Heimatgeschichte
Retzer Zeitreise: Ein Spaziergang durch 1000 Jahre Geschichte in Rötz

11.09.2023 | Stand 12.09.2023, 15:30 Uhr |
Christa Bucher

Kurz vor ihrem Tod vermachte die letzte Schwarzenburgerin Margarete den Irlweiher, der damals eine Fläche von fünf Hektar hatte, der Rötzer Bürgerschaft. Ihre Zofe Babett überbrachte das Vermächtnis von Margarete . Fotos: Christa Bucher

Rötz. Wussten Sie, dass die Rathausstraße in Rötz rund 100 Jahre lang Rathausstraße hieß, ohne dass dort ein Rathaus stand? Oder dass ein Rötzer Augustinermönch der erste evangelische Seelsorger in Eisleben, Luthers Geburtsstadt war? Nein?

Dann wird’s aber Zeit, dass Sie sich im Tourismusbüro Karten für die beiden letzten Aufführungen der Retzer Zeitreise sichern. Denn dabei können nicht nur eingefleischte Rötzer noch etwas über ihre Heimatstadt lernen.

Am Sonntagnachmittag feierte der historische Stadtspaziergang seine Premiere. Und die war mehr als gelungen. An acht Stationen erzählte das Zeitreise-Ensemble des Schwarzwihrbergvereins von markanten Ereignissen und Personen, die die Rötzer Geschichte geprägt haben.

Zwei bekannte Szenen

Zwei davon könnten dem einen oder anderen Teilnehmer bekannt vorgekommen sein: Sie waren bereits bei der Zeitreise auf dem Schwarzwihr aufgeführt worden: zum einen die Szene aus dem Jahr 1381, in der Margaretha von Schwarzenburg den Rötzern den Irlweiher schenkt; zum anderen die, in der Bürger nach dem großen Brand 1840 Steine von der Burg holen, um ihre Häuser wieder aufzubauen. Dazu hatte Regisseurin Stefanie Porsch sechs weitere Szenen geschrieben. Eine davon war bereits bei der Eröffnung der Sonderausstellung rund ums Baderwesen im Hillstetter Handwerksmuseum zu sehen.

Die „Retzer Zeitreise“ begann am Hauptportal der Stadtpfarrkirche. Dort erwartete Zeitreise-Leiter Hans Maier bereits die Teilnehmer. An seiner Seite: Fräulein Ursula (Stefanie Porsch), die hier und da auf humorige Weise „dahergschaftelte“ und weitere wissenswerte Details einflocht, stets eingeleitet mit einem langgezogenen „übrigens“. Wie die, dass Rötz in der ersten urkundlichen Erwähnung aus dem Jahr 1017 eigentlich nicht direkt genannt werde; nur ein kleineres Retz, das heutige Wenigrötz in der Nähe von Neunburg. Aber daraus könne man schließen, dass es auch schon ein oberes beziehungsweise größeres Retz geben habe, „nämlich das unsrige“.

Dann wurden die Teilnehmer ins Jahr 1125 zurückkatapultiert, als Mathilde von Schwarzenburg von Rötz abgeholt wurde, weil sie mit einem französischen Grafen verheiratet werden sollte. Damit war auch gleich ein Anknüpfungspunkt zur Zeitreise auf dem Berg und zum Geschlecht der Schwarzenburger gefunden. Weiter ging es zu verschiedenen Punkten in der Stadt – etwa in die Brauerei, in den Pfarrgarten oder zum Spitalplatz. In der Brauerei erfuhren die Zuschauer beispielsweise, wie das Bier von einer Fastenspeise der Mönche zum bayerischen Nationalgetränk geworden war. Und auf dem Marktplatz ging es darum, warum die Althistorische Retzer Fasenacht im Jahr 1936 nicht hatte stattfinden können.

Historische Persönlichkeit



Dabei kamen neben frei erfundenen Personen auch geschichtlich belegte Persönlichkeiten wie Josef Schmid, Landphysikus in Rötz, zu Wort. Denn jede Szene beinhaltete etwas historisch Wahres, das Porsch mithilfe von Tino Gmach und aus den Büchern „Rötzer Straßen erzählen Geschichten“ und der Jubiläumsband „500 Jahre Stadterhebung und 750 Jahre Pfarrei St. Martin“ zusammengetragen hatte.

Nach einem Abstecher ins Jahr 1840 endete die Zeitreise im Fürstenkasten. Damit waren die Zuschauer quasi in der Jetztzeit angekommen: im Jahr 1995, als Hans Seebauer „Nägel mit Köpfen“ gemacht hatte und mit Regisseur Bernhard Hübl den „Guttensteiner“ wieder zum Leben erweckt hatte.

Ehe das Spielerensemble alle Teilnehmer mit einer Brotzeit bewirtete, wollte sich nicht nur die Regisseurin bei ihrer „ganzen Meute“ bedanken. Auch Zeitreiseleiter Hans Maier ergriff das Wort, um Stefanie Porsch für deren Kreativität den Respekt aller Darsteller auszusprechen.

Weitere Aufführungen



Die „Retzer Zeitreise“ ist noch zweimal, am Sonntag, 17. und 24. September, zu sehen. Beginn ist jeweils um 16.30 Uhr.

Treffpunkt und Start des eineinhalb- bis zweistündigen Spaziergangs durch die Rötzer Altstadt ist am Hauptportal der Rötzer Stadtpfarrkirche.

Karten zum Preis von 20 Euro (ermäßigt 18 Euro) gibt es im Tourismusbüro Rötz unter Telefon 09976/941160 oder per E-Mail an tourist@roetz.de. Im Preis sind ein Getränk sowie eine kleine Brotzeit inbegriffen.

wbf