Chamer Verein
Jubiläumsaustellung im Cordonhaus: Krippenfreunde feiern ihr 40-jähriges Bestehen

03.12.2023 | Stand 03.12.2023, 19:00 Uhr

Die heilige Familie als Teil einer Großkrippe von 1994, einem Gemeinschaftswerk der aktiven Mitglieder des Krippenvereins Foto: Ferdinand Schönberger

Die bekannten Weihnachtslieder „Ihr Kinderlein kommet“ und „Kommet ihr Hirten“ drücken das Geschehen der Heiligen Nacht kindgemäß aus. Sich vor der Krippe, die dieses auch dreidimensional begreifbar macht und Kinderaugen leuchten lässt, einzufinden, spreche aber auch Erwachsene an, so Johann Dendorfer. Diese Gedanken führte er als Vorsitzender der Krippenfreunde des Oberen Bayerischen Waldes, in seiner Ansprache zur Vernissage der Ausstellung „Gemma Kripperl schau’n“ am Samstagnachmittag im Cordonhaus aus.

Sie sollten sich wie die Hirten und als solche zur Krippe begeben, die Freude bereiten und an die wichtige Botschaft und das Geheimnis von Weihnachten erinnern will, so Johann Dendorfer. Sein Verein feiert heuer sein 40-jähriges Bestehen und will mit dieser Jubiläumsausstellung in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv und dem Cordonhaus einen kleinen Einblick in das umfangreiche Engagement im Dienste der Krippen geben. Sie wurde unter dem Gesichtspunkt der Pflege, Förderung und Weiterverbreitung der Krippe auf religiöser, künstlerischer und volkskundlicher Grundlage zusammengestellt. Außerdem soll sie bewusst eine glaubwürdige Alternative zum leider weit verbreiteten Kommerz der Weihnachtszeit sein und diesem die christliche Botschaft entgegenstellen.

Kulturgut erhalten



Bürgermeister Martin Stoiber begrüßte dazu eine Vielzahl von Krippenfreunden und neben dem 1. Vorstand besonders Dekanin Ulrike Dittmar, Stadtarchivar Timo Bullemer und Grundschulleiterin Stefanie Brunner. Er hob den unermüdlichen Einsatz der Mitglieder hervor, die mit viel Liebe nicht nur einem Hobby nachgehen würden, sondern ein wertvolles und künstlerisch ansprechendes Kulturgut erhalten und pflegen. Mit einem „Also gemma Kripperl schau’n“erklärte er die Ausstellung für eröffnet.

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Dendorfer blickte in seiner Rede kritisch auf den Konsumwahn zum Fest. Gott habe uns mit der Geburt seines Sohnes ein großartiges Geschenk gegeben und da beginne die Krippe. Sie sei eine der wenigen traditionellen Bräuche, die sich in einer von wirtschaftlichen Interessen dominierten Weihnacht behaupten. Man müsse eine Krippe nicht „schön“ nennen, aber sie sollte eine gewisse Anmut ausstrahlen. Als Krippenbauer sei man ohne den Heiligen Geist und seinen Inspirationen machtlos. Der Verein wolle Spurensucher und -leger sein.

Im Erdgeschoß der Städtischen Galerie sind 15 Großkrippen und eine Vielzahl verschiedener kleinerer Krippendarstellungen aufgebaut, die alle auf ihre besondere und hinreißende Art ansprechen. Sie sind zum Teil Werke der Mitglieder oder Leihgaben und viele werden an Weihnachten als Familienkrippen daheim aufgestellt. Maria Kalz aus Katzbach, Gründungsmitglied, schon immer Beisitzerin und vor allem auch die „gute Seele“ des Vereins, stellte einige der Exponate vor. „Zur Krippe her kommet“ nennt sich ein Gemeinschaftswerk der Aktivmitglieder des Vereins aus dem Jahr 1994. Dieses wurde hier mit dem 1996 erstellten Hirtenfeld vereint. Darin schaut ein von Josef Heigl geschnitzter Hirte mit filigranen Falten auf der Stirn zum Engel. Maria Kalz schuf die Figur einer alten Frau, die schwarz gekleidet zur Krippe eilt und eigentlich das aus den 1930er Jahren als Chamer Original bekannte „Stern Annamirl“ darstellen sollte, unbewusst aber das Antlitz der „Arnschwanger Oma“ bekam.

Die Hochzeit von Kana



In der Raummitte steht eine Simultankrippe mit biblischen Darstellungen um den Stall: die Herbergssuche, die Geburt Jesu, die Anbetung der Heiligen Drei Könige und die Flucht nach Ägypten. Der Verein kümmert sich seit 1985 um die historisch wertvolle, im Eigentum der Spitalstiftung befindliche Jahreskrippe in der Spitalkirche. Eine Szene daraus, die Hochzeit zu Kana, ist ebenfalls in der Ausstellung zu bewundern. Ihre Figuren sind nach alten Vorbildern bekleidet, die Gäste tragen historische Trachten des östlichen Bayerwaldes und des Gäubodens. Eine kleinere Krippe wurde nachweislich 1929 vom damaligen Mesner Ruß von St. Jakob gefertigt. Und auch die des Vorsitzenden, 1974 aus Lindenholz handgeschnitzt von Konrad Lackerbeck aus Lam, wird präsentiert wie auch beispielsweise eine moderne Einzelszene von Maria Kalz „Haus Nummer 24 - Bethlehem heute?“ mit aktuellem Bezug zur ersten Flüchtlingswelle.

cds



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Infos



Verein: Der Verein „Krippenfreunde des Oberen Bayerischen Waldes“ wurde 1983 von acht „Kripplern“ gegründet. Er hat sich der Pflege und Erhaltung der Krippenkunst verschrieben. Die zur Zeit 64 Mitglieder kommen aus dem gesamten Großlandkreis Cham.
Ausstellung: Sie kann an den kommenden Samstagen und Sonntagen bis zum 17. Dezember jeweils von 14 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt besichtigt werden.