Race Around Poland
Ultracycler Rainer Steinberger startet bei WM: Dieses Mal soll es der Titel werden

24.06.2024 | Stand 24.06.2024, 9:00 Uhr |
Thomas Mühlbauer

Dieses Mal möchte Vizeweltmeister Rainer Steinberger beim Race Around Poland einen Tick besser sein. Foto: Steinberger

Rainer Steinberger will es erneut wissen. Der erfolgreiche Ultracycler aus Pösing bestreitet ab Samstag, 6. Juli, seinen Saisonhöhepunkt, wenn er bei der Weltmeisterschaft, dem Race Around Poland, an den Start geht.

Das Rennen und die Strecke sind dem Pösinger bereits bestens bekannt, auch im vergangenen Jahr ging er hier an den Start, belegte am Ende den zweiten Platz und wurde damit Vizeweltmeister.

Gefragt nach seiner Zielsetzung für dieses Jahr, lässt Steinberger wissen: „Ich will natürlich jedes Rennen gewinnen.“ Heißt im Umkehrschluss: In diesem Jahr soll es mit dem Weltmeistertitel klappen. Start- und Zielort ist wieder Warschau. Ehe der Ausgangspunkt wieder erreicht ist, heißt es, das Land im Uhrzeigersinn zu umrunden – 3600 Kilometer und 31.000 Höhenmeter entlang der polnischen Grenzen.

Der Pösinger geht gut vorbereitet in den Saisonhöhepunkt, so hat er in den Trainingsalltag in diesem Jahr neue Strukturen eingebaut, um ihn auch nach wie vor abwechslungsreich zu gestalten. „Mir war es wichtig, neue Reize zu setzen“, sagt der Pösinger.

Sieg mit großem Vorsprung

Nachdem der Sommer bislang kaum aus den Startlöchern kam, wurden unzählige Einheiten im eigenen Keller abgespult. Im Frühjahr nahm Steinberger an einem Rennen in Italien teil, welches er als Unsupported Fahrer bestritt. Am Ende gewann er das Rennen mit vier Stunden und 25 Minuten Vorsprung auf den Zweitplatzierten.

Und es war eine ganz neue Erfahrung für ihn: „Bei diesem Rennen ging es eigentlich weniger um die Zeit, sondern mehr um das Abenteuer.“ Denn der Kurs führte kaum über Asphaltstraßen, sondern vielmehr über Schotter- und Waldwege. Ein typisches Gravel-Rennen eben. Auch um die Verpflegung musste sich der Pösinger selbst kümmern. Und das Fazit daraus? „Es ist alles sehr gut gelaufen.“ Nach dem Rennen legte er relativ schnell den Fokus wieder auf den anstehenden Saisonhöhepunkt in Polen.

„Es steckt einfach so viel an Planung dahinter“, beschreibt der Pösinger die vergangenen Tage und Wochen. Galt es doch, das Pace-Car zu bestücken und Unterkunft und Verpflegung zu organisieren.

Das Race Around Poland ist in diesem Jahr zum zweiten Mal in Folge die offizielle Weltmeisterschaft der Ultracycler. Steinberger sieht das als berechtigt an aufgrund der Distanz und der Schwere des Rennens. In diesem Jahr geht der Pösinger mit einem sehr guten Gefühl an den Start, wie er sagt: „Wir kennen die Strecke und das Profil und wissen nun, dass es durchaus anders ist als es am Papier dargestellt wird.“

Auch sein Team muss wenig Neues lernen, denn bis auf zwei Betreuer ist die gleiche Mannschaft am Start wie im vergangenen Jahr. „Das ist natürlich schon ein großer Vorteil, denn so ein Rennen bestreitet man nur als Team erfolgreich“, sagt der Ultracycler.

Wenn Steinberger am Samstag, 6. Juli, an den Start geht, will er die 3600 Kilometer in unter sieben Tagen schaffen. „Ich möchte es schneller fahren als im letzten Jahr.“ 2023 benötigte er 167 Stunden (sechs Tage, 23 Stunden und 35 Minuten). Wie das gelingen soll? Steinberger hat einen Plan: Mit dem Wissen aus dem Vorjahr will er sich das Rennen noch besser einteilen, heißt, es am Anfang etwas lockerer anzugehen. Denn er weiß: „Das Rennen entscheidet sich erst an der Ostseeküste.“

Hier musste er im vergangenen Jahr eine längere Schlafpause einlegen, was den Konkurrenten uneinholbar enteilen ließ. Steinberger weiß allerdings auch, wie schwer es wird, das Rennen zu gewinnen. Die Konkurrenz ist stark. „Es sind sehr viele gute Fahrer dabei, die möchten es natürlich auch gewinnen“, sagt er. Einen, den man immer mit auf der Rechnung haben muss, ist dabei der Luxemburger Ralph Diseviscourt.

Wer am Ende der 3600 Kilometer den Ausgangspunkt Warschau als Erster erreicht, darüber entscheidet, auch die Wettkampfform während der Rennwoche.

Team ist entscheidend

Und was der Pösinger betont: „Das Team ist entscheidend, ob man zusammen gewinnt oder verliert.“ Doch da mache sich Steinberger wenig Sorgen, denn schon im vergangenen Jahr war seine Helfer-Crew hervorragend.

Eines kann ihm das Team in der Renn-Woche nicht abnehmen: das Treten der Pedale auf dem Rad. Und die Strecke, heißt es auch erst einmal zu bezwingen. Zunächst einmal geht es bei der vierten Austragung des Rennens 600 Kilometer flach los, anschließend folgen 1400 bergige Kilometer mit Anstiegen, die teils bei 20 Prozent liegen, ehe die letzten 1600 Kilometer wieder flach, aber sehr windanfällig sind. Steinbergers Respekt vor der Strecke ist groß: „Ich mag ja eigentlich die Profilwechsel in einem Rennen, aber auf eines hoffe ich schon, dass mir die letzten 200 Kilometer in diesem Jahr leichter fallen als im vergangenen Jahr. Die waren schon brutal.“

Wenn der Pösinger das Ziel erreicht hat, ist die Saison allerdings lange nicht zu Ende. Es laufen bereits die Planungen für die Rennen drei und vier im Herbst. Doch zunächst gilt der Fokus dem Race Around Poland.

Dieses Team unterstützt Steinberger



Team: Frank Betthausen, Georg Braun, Michael Deutschmann, Stefan Alt, Michael Peters, Christoph Piasecki, Josef Speigl, Werner Vogl (Koch), Tobias Bergbauer (Home-Office)
Wechsel: Die Schichten im Pace-Car sollen alle zwölf Stunden wechseln (Tag- und Nachtschicht). Werner Vogl wird im Wohnmobil hinterher reisen und das Team mit Essen versorgen