Starkes Zeichen setzen
Erst wird im MGH Waldmünchen gebastelt und geredet, dann in Cham demonstriert

18.02.2024 | Stand 18.02.2024, 19:00 Uhr

Bunt und vielfältig, im wahrsten Sinne des Wortes, an einem Tag der Demo(kratie); die Waldmünchner flankierten die Kundgebung in Cham mit Aktionen im Mehrgenerationenhaus. Fotos: Schoplocher

1933. Die Jahreszahl fällt zwei Mal an diesem Vormittag im Mehrgenerationenhaus. Einmal muss sie Alois Nock (67) bemühen, einmal nennt sie die gerade einmal 13-jährige Charlotte Heiner. AfD wählen, das sei „sowas von 1933“, sagt sie entrüstet. Und ahnt gar nicht, wie sehr sie damit den Kern dieses Tages trifft.



Die Großkundgebung in Cham, sie ist das eine. Die Waldmünchner haben indes gleich einen ganzen Tag für Demokratie daraus gemacht. Für drei Buchstaben, die MGH-Projektleiterin Susi Nock und ihrem Team ganz wichtig sind. „Wir wollen für und nicht gegen etwas einstehen.“

Und das war eine Menge, wie sofort klar wurde, als die ersten im Mehrgenerationenhaus (MGH) zu Filzer und Farbe griffen: Toleranz, Vielfalt.... Leitlinien, die seit jeher auch das MGH ausmachen. „Hier hat jeder seinen Platz, jung, alt, männlich, weiblich, divers, ob Waldmünchner, Zugezogener, ob mit oder ohne Migrations- und Fluchtgeschichte“, positioniert sich Nock im Namen aller. Was ihrer Meinung nach einschließt, dass „wir absolut gegen Hass und Hetze sind“. Das dürfe man schon betonen.

Die (Ur)Großeltern

1933. Charlotte Heiner hat sich für den Spruch „AfD wählen ist wie 1933“ für ihr (erstes) Transparent ausgesucht. Die Jugend sucht sich sowas heutzutage im Internet. Dort stolpert sie über einen weiteren Vorschlag, von dem sie derart begeistert ist, dass sie gleich noch ein zweites Plakat gestaltet. Wieder geht es um die Alternative für Deutschland. „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Oma“ (wenngleich das im Fall der Jugendlichen auf Uroma umgedichtet werden musste).

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Das Jahr 1933, es treibt Alois Nock seit Wochen um. „So ging das damals auch los.“ Ein Gedanke, der den Vorsitzenden des MGH-Trägervereins nicht mehr losgelassen hat. „Wir müssen was tun, nur darüber reden hilft nichts (mehr).“ In erste Ideen und Überlegungen, eine Demonstration in Waldmünchen zu organisieren, fiel der erste Hinweis auf die breit angelegte Aktion in Cham.

Idee der Bastelaktion war geboren

Es bedurfte nur einer kurzen Absprache, dann war klar: Wir sind dabei. Und das nicht nur als Teilnehmer, hatte Nadine Himmelhuber vom Team doch ziemlich schnell angeregt, die Plakate selbst und gemeinsam zu gestalten. Die Idee der Bastel-und Mal-Aktion war geboren, und von der war es zu einem ganzen Demokratietag nicht mehr weit. Zumal sich die Stadt als Mitveranstalter sofort (unterstützend) an die Seite der Initiatoren gestellt hat. Die wiederum machten gleich ganze Sache, organisierten ein Frühstück der Vielfalt, kümmerten sich um Zugverbindungen und jene, denen das zu viel war, um Fahrgemeinschaften.

Dass die Abordnung aus der Trenckstadt sich auch am Chamer Volksfestplatz gemeinsam präsentierte, freute Susanne Nock. Wie ihr Fazit insgesamt sehr positiv ausfällt: Es sei „schlicht toll, dass sich so viele klar positionieren“.

Wegen der Unterstützung ganz aus dem Häuschen

Der Waldmünchner Aktionstag hat Wellen geschlagen. Nock berichtet von einem Anruf. Der Mann am anderen Ende der Leitung war ganz aus dem Häuschen ob der Unterstützung aus dem MGH. Dessen stete Aufrufe zur Teilnahme hätten auch den Chamer Veranstaltern gut getan. Nicht nur das. Die Betreiber des Instagram-Auftritts „seiten.verkehrt“ haben nicht nur die Chamer Demo-Ankündigung, sondern auch die Aktion in Waldmünchen markiet. „Und die hat mehr als 100 000 Anhänger“, erwähnt Nadine Himmelhuber sichtlich verzückt.

„Wir sind mehr“

Für sie, deren Handy der Aufkleber „Ich mag Nazis generell nicht“ ziert, gibt es keine Alternative, als jetzt aufzustehen. „Wir müssen die Gegenmasse zeigen.“ Die, die für die Demokratie eintreten, seien viel mehr als die Rechten.

Ihre Kollegin Kristina Schlaegel bringt ein weiteres Argument ein: Freiheit, Demokratie, Rechtsstaat – all‘ das sei leider eben nicht mehr selbstverständlich. „Wir müssen unser Wort erheben, damit es wieder selbstverständlich wird.“

Wie bunt Waldmünchen ist, zeigte sich nicht nur auf den Plakaten, die von der „Roten Karte für die AfD“ bis zum ans Stadtmotto angelehnte „Waldmünchen sonnenklar und regenbogenbunt“ reichten. Oder zu der Aussage: „Ich bin so sauer, ich hab‘ sogar ein Plakat gebastelt“.

Das MGH wäre nicht das MGH, hätte die Aktion nicht einen Nachklang. Die gebastelten Schilder sollen in den Fenstern ausgestellt werden. Eine (weitere) klare Botschaft.