Hochwassereinsatz
THW Roding war mit 13 Einsatzkräften im oberbayerischen Manching an vier Tagen gefordert

15.06.2024 | Stand 15.06.2024, 11:00 Uhr |

Auch an der Bundesstraße 16 wurde ein Notdeich errichtet. Foto: THW Roding

Die Schäden, die das jüngste Hochwasser in Bayern angerichtet hat, sind immens. Vielerorts laufen noch immer die Aufräumarbeiten. Auch das Rodinger Technische Hilfswerk (THW) war bei diesem katastrophalen Hochwasserereignis mit dem Rodinger Zug mit 13 Einsatzkräften aus Roding mit dabei.

Thomas Muck, der eine Ausbildung zum Deichverteidiger abgelegt hat und sich „geprüfter Deichverteidiger“ nennen darf, war Zugführer und leitete im Zuge des Einsatzes mehrere THW-Zugtrupps (Einheiten) mit rund 200 Einsatzkräften. Rodinger Zugtruppführer war Simon Bauer, Gruppenführer Räumen Tobias Dauerer, Gruppenführer Notversorgung/Notinstandsetzung Benedikt Schlecht.

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Bei einem Pressetermin berichteten sie über den Einsatz in Manching. Die Betroffenheit über die Situation im Hochwassergebiet war rund zwei Wochen danach sowohl Muck als auch Bauer noch anzusehen. Die Erlebnisse gingen einfach auch an die Psyche.

Muck erzählte: „Wir wurden mit dem Stichwort ’Hochwasserunterstützung Oberbayern/ Landkreis Pfaffenhofen’ angefordert. Am Sonntag, 2. Juni, fuhren wir (der Rodinger Zug mit 13 Mann – Zugtrupps Notversorgung und Notinstandsetzung, Fachgruppe Räumen und der Pumpleistung 4300 Liter/Minute, Lichtleistung zwei Fußballfelder – Transportkapazität – los.

35.000 Sandsäcke verladen

Wir trafen um 19 Uhr beim Meldekopf THW Ingolstadt ein. Wir wurden sofort nach Manching verlegt und der örtlichen Einsatzleitung unterstellt. Wir erhielten den Einsatzauftrag vom THW Pfaffenhofen und halfen bis zur Lagebesprechung mit der örtlichen Einsatzleitung beim Verbau von Sandsäcken an der B 16 (Sandsackwall).

Unsere Zugtrupps mit der Notinstandsetzung wurden in den Ort Pichl zur Notdeichverteidigung und zum Ausleuchten (es war finstere Nacht) verlegt. Unser Zugtrupp Räumen wurde zum Transport von Sandsäcken in und um Manching kommandiert. Die Helfer transportieren rund 35000 Sandsäcke zu den Dämmen. Die Bevölkerung von Manching hat die Sandsäcke per Hand gefüllt.

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In der Nacht um 1 Uhr (es war bereits Montag) versuchten wir zusammen mit der Bundeswehr, der Feuerwehr Pichl und vielen Freiwilligen Helfern, den Damm zu halten. Durch den Dammbruch in Baar-Ebenhausen stand fest, dass große Wassermassen auf uns zukommen. Die Paar ist etwa vergleichbar mit der Schwarzach. Die Behörden forderten die Bewohner dieses Ortsteils der Gemeinde Baar-Ebenhausen (Kreis Pfaffenhofen an der Ilm) auf, sich in obere Stockwerke zu begeben.

In den frühen Morgenstunden stand fest, dass der Not-deich in Pichl nicht mehr zu halten war. So schnell konnte man gar nicht schauen, wie das Wasser kam. Das halbe Dorf Pichl stand unter Wasser. Die Bewohner wurden aufgefordert, umgehend das Erdgeschoss ihrer Wohnungen und Häuser zu verlassen und höhere Stockwerke aufzusuchen. Wir unterstützten noch bei Evakuierung, bevor wir morgens um 10 Uhr eine Ruhepause von einigen Stunden einlegen mussten. Schlafen konnten wir kaum.

Am Montag um etwa 15 Uhr arbeiteten wir weiter und schützten die Straßenzüge Sommerstraße, Herbststraße, Paarstraße in Manching, verteidigten diese gemeinsam mit den THWlern aus Oberviechtach, Neunburg v. Wald, Eichstätt und Dinkelsbühl. Hier führten wir (THW Roding) etwa 60 Einsatzkräfte. Um etwa 17.30 Uhr wurden wir mit dem THW Dinkelsbühl abgezogen, um über die Nacht zum Dienstag (4.Juni) am Notdeich zu pumpen.

Am Dienstagvormittag wurden wir zum „Häuser-Kampf“ im Ortsteil Pichl mit den Schwerpunkten Pumpen, Aufräumen und Erkunden eingesetzt. Unser Zugtrupp Notversorgung wurde zum Auspumpen nach Baar-Ebenhausen abkommandiert. Dort führten wir etwa 130 Einsatzkräfte der THW-Gruppen Roding, Schwandorf, Feuchtwangen, Fürth, Schweinfurth, Lauf, Rothenburg ob der Tauber.

Am späten Nachmittag kam ein Hilferuf vom THW Pfaffenhofen, das Unterstützung beim Transport von Sandsäcken von Hohenwarth nach Neuburg an der Donau wegen eines drohenden Dammbruchs an der Donau anforderte. In den Abendstunden des Dienstags haben wir unsere Pumparbeiten in Pichl eingestellt. Am Mittwochfrüh haben wir weiter in Pichl Keller ausgepumpt. Wir beendeten nach vier Tagen im Ortsteil Pichl gegen 20 Uhr unseren Einsatz und reisten zurück nach Roding. Der komplette Ort Pichl war leergepumpt.“

Angst vor neuen Fluten

Zugführer Muck erwähnte in seiner Zusammenfassung (siehe auch Infoteil) auch: „Wir leuchteten den Notdeich mit einer Länge von etwa einem Kilometer aus.“ Auf die Frage, ob solch ein Hochwasserereignis auch Roding treffen könne, meinte er, dies könne nicht ausgeschlossen werden. Muck erzählte, dass die Bevölkerung erst zusammengeholfen habe. Aber als das Wasser zurückging, sei Unmut aufgekommen. Das Schlimmste an der Situation bei Überflutungen seien die Angst und die Befürchtung, dass sich solche Katastrophen immer wieder ereignen könnten.

Der Rodinger THW-Ortsbeauftragte Johann Käsbauer ergänzte, dass sich die Katastrophen (Waldbrand, Pandemien, Naturkatastrophen) mehrten, nicht nur durch Hochwasser, und kam auf die Gründung des THW zu sprechen. Dazu brauche man geschulte Leute, um die Gerätschaften auch bedienen zu können.

rjm