Rechtsserie Cham
Unternehmer müssen an Vorsorge denken: Experte Marius Treml gibt einen Überblick

17.09.2023 | Stand 17.09.2023, 5:00 Uhr

Unternehmer benötigen für den Fall, dass Sie durch Unfall oder Krankheit ausfallen, eine Notfallvorsorge. Jeder Betroffene sollte sich daher die Zeit nehmen, zusammen mit fachkundiger Hilfe die notwendigen Dokumente zu erstellen, rät unser Experte, Foto: Imago/Bukrhard Schubert

Manchmal kann es schneller gehen als vorstellbar. Unfall, Krankheit oder sogar Tod oder auch Scheidung sind Szenarien, die das Leben durcheinanderbringen können. Gerade für Unternehmer bzw. Unternehmerinnen, die neben der Familie auch Verantwortung für einen Betrieb beziehungsweise Mitarbeiter haben, ist daher Vorsorge notwendig.
Vorsorge: Befindet sich ein Betrieb im Vermögen, ist Vorsorge für den Todesfall zu treffen. Regelmäßig sollte das Entstehen einer Erbengemeinschaft vermieden werden. Denn in einer Erbengemeinschaft haben regelmäßig alle Beteiligten ein Mitbestimmungsrecht. Und dies kann gerade für den Fall, dass unternehmerische Entscheidungen getroffen werden müssen, zu einer Handlungsunfähigkeit des Betriebs führen.

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Um dies zu vermeiden, sollte zwingend vorgesorgt werden und zum Beispiel anhand eines Testaments eine erbrechtliche Regelung getroffen werden, wer den Betrieb im Todesfall übernimmt beziehungsweise fortführt.

Vollmacht: Ähnliches gilt für den Fall, wenn der Unternehmer beziehungsweise die Unternehmerin nicht stirbt, aber akut nicht mehr handlungsfähig ist, zum Beispiel aufgrund von Krankheit oder Unfall. Auch dann ist es notwendig, die Handlungsfähigkeit des Unternehmens weiter aufrechtzuhalten. Dies kann durch eine Vorsorgevollmacht erreicht werden. Damit wird sichergesellt, dass im Falle gesundheitlicher Einschränkungen ein Bevollmächtigter die notwendigen Rechtshandlungen vornehmen kann.
Alternativ besteht auch die Möglichkeit, einen Prokuristen, zweiten Geschäftsführer oder Handlungsbevollmächtigten einzusetzen. Der Unterschied zur Vorsorgevollmacht ist darin zu sehen, dass diese Vertreter immer handeln können, während der Vorsorgebevollmächtigte nur im Fall der gesundheitlichen Beeinträchtigung handeln kann.

Ehevertrag: Ein weiterer wichtiger Vertrag für Unternehmer beziehungsweise Unternehmerinnen ist der Ehevertrag. Grundsätzlich kommt bei einer Heirat der gesetzliche Güterstand zur Anwendung, das heißt bei Scheidung oder Auflösung des Güterstands findet ein Zugewinnausgleich statt. Zugewinnausgleich bedeutet, dass der Wertzuwachs, der während der Ehe eingetreten ist, auszugleichen ist.

Bei Unternehmern kann dies bedeuten, dass aufgrund eines Wertzuwachses des Unternehmens der anderen Ehegatte auszubezahlen ist. Da es sich dabei um einen Barzahlungsanspruch handelt, kann dadurch das Unternehmen in einen finanziellen Engpass kommen. Um dies auszuschließen, ist die sogenannte Gütertrennung oder alternativ modifzierte Gütertrennung zu wählen, wodurch dieser Ausgleichsanspruch ausgeschlossen werden kann und der Bestand des Betriebs nicht gefährdet wird.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass ein Unternehmer beziehungsweise eine Unternehmerin Verantwortung für den Betrieb übernommen hat. Um dem gerecht zu werden, gehören die vorgenannten Verträge beziehungsweise Regelungen zum Pflichtprogramm.

Wurde nicht vorgesorgt, kann im Falle des Eintritts einer Notlage ein Problem entstehen, das nicht einfach erledigt werden kann.

Jeder Betroffene sollte sich daher die Zeit nehmen, zusammen mit fachkundiger Hilfe die notwendigen Dokumente zu erstellen.