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Sicherheit beim elektronischen Personalausweis: Expertin Nicole Bräu erklärt die Rahmenbedingungen

21.04.2024 | Stand 21.04.2024, 5:00 Uhr

Der Personalausweis hat einige online-Funktionen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Der Personalausweis dient dazu, die Identität einer Person, zum Beispiel bei Banken oder Behörden, auszuweisen. Mit dem elektronischen Personalausweis (E-Perso) haben Verbraucher zusätzlich die Möglichkeit, ihre Identität im Internet nachzuweisen. Das wird zunehmend bedeutsamer, da viele Tätigkeiten des täglichen Lebens heute online stattfinden und auch Geschäfte oder Behördenanträge möglich sind. Um auch in diesem Umfeld Sicherheit bezüglich der Identität der beteiligten Personen zu gewährleisten, hat der Personalausweis seit 2010 auch eine Online-Funktion.
• Verfahren: Nach Beantragung des Personalausweises bei der Behörde für das Passwesen sendet diese einen PIN-Brief mit einer fünfstelligen Transport-PIN sowie einer Nummer zur Aufhebung der PIN-Blockade (PUK) und ein Sperrkennwort für den Online-Ausweis. Die sechsstellige PIN lässt sich selbst bestimmen. Bei Verlust der PIN kann eine neue beim zuständigen Bürgeramt vor Ort beantragt werden.
Abholung: Geplant sind Automaten in den Behörden, an welchen der E-Perso ohne Termin abgeholt werden kann. Hierzu bedarf es lediglich eines Abholcodes, mit welchem der E-Perso am Automaten entnommen wird. Dieses Verfahren soll auch für Reisepässe gelten.

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Nutzung: Der Online-Ausweis lässt sich mit dem Smartphone oder mit dem Computer nutzen. Für die Anwendung ist eine Software, zum Beispiel die staatliche Ausweis-App2 und eine sechsstellige PIN-Nummer nötig. Im Chip des Personalausweises sind biometrische Daten (zwei Fingerabdrücke und ein Lichtbild) hinterlegt. Nach aktuellem Urteil des Europäischen Gerichtshofs im März 2024 ist dies rechtens. Nur bestimmte Stellen wie Polizeivollzugsbehörden, Zollverwaltung, Steuerfahndungsstellen der Länder und Personalausweis-, Pass- und Meldebehörden sind gesetzlich dazu berechtigt, diese zu nutzen. Zudem dürfen bei Zweifeln an der Identität einer Person nur EU-Mitgliedstaaten die Fingerabdrücke auf dem Chip auslesen und mit den Fingerabdrücken der sich ausweisenden Person abgleichen. Betrugsversuche lassen sich somit schneller erkennen.
Verwendung: Der E-Perso lässt sich inzwischen bei Themen wie Bafög, Rentenkonto, Krankenkassen, Mobilfunkanbietern, Finanzdienstleistern und digitalen Verwaltungsleistungen auf den Portalen des Bundes und der Länder einsetzen. Eine Übersicht findet sich auf der Seite des Personalausweisportals.

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„Vor-Ort-Auslesen“: Mit dieser Funktion lassen sich die gespeicherten Daten im Chip des E-Persos bei Bedarf in ein digitales Formular übertragen, z. B. bei Mobilfunkanbietern oder in Hotels.
Sicherheit & Datenschutz: Im Online-Ausweis ist ein kontaktlos lesbarer Chip enthalten. Wer nicht weiß, ob sein Personalausweis diese Funktion erfüllt, kann dies mit der staatlichen Ausweis-App2 überprüfen. Beim Ausweisen in der digitalen Welt sind die Daten insofern geschützt, da die Übermittlung durchgehend verschlüsselt erfolgt. Auch ist es möglich, bei der Nutzung des E-Perso zu sehen, ob die staatliche Berechtigung für die Übertragung der Daten vorliegt und welche Daten genau aus dem Online-Ausweis übermittelt werden.
2-Faktor-Authentifizierung: Nur wenn der E-Perso mit dem Smartphone oder mit einem Lesegerät verbunden ist und die richtige PIN für den Ausweis eingegeben wurde, findet eine Datenübermittlung statt. So bestimmen Verbraucher jederzeit selbst, ob und an wen sie ihre Daten übermitteln möchten.