Bad Kötzting
Rosstag hatte Glück mit Wetter: Tausende verfolgten den Festzug der Landwirte und Handwerker von einst

27.08.2023 | Stand 12.09.2023, 22:45 Uhr

Siebenspännig gefahren, war das Langholzfuhrwerk auch heuer ein Blickfang beim Festzug. Fotos: Christa Rabl-Dachs

Die Gebete der Kaltblut- und Haflingerzüchter beim Gedenkgottesdienst am Samstag wurden erhört: Auch der Festzug unter dem Thema „Landwirtschaft und Handwerk von damals“ verlief trotz ständig drohender Regenwolken, nahezu „niederschlagsfrei“ und Tausende Besucher zeigten sich begeistert von der Präsentation der „Rosserer“ sowie zahlreicher Musikkapellen, die viel zur guten Stimmung beitrugen.

Lesen Sie hier: Chiemgauer Alpen statt Bayerwald: Michaela Schreiner aus Eschlkam arbeitet als Sennerin

Alle Befürchtungen, dass die ständigen Unwetterwarnungen viele Besucher von einer Fahrt nach Bad Kötzting abhalten könnten, erwiesen sich am Sonntag als unbegründet. Obwohl vom Morgen an oft feiner Regen fiel, brachte er nur in einem Punkt Probleme: Die Lindner-Weide am Ludwigsberg konnte wegen der Nässe nicht als Parkplatz genutzt werden, was viele Autofahrer zu einer Suche nach Alternativen zwang.

Tolle Präsentation beim Zug



Trotzdem waren um 13.30 Uhr, als Tambourmajor Thomas Kybelksties an der Spitze des Feuerwehr-Spielmannszuges den Festzug in Marsch setzte, die Straßen der Innenstadt dicht gesäumt von Zuschauern. In der Bahnhofstraße informierte Hans Seiderer, am Alten Rathaus Josef Barth und am Veitsplatz Günther Hofmann die Zuschauer über die Festwagen, landwirtschaftlichen Geräte, die gezeigten Handwerksberufe. Sie beschrieben auch die zum Teil seit Jahrzehnten aktiven Fuhrleute, stellten die zahlreichen Ehrengäste aus Politik, Kirche und Landwirtschaft – unter ihnen auch der Oberpfälzer Bezirksheimatpfleger Tobias Appl – vor und gaben Erläuterungen zu den alten Maschinen und Geräten, die früher in der Landwirtschaft eingesetzt wurden.
Der Festzug zeigte einmal mehr, wie viel Mühe sich die Teilnehmer mit der Präsentation alter Landwirtschafts- und Handwerksbräuche geben. Wo gibt es schon Berufe wie den Sattler oder Wagner noch als „Aktivhandwerker“ mit ihren Erzeugnissen zu sehen?

Wo können Gäste erleben, wie früher mit Hakenzylinder und Windmühle das Getreide gedroschen und gereinigt wurde, oder Wasserleitungen mit einem langen Bohrer aus dünnen Fichtenstämmen erstellt wurden? Gerade die verschiedenen Erntewagen mit Getreide, Kartoffeln und unterschiedlichen Feldfrüchten waren so liebevoll geschmückt, dass manche Zuschauer Appetit „auf Gesundes vom Land“ bekamen. Dazu gab es frischen Most, oder kleine Probeschnäpse aus den beiden Bad Kötztinger Brennereien und von vielen Festwagen wurden die zahlreichen Kinder am Straßenrand mit Mengen an Süßigkeiten zur „Schatzsuche“ animiert.

Zu einem richtigen Festzug gehört natürlich auch die musikalische Untermalung und die lieferten neben kleinen Musik- und Gesangsgruppen, die auf mehreren Wagen mitfuhren, der Spielmannszug der FF Bad Kötzting, die Musikkapelle Ränkam, die Kapelle Per Du aus Rettenbach, die Wörther Musikanten, die „Blechblosn Grabitz“, die Festspielkapelle Neukirchen, die „Gsteckenriebler“, die Blaskapelle Rettenbach, die Musikkapelle Pfeffer, die Räuber-Heigl-Ziachmusi und die Blaskapelle Weißenregen.

Pferd und Kuh im Duett



Besonderes Interesse fanden auch heuer spezielle Anspannungen. So waren mehrere Gespanne als Troika (drei Pferde nebeneinander) unterwegs, ein Fuhrmann hatte auch eine Kuh zum Sattelpferd eingespannt und einmal mehr war der Langholzwagen – heuer siebenspännig gefahren – ein Blickfang. Natürlich warteten viele Besucher auf den Schluss des Zuges, der traditionell von den Lindner-Brauereigespannen gebildet wird. Brauereichefin Evi Kolbeck fuhr auf dem von acht Norikern gezogenen Fasswagen, den Michael Bummer sicher steuerte, assistiert von seinem Vater Fritz, der früher bereits zehnspännig mit dem Fasswagen durch die Stadt gefahren war.