Organist der Wiener Hofburgkapelle
Konzert in Bad Kötzting: Die Wunderwelt der Orgel mit Jeremy Joseph

28.11.2023 | Stand 28.11.2023, 19:00 Uhr

Jeremy Joseph war zu Besuch in der Stadtpfarrkirche. Foto: E. Frauendienst

Bürgermeister Markus Hofmann hatte am vergangenen Sonntag in der Stadtpfarrkirche Bad Kötzting bei seiner Begrüßungsrede zum Orgelkonzert dem Publikum gewünscht, es möge ein unvergesslicher Nachmittag voller Emotionen und musikalischer Höhepunkte werden. Und so geschah es!

Jeremy Joseph, ein äußerst sympathischer, bescheiden wirkender Künstler, gebürtig in Südafrika, hat seit 2019 eine Orgelprofessur in Wien und ist Organist der Wiener Hofburgkapelle; er musiziert häufig in Europa und weltweit mit sehr namhaften Ensembles und Orchestern.

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Dieser Jeremy Joseph verstand es, unsere Salomon–Orgel optimal zu bespielen, das Programm auf sie abzustimmen und in bester Art und Weise die barocken Werke dem Publikum nahezubringen.

Immer verhalfen seine Registrierungen und sein durchsichtiges, rhythmisch differenziertes und glasklares Spiel die Melodien und Themen zu verstehen und sie auch in den mehrschichtigen schwierigen Fugenpassagen wiederzuerkennen. Oft war es, als sähe man die verschiedenen Linien mit dem eigenen inneren Auge als Bildkomposition.

Unglaubliche Virtuosität

Bereits die ersten Töne und Akkorde rissen die Zuhörer in ihren Bann – mit brillanten Klängen begann die Toccata von Alessandro Poglietti (gest. 1683; auch er war übrigens Hoforganist in Wien). Der musikalische Aufbau war stets klar zu erkennen, die Themen plastisch formuliert, und am Ende stand ein souveräner, vollklingender Schluss.

Ganz anders die folgende Ciacona von Georg Muffat. Über einem Hauptthema entfalteten sich zunächst tänzerisch anmutende Variationen mit feinen, zärtlich perlenden Umspielungen in bester barocker Manier. Aber auch die besinnlicheren Passagen tönten immer in passender Registrierung und absolut durchhörbar.

Von Johann Jakob Froberger (1616 – 1667), einem universal gebildeten Musiker, der zu einem persönlichen Stil von oft starker Expressivität gelangt war, stammten die folgenden vier Werke. Das erste davon, die Toccata da sonarsi alla levitatione (FbWV 105), begann mit flächigem Klang und wirklich teilweise verblüffend neuartigen Harmonien. Verständlich dann, wenn man weiß, dass Froberger in dieser Musik zur Hl. Wandlung das Geschehen um die Verwandlung musikalisch darstellen wollte. Beim Capriccio erklang eine chromatische Melodie in stetem Wechsel von Richtung und Gegenspiel, in der Barockzeit durchaus vertraute Tonspielereien. Doch die transparente und klare Artikulation von Jeremy Joseph verhalf auch uns heutigen Hörern zum „Durchblick“. Mächtig strahlend begann und endetet dann der Komplex Froberger mit der Toccata in G, glitzernde Mittel-und Oberstimmen über den majestätischen Bässen.

Johann Kaspar Kerll (1627 – 1693), ein deutscher Komponist, wurde 1677 in Wien Organist der kaiserlichen Kapelle und hat dort auch die Passacaglia und die Canzona III komponiert. Eine fallende Quartenmelodik wurde oft variiert und mit unglaublich virtuosen, aber stets spielerisch wirkenden Tonkaskaden umspielt; ein markantes Thema mit achtmaliger schneller Tonwiederholung und einem Tonsprung nach oben erinnert ein bisschen an Hühnergegacker, deutlich wieder zu erkennen. Und immer wieder die feine glitzernde Spielweise, die schnelle Läufe perlen lässt gegen die rhythmisch geprägten Aussagen der anderen Stimmen., eine unglaubliche Virtuosität in lockerer, oft tänzerischer Sprache. Als Krönung des Konzertes folgten zwei Werke von Johann Sebastian Bach.

Fulminanter Abschluss

„Nun komm, der Heiden Heiland“ stieg aus den Erdtiefen der Orgeltöne herauf, die schreitende Bassmelodie kam aber nicht majestätisch, sondern eher wie im demütigen Büßergewand einher. In den Oberstimmen oft flehentliche, wie Bitten klingende Aussagen, und immer wieder barocktypisch verziert.

Den fulminanten Abschluss bildete Bachs Toccata in C, BWV 566a.Wieder nutzte Jeremy Joseph die Klangmöglichkeiten der Salomon-Orgel, registrierte Mixturen und Pleno, Der große Mittelteil, die Fuge, war auch für fachlich ungeübte Ohren klar zu verstehen, im guten Tempo, klar strukturiert, präzise, nie verwaschen. Dann kam das Ende der Toccata und damit das Ende des Orgelkonzertes, in großer Klangfülle und majestätisch schreitendem Dreivierteltakt, ein Menuett, das in der Barockzeit Symbol für die weltlichen Herrscher war, das von Bach aber gezielt eingesetzt wurde als Symbol zur Verherrlichung des höchsten Weltenherrschers Gott.
Großer stehender Beifall für diesen Organisten Jeremy Joseph und dieses Erlebnis! Herzlichen Dank auch dem Sponsor Wolfgang Riegraf, dem dieses Konzert zu verdanken ist. Die Spenden des Publikums sind ausschließlich für die Kirchenmusik der Pfarrei bestimmt.