Am härtesten getroffen
Gewitterfront zieht über Waldmünchen und hinterlässt schwere Schäden

23.06.2023 | Stand 14.09.2023, 22:44 Uhr |
Benny Schlegl

Das Einfamilienhaus in Döfering wurde durch den umstürzenden Baum erheblich beschädigt.

Die schweren Gewitter haben am Donnerstag insbesondere die Region um Waldmünchen (Landkreis Cham) getroffen. Die Feuerwehren haben mehr als 30 Einsatzstellen abgearbeitet, darunter vor allem blockierte Fahrbahnen, aber auch zwei Wohnhäuser, die von umstürzenden Bäumen getroffen wurden. Punktuell wurde der Wald an einigen Stellen nahezu dem Erdboden gleichgemacht.



Zunächst sah es so aus, als würde die herannahende Gewitterfront den Landkreis Cham nur leicht treffen. Innerhalb kürzester Zeit haben die Gewitterzellen aber dann noch mächtig an Energie gewonnen. Und so traf das Gewitter gegen 22 Uhr mit zahlreichen Blitzen, Starkregen und heftigen Sturmböen insbesondere die Region um Waldmünchen. Nach einer halben Stunde war der Spuk in der Nacht von Donnerstag auf Freitag dann schon wieder vorbei.

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Die ersten Einsätze für die FFW Waldmünchen waren Wasser im Keller sowie diverse Bäume auf Fahrbahnen im Stadtgebiet. Außerdem stürzte in der Nähe von Döfering ein Baum auf ein Einfamilienhaus und beschädigte das Dach erheblich. Die alarmierte FFW Döfering forderte rasch die Drehleiter der FFW Waldmünchen an, die dort dann auch für mehrere Stunden im Einsatz war. Denn es galt nicht nur, den Baum vom Haus zu entfernen, sondern auch das Dach provisorisch mit einer Plane zu schützen, da für Mitternacht eine weitere Gewitterfront erwartet wurde. Vor Ort waren KBI Norbert Auerbeck und KBM Benjamin Wachter, die die Hilfsmaßnahmen koordinierten.

Notdach vom Landkreis



Das Dach wurde mit einem „Notdach“ abgedeckt, von denen der Landkreis Cham mehrere Exemplare im Katastrophenschutzlager vorrätig hat. Das Dach wurde von der FFW Cham angeliefert und schließlich mit der Drehleiter installiert. Das weitere Einsatzgeschehen in und um Waldmünchen wurde schließlich größtenteils von der Feuerwache der FFW Waldmünchen aus koordiniert, wo auch KBM Andreas Bierl zumeist anwesend war. Es kamen im Laufe der Nacht viele weitere Einsätze hinzu.

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Eile war bei einem weiteren Haus im Stadtgebiet von Waldmünchen geboten: Dort war ebenfalls ein Baum auf das Haus gefallen, die Einwohner waren bereits dabei, das Dach selbst zu schützen. Hier konnte dann ebenfalls zügig Hilfe geleistet und das Dach regenfest gemacht werden.

Im weiteren Einsatzgeschehen wurde immer wieder weitere Feuerwehren nachalarmiert. Die Aufgaben beschränkten sich zumeist auf umgefallene Bäume, aber auch mehrere Telefonmasten knickten um oder Telefonleitungen wurden abgerissen. In Geigant erwischte es die dortige Wehr, die eigentlich selbst im Einsatz war: Der Regen drückte in das Gerätehaus, so dass mit Hilfe von Wassersaugern die Wache wieder trocken gemacht werden musste.

Noch in der Nacht wurden durch die Feuerwehren, aber auch durch den städtischen Bauhof, die verschiedenen Hauptstraßen in der Umgebung abgefahren, um diese gegebenenfalls freizubekommen. In Absprache mit den Baulastträgern wurden die Straße in Richtung Arnstein sowie eine Straße bei Zillendorf gesperrt, da dort zu schwere bzw. zu viele Bäume umgefallen waren und nicht sofort entfernt werden konnten. Auch die Stadtwerke hatten nahezu das ganze Personal im Einsatz, um insbesondere die Stromversorgung in allen Bereichen wieder herzustellen. Mehr als 30 Einsatzstellen wurden von den Feuerwehren bis zirka 2 Uhr abgearbeitet, in den Morgenstunden kamen noch einige weitere Einsätze hinzu.

Perlsee-Rundweg gesperrt



Das ganze Ausmaß der nächtlichen Zerstörung zeigte sich erst bei Tageslicht: So wütete der Sturm insbesondere auf einem Waldstück in der Nähe von Perlhütte und Perlsee. Dort knickten nahezu alle Bäume wie Streichhölzer um und rissen die Stromversorgung in Richtung Höll ab. Noch in der Nacht wurde hier eine provisorische Stromversorgung für die Ortschaft Höll durch die Stadtwerke eingerichtet. Der große Rundweg um den Perlsee ist in diesem Bereich nun gesperrt, da zahlreiche Bäume auf dem Weg liegen. Hier dürften die Aufräumarbeiten noch mehrere Tage in Anspruch nehmen. Auch am Sportplatz beim Jahnplatz hat der Sturm gleich mehrere Bäume umgeknickt und die Anzeigentafel wurde nur knapp verfehlt. Insbesondere der städtische Bauhof, aber auch die örtlichen und regionalen Stromversorger waren den ganzen Freitag über noch im Einsatz, um die Folgen der Gewitterfront zu beseitigen.

Eine derartige Gewitterfront hinterlässt ihre Spuren, die eben nicht alle auf einmal abgearbeitet werden können. Die Rettungskräfte, aber auch die Stromversorger müssen bei einem hohen Einsatz- bzw. Schadenaufkommen priorisieren und abwägen, wo zuerst gehandelt werden muss. In der Sturmnacht konnte das Einsatzaufkommen von den Feuerwehren insgesamt gut bewältigt werden.

Mehr Probleme hatten aber die Betreiber der Stromversorgung. Denn einige Stromleitungen wurden abgerissen und es gab mehrere Stromausfälle. Zig Anrufe, wie lange denn jetzt kein Strom da ist, oder aber die eigene Sorge um das Abtauen des Gefrierfachs halten die Mitarbeiter von ihren dringenden Arbeiten ab. Es gibt Menschen und Einrichtungen, die sind für das eigene Überleben viel dringender auf Strom angewiesen. Und auch die Stromversorger müssen bei den ganzen Verwüstungen erst einmal zu ihren Verteilerpunkten durchkommen. So gesehen hilft nur der Appell, etwas mehr Gelassenheit zu haben. Und die zahlreichen Kräfte machen das ihnen Menschenmögliche – darauf kann man sich verlassen.