Die Realität im Blick
Erste Einzelausstellung des Künstlers Terence Carr aus Kenia im Woferlhof eröffnet

16.10.2023 | Stand 16.10.2023, 17:37 Uhr
Alois Dachs

Der Künstler Terence Carr,hier zusammen mit Galeristin Elisabeth Lerche, präsentiert seit Samstag in der Galerie im Woferlhof seine aktuellen Bildhauerarbeiten. Fotos: Christa Rabl-Dachs

„Meine Realität“, nennt der in Kenia geborene Maler und Bildhauer Terence Carr seine erste Einzelausstellung in der Galerie im Woferlhof in Wettzell, die am Samstag im Beisein zahlreicher Gäste eröffnet wurde.

Der Künstler lud die Besucher in seiner Einführung zu einem kleinen Streifzug durch sein vielseitiges Wirken als Maler und Bildhauer ein, das in seinen brachial wirkenden, aber überaus ausdrucksvollen Arbeiten mit Motorsäge und einer gefühlvollen Farbgestaltung seine Krönung findet.

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Galeristin Elisabeth Lerche stellte den Künstler vor, den sie seit 23 Jahren kennt. Ihr Ehemann Achim Lerche habe Terence Carr einst in dessen Atelier besucht und sei mit dem begeisterten Urteil, das ist ein toller Mann, zurückgekehrt, so Lerche, die längst die damalige Einschätzung ihres Ehemannes teilt.

Stadtratsmitglied Sylvia Ebner-Fuchs gratulierte im Namen der Stadt Bad Kötzting in Vertretung des Bürgermeisters zu der ersten Einzelausstellung des Künstlers im Woferlhof, der mit verschiedenen Werken in der Vergangenheit bereits bei großen Präsentationen unter dem Motto Meine Künstler in Wettzell vertreten war. „Weiter so! Wir zählen auf Sie!“, sagte Ebner-Fuchs der Galeristin, die hier einen Anziehungspunkt für Künstler und kunstinteressiertes Publikum betreibe.

Die subjektive Realität

Terence Carr erläuterte den zahlreichen Besuchern der Vernissage, wie es zu der Einzelausstellung unter dem Titel „Meine Realität“ gekommen ist. Dazu müsse der Begriff Realität aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden, weil sich hier eine philosophische Aufgabe stellte. So werde die rein physische Realität von Betrachtern oft als Basis gesehen, was aber die Realität als „Produkt des Geistes“, wie sie schon Immanuel Kant beschrieb, außer Acht lasse. Der reine Konstruktivismus brauche die Erfahrung, Überzeugungen und einen kulturellen Hintergrund, sagte Terence Carr.

Die subjektive Realität zeige sich darin, dass jeder Mensch die Realität einzigartig wahrnimmt. Schließlich sei auch eine Konsensrealität möglich, bei der eine Gruppe von Betrachtern zu einer gemeinsamen Überzeugung kommt. Je nach Perspektive und Weltanschauung zeige sich jedem Menschen also die Realität anders.

„Meine Realität hat sich mit dem künstlerischen Schaffen entwickelt“, erklärte Terence Carr, der in Kenia geboren und 14 Jahre in Afrika aufgewachsen ist, ehe er nach England kam, wo er schließlich an der weltbekannten Militärakademie Sandhurst sein Offizierspatent machte und unter anderem den Bürgerkrieg in Nordirland miterlebte. Erst nachdem er den Militärdienst quittiert hatte, sei sein Interesse an der Kunst erwacht, was ihn zunächst zum Studium in Deutschland führte, dem etliche Lehrjahre in China und Südostasien folgten. Dass er mit gegenständlicher Malerei, mit Portraits, Landschaften und Stillleben begonnen habe, konnte Terence Carr mit einigen fein gestalteten Frühwerken belegen.

Brachiale Tätigkeit

Seine künstlerische Befreiung habe er aber mit dem Wechsel zur Bildhauerei erlebt, wobei die Motorsäge als Handwerkszeug eigentlich Ausdruck von brachialer Tätigkeit in der Kunst war, mit der sich abstrakte Arbeiten in Holz optimal gestalten lassen, denen dann mit Farbe im Detail Leben eingehaucht werde, die harte Schnittstellen wieder weich mache.

Die bewusste Auseinandersetzung mit Farben und Formen habe schließlich zu dem künstlerischen Repertoire geführt, das neue Dimensionen erschließe. Terence Carr rief die Besucher auf, sich mit seinen Werken auseinanderzusetzen. Seine Kunstwerke könnten sie noch intensiver kennenlernen, „wenn Sie welche von meinen Realitäten mit nach Hause nehmen“, schloss der Künstler.