Lob von allen Seiten
Jubiläum gefeiert: KLJB Schorndorf ist 70 Jahre und dennoch „Forever Young“

19.11.2023 | Stand 19.11.2023, 18:00 Uhr

Nach dem Jubiläumsgottesdienst zum 70-jährigen Bestehen stellten sich die Landjugend-Mitglieder mit KLJB-Diözesanseelsorger Pater Christian Liebenstein zum Erinnerungsfoto. Foto: cls

Nicht mit einem berauschenden Fest, sondern mit einem Jubiläumsgottesdienst sowie einem Abendessen beging die Katholische Landjugendbewegung (KLJB) am Freitag das 70-jährige Bestehen. „Die KLJB ist seit sieben Jahrzehnten eine unverzichtbare Institution, die das Leben unserer Gemeinde maßgeblich bereichert“, so Bürgermeister Max Schmaderer.

Zur Eröffnung machten zwei KLJB-Mitglieder in einem Zwiegespräch deutlich, warum die Landjugend ihren Jugendgottesdienst unter das Motto „Forever Young“ stellte. „Egal, wie alt die Landjugend wird, die Mitglieder bleiben immer jung“, so Johannes Kienberger. „Gut, dass es all die sieben Jahrzehnte engagierte Jugendliche und junge Erwachsene gegeben hat, die immer darauf geschaut haben, dass es mit der KLJB weitergeht, ohne sie alle könnten wir heute nicht feiern“, stellte Feldbauer fest. „Und genau desweng feiern mia eitz mid eich alle unsan Jubiläumsgottesdienst“, so beide an die versammelten Kirchenbesucher. Auch Vertreter der politischen Gemeinde und der kirchlichen Institutionen waren gekommen, ebenso Pfarrangehörige. Und auch benachbarte Landjugendgruppen, etwa aus Michelsneukirchen und Dörfling, waren da.

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„Ich freue mich riesig, mit euch diesen besonderen Gottesdienst feiern zu dürfen“, so Pater Christian Liebenstein von den Salesianer Don Boscos in Regensburg und Seelsorger für die Katholische Landjugendbewegung (KLJB) und die Katholische Landvolkbewegung (KLB) in der Diözese.

Die inhaltliche Gestaltung des Gottesdienstes nahmen die Mitglieder der KLJB selbst in die Hand, auch die „Predigt“. Dabei unterhielten sich Philipp Schauber („Boah, ich wär gern älter“) und Michael Feldbauer („Find ich nicht so, jung sein hat auch viele Vorteile“).

Applaus für „Predigt“

Die beiden bezogen das Lukasevangelium vom zwölfjährigen Jesus ein, den Maria und Josef nach drei Tagen wieder im Tempel in Jerusalem finden, wo er mitten unter den Schriftgelehrten sitzt, ihnen zuhört, Fragen stellt und alle mit seinem Verständnis in Erstaunen versetzt. „Jesus macht es uns selber vor, wie es ist, die Freiheit der Jugend zu nutzen und als junger Mensch allein seinen eigenen Interessen nachzugehen“, so die Erkenntnis der beiden, „wir können uns also auch selbst viel zutrauen, mit anpacken und beweisen, dass wir viel erreichen können, auch wenn wir nicht immer das tun, was unsere Eltern von uns erwarten.“

Eine weitere Feststellung: „Manchmal geht, wie bei Jesus, die Loslösung von Mama und Papa nicht ohne Schmerzen über die Bühne.“ An Beispielen führten Schauber und Feldbauer auf, wie die KLJB-Jugendlichen Verantwortung übernehmen und auch ihre Jugendzeit genießen: Osteraktion für die Senioren mit Besuchen daheim oder in den Altenheimen, Kinderbetreuung am Heilig-abend, Nikolausdienst, Gestaltung eines Blumenteppichs zu Fronleichnam, Mithilfe beim Seniorennachmittag, Jugendball, Kanufahrten, Kegel- und Tanzabende, Radtouren oder Hallenbadbesuche.

„Dies alles zeugt davon, dass wir keine Truppe von verdrossenen Jugendlichen sind, sondern eine Bereicherung für die jungen und alten Leute in der ganzen Gemeinde – eine Gemeinschaft, die niemanden ausschließt und Raum für sichere Entfaltung schafft“.

KLJB-Seelsorger Christian Liebenstein forderte für diese „Predigt“ von den Kirchenbesuchern einen spontanen Applaus ein: „Einfach klasse, wie viel Idee, Kraft und Energie in dieser Landjugend steckt und man auch den religiösen Bezug spüren kann.“

Eine wunderbare Bereicherung beim Jugendgottesdienst waren die Lieder, wobei musica Amabile mit Anja Heuberger (Gesang) und Martin Lausser (Orgel, Piano) den Ton vorgaben. Nicht fehlen durfte „Forever Young“ von Alphaville. Ebenfalls kräftig von allen mitgesungen wurde beim Schlusslied „Ein Hoch auf uns“ von Andreas Bourani, wozu die ausgeteilten Knicklichter mitgeschwungen wurden.

Anschließend traf sich die KLJB mit den Ehrengästen im Landgasthof Baumgartner zum Abendessen. Bürgermeister Max Schmaderer ging auf den geschichtlichen Hintergrund ein. So seien Grundsätze wie „Glaube und Sitte, Berufstüchtigkeit und Heimatliebe, Frohsinn und Scherz“ 1903 bei der Gründung von „Katholischen Burschenvereinen für das Königreich Bayern“ auf die Fahnen geschrieben worden. Die erste Zeitschrift der Katholischen Landjugend in Bayern erschien 1948 unter dem Titel „Der Pflug“.

Die Geburtsstunde der KLJB war nach einer ersten bundesweiten Konferenz im Dezember 1949. Eine der ersten Aktionen in Bayern: Auf Initiative der KLJB bekam der Landtag ein Kruzifix. Später wurde die Widerstandsgruppe Weiße Rose zusätzlich zum Schutzpatron Klaus von der Flühe für die KLJB Bayern aufgenommen.

Im zweiten Teil ging Schmaderer auf die Landjugend vor Ort ein, die 1953 gegründet worden ist, und überschrieb diese Ausführungen mit „70 Jahre KLJB Schorndorf – Wir bewegen das Land“. Die KLJB gehöre zu den Machern und Gestaltern in der Pfarrei und der Kommune, „sie ist Impulsgeber und Garant dafür, dass sich in Schorndorf etwas bewegt.“

„Beste Schule fürs Leben“

Die vielen Aktivitäten das ganze Jahr über im kirchlichen, sozialen und gesellschaftlichen Leben trügen maßgeblich zur Steigerung der Attraktivität und zur Belebung der Gemeinschaft bei. Die KLJB biete die „beste Schule fürs Leben“. Man praktiziere das Miteinander, lerne, Verantwortung zu tragen und Dinge selbst in die Hand zu nehmen und zu gestalten. „Viele ehemalige Vorsitzende und Vorstandsmitglieder der Landjugend sind heute in Führungspositionen und Funktionen als Macher und Gestalter des öffentlichen Lebens in der Pfarrei und in der Gemeinde aktiv“, so Schmaderer, „die KLJB ist die Talentschmiede für das Ehrenamt“.

KLJB-Seelsorger Liebenstein dankte dafür, „hier in Schorndorf eine Landjugend-Gruppe mit so großem Engagement miterleben zu dürfen“. Gerade in der aktuell schwierigen Situation der katholischen Kirche sei es umso beeindruckender, „dass dennoch junge Leute den Glauben lebendig halten und für ihn weiter einstehen“.

Und noch einen Aspekt stellte Liebenstein heraus: „Bei der Landjugend lernt man Demokratie.“ So sei Schorndorf auch als eine von ganz wenigen Landjugendgruppen bei der Diözesanversammlung vertreten gewesen. „Ihr seid eine ganz tolle Truppe, macht weiter so“, lautete Liebensteins Wunsch.

Die gleiche Meinung unterstrich Schorndorfs Pfarrer Martin Schöpf, der ebenso wie Pfarrer i. R. Hans Gschlößl der Einladung gerne gefolgt war. Für die kirchlichen Gremien sprach Pfarrgemeinderats-Sprecherin Katharina Weber ein Grußwort und überreichte neben einer für die KLJB verzierten Jubiläumskerze auch eine Geldspende.

cls