene Material musste nun akribisch sortiert, gegliedert und zu einem Gesamtwerk zusammengeführt werden, was viel Zeit in Anspruch nahm. Insgesamt hat der Urheber 250 Bilder digitalisiert.

Froh, nicht aufgegeben zu haben

Die Vervollständigung der vielen Puzzleteile glückte erst, als Helmut Kühn jun. in den Ruhestand ging. „Die Chronik ist nun fertig und kann bei mir eingesehen werden“, ist der Urheber froh, dass er nicht aufgegeben hat, obwohl ihm hin und wieder danach war. Der Schwarzecker Schützenverein wurde am 13. Dezember 1950 im Gasthaus Berta Brandl mit der Bezeichnung „Schützengilde Schwarzeck“ von 23 Gründungsmitgliedern aus der Taufe gehoben. Nach einem ersten Provisorium im Gastzimmer des Wirtshauses Kopp-Brandl, holten die Führungskräfte 1963 die Erlaubnis zur Errichtung eines Schießstandes im Brandlsaal ein. 20 Jahre später – im Oktober 1983 – schien die Vorstandschaft noch hoffnungsvoll in die Zukunft zu blicken, indem sie den Bau einer neuen Schützenhalle realisierte. Vereinswirt Michael Dahmann kümmerte sich um Baugenehmigung und Planung. In der einjährigen Bauphase wurden 769 freiwillige Arbeitsstunden geleistet, bis der alte Stall als Schützenhalle Gestalt annahm. Im Dezember 1985 erfolgte die Einweihung durch Pfarrer Ambros Trummer.

Über das ein oder das andere schmunzeln

Allerdings dauerte diese Ära nicht lange. Im Winter 1990 räumte man bereits die Anlage. Die Vereinstätigkeit ruhte ab 1993 gänzlich. Nichtsdestotrotz ist es interessant, in der Chronik zu blättern. Wer dies tut, kann über das eine oder andere schmunzeln, zum Beispiel über die Sperrstunden oder die kurzen und prägnanten Aufzeichnungen von Einnahmen und Ausgaben und sonstigem Schriftverkehr. Augenfällig war, dass vieles mit weit weniger Bürokratie als in der Gegenwart geschah und genauso in Ordnung war.

Schwarzecker haben einen eigenen Schützenmarsch

Viele wissen bestimmt nicht, dass die Schwarzecker auch einen eigenen Schützenmarsch haben, der leider nur einmal gespielt wurde und in dem Nachschlagwerk verewigt ist. Die Zeitzeugen und der Verfasser der Chronik sind sich einig, dass die Schwarzenbacher Schützen ein Verein waren, in dem Geselligkeit, Kameradschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl im Mittelpunkt standen. Auf den Vereinsabenden wurde viel gesungen und gelacht. In puncto Schießsport bestand zu keiner Zeit das Bestreben, das Leistungsniveau zu steigern.

Anlässlich der gegenwärtigen Winterzeit sei an den Abfahrts- beziehungsweise Riesentorlauf auf der „Schwarzecker Streif“ erinnert, der von 1968 bis 1970 und von 1981 bis 1987 durchgeführt wurde. Die Streckenlänge betrug 900 bis 1200 Meter, die Höhendifferenz 150 bis 200 Meter. Startlisten und Zeiten wurden händisch geführt und gestoppt.

Die Schützengesellschaft in Schwarzenbach erhielt stets viel Lob für die Organisation. Es handelte sich um einen Wettbewerb im Einzel- und Mannschaftsfahren, wobei dem besten Team und dem Einzelsieger (Tagesbesten) ein Wanderpokal winkte.

Die Schützengesellschaften aus Lohberg, Sommerau, Eggersberg, Lam und Lambach entsandten ihre Läufer. Auf die Schneelage auf der Hausstrecke war nicht alle Jahre Verlass. Auch damals, etwa in den Jahren 1985 und 1986, gab es schon Absagen wegen fehlender weißer Pracht.

Die Piste wurde festgetreten

Über den Ablauf 1969 ist zum Beispiel auszugsweise nachzulesen: Nach tagelanger Vorarbeit, bei der die „Streif“ festgetreten werden musste, stand dem Abfahrtslauf nichts mehr im Wege. Die Organisation lag in den bewährten Händen des Zimmerermeisters Sepp Kopp aus Lohberghütte. Mittags hatte die Lohberger Grenzpolizei die Zufahrtsstrecke nach Schwarzenbach wegen des Andrangs bereits sperren müssen.

Dank der Unterstützung des Lohberger Oberfeldwebels Wolfgang Loderbauer standen an Start und Ziel die Bundeswehrsoldaten vom Standort Kötzting mit ihren Funkgeräten. Die Rotkreuzflagge wehte vom Fahrzeug des Lohberger Arztes Dr. Wolf.

Die Lamer Bergwacht hatte ihre Einsatzstellungen besetzt. Über die Lautsprecheranlage wurden die zahlreichen Aktiven angekündigt. Schon als die ersten Läufer die Strecke passiert hatten, zeigte sich, dass gefährliche Stellen und Buckel den Athleten – auch durch Sprünge - zum Verhängnis wurden. Zeitweilig gab es reihenweise Stürze.

Am Abend war der große Koppn-Saal bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Blaskapelle Moser hatte die Gäste schon in gute Stimmung gebracht. Nach der Preisverteilung wurde beim Schifohrakranzl ordentlich gefeiert. Dies führte mitunter sogar soweit, dass aus den Schischuhen getrunken wurde.

kfl