Chamer Gemüse aus dem Netz
Modellprojekt Digitaler LandGenuss will regionale Produkte vermarkten

02.12.2023 | Stand 02.12.2023, 15:00 Uhr

Regionales Gemüse übers Internet zu vermarkten – das hat sich das Modellprojekt Digitaler LandGenuss vorgenommen. Foto: Bernd Settnik/dpa

„Es sind Früchte zu sehen“, sagte Landrat Franz Löffler im Ausschuss für Regionale Entwicklung – und das war wörtlich zu nehmen. Denn er beschrieb damit das Modellprojekt Digitaler LandGenuss, das Ende 2020 an den Start ging. Es soll die Kette zwischen Produzent und Kunde für eine bessere regionale Wertschöpfung schließen – als Frage ausgedrückt: Wie kommt das Gemüse vom Chamer Feld in die Chamer Hotelküche?

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Projektleiterin Carolin Babl gab in der Sitzung einen Überblick über das bislang Erreichte. Der Landkreis hatte sich gemeinsam mit dem Verein LandGenuss Bayerwald und der Tourismusakademie Ende 2020 um die Projektteilnahme beim Bund beworben, der dafür 90 Prozent der Kosten von 525000 Euro für drei Jahre übernimmt. Ziel ist es, regionale Erzeugnisse aus der Landwirtschaft besser vor Ort zu vermarkten – und das über digitale Verbindungen. Und ein zweites Ziel ist für die Projektengagierten zudem gewesen, dass Chamer Landwirte in den Gemüseanbau einsteigen. „Wir haben Landwirte gesucht und zehn gefunden. Sechs sind noch aktiv!“, so Babl. Als Berater und Ansprechpartner für die Bauern heuerten die Verantwortlichen Michael Simml und Michael Weindl an, zwei ausgesuchte Kenner in Sachen Gemüseanbau.

Hochwertige Lebensmittel

Das sei gut angelaufen, so Carolin Babl. Der zweite Schritt sei dann der Aufbau einer Vermarktung gewesen – also mögliche Abnehmer solcher qualitativ hochwertiger Lebensmittel mit ins Boot zu holen, wie Hotels, Hofläden oder auch Supermärkte. Um schließlich den dritten Schritt zu tun, wie die Projektleiterin beschrieb: eine Internetplattform als Online-Marktplatz zu initialisieren, wo das Gemüse angeboten wird und Abnehmer findet. Geholfen habe hier die Plattform Regiothek aus Passau, die unter dem Motto „Ehrliches Essen“ regionale Lebensmittel vermarkte. „Einfach und übersichtlich“ werde hier das Angebot an Feldfrüchten ausgebreitet.

Gleichzeitig sei mit dem Maschinenring ein Partner gefunden worden, der die Logistik übernommen habe, also die Waren einsammle und zu den Käufern transportiere, so Babl. „Seit Juli 2023 sind wir jetzt online“ – über 30 Betriebe würden die Plattform nutzen. 17 Erzeuger würden hier 15 Abnehmern Produkte anbieten. Neben dem saisonalen Gemüse seien Wurst- und Backwaren, Eier, Nudeln oder auch Mehle zu haben, seit kurzem zudem in Cham produzierte Öle, Apfelsaft und Weichkäse: „Mittlerweile sind über 300 Produkte gelistet.“

Die Käufer würden sich Körbe aus Produkten verschiedener Erzeuger zusammenstellen – „sie haben meist Produkte von vier bis sechs Erzeugern im Korb und einem Durchschnittswert von 170 Euro.“ Fleisch und andere Frischprodukte sei derzeit noch nicht möglich, da es keine durchgehende Kühlkette gebe. „Insgesamt ist die Resonanz aber positiv!“, so das Resümee der Projektleiterin. Was noch verbessert werden sollte, sei die Zahl der Nutzer.

Kreisrat Michael Doblinger fragte nach, ob auch an einen Verkauf an Direktkunden und nicht nur an Hofläden oder Supermärkte gedacht sei. Das sei anfangs einmal so angedacht gewesen: „Woran ist das gescheitert?“

Der Verkauf an Direktkunden sei zu kleinteilig und logistisch schwierig zu lösen, antwortete Babl. Für eine Ration Gemüse von Lam nach Tiefenbach zu fahren, sei nicht machbar. Es sei in der Anfangsphase wichtig gewesen, Abnehmer zu haben, die auch gewissen Mengen einkaufen. Doch die Strukturen auch für einen Direktverkauf seien grundsätzlich da.

Kreisrätin Claudia Zimmermann fragte, woran es liege, dass vier Landwirte als Produzenten wieder ausgestiegen seien und was zu tun sei, um Landwirte zum Mitmachen zu bewegen.

Zeit wurde zu knapp

Carolin Babl führte aus, dass die Anwerbung vor allem durch die fachmännische Beratung durch die Gemüsebauern Simml und Weindl erfolgreich gewesen sei. Abgesprungen seien die vier Landwirte dann aus Zeitgründen – der Gemüseanbau sei ihnen zu aufwendig gewesen. Es seien teils Nebenerwerbslandwirte wie auch Vollerwerbslandwirte, die mitmachen würden.