Wasserwirtschaftsamt
Urzustand „ein wenig“ wieder herstellen: Renaturierungsmaßnahmen am Weißen Regen in Lohberg

19.02.2024 | Stand 19.02.2024, 5:00 Uhr
Maria Frisch

Bei Hochwasser war der öffentliche Weg aus Richtung Schwarzenbach, der über den Steg zur Bushaltestelle führt, nicht mehr passierbar. Foto: Maria Frisch

Der Weiße Regen ist vor mehr als 150 Jahren als Triftgewässer ausgebaut worden, weil die Waldbesitzer das Holz Richtung Regensburg transportieren mussten. „Deshalb sind die Ufer befestigt, zu Mauern verbaut und zu steil. Im Fluss besteht durchgehend dasselbe Profil – immer nahezu gleich breit, gleich tief, ohne Struktur und Variation“, beschreibt Helmut Holzer vom Wasserwirtschaftsamt.

Unter anderem im Umgriff des Schwarzenbacher Steges möchte man diese Ausgangslage mit Renaturierungsmaßnahmen verbessern.

„Unser grundsätzliches Ziel ist, den Weißen Regen ein wenig in den ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen“, erklärt der Sachgebietsleiter Wasserbau. Es bestehe allerdings ein gewisser Zielkonflikt mit der kulturhistorischen Bedeutung der Triftanlagen. „Es ist nicht unsere Absicht, den Weißen Regen von vorne bis hinten komplett umzubauen.“ Grundsätzlich habe das Wasserwirtschaftsamt nichts dagegen, die Triftbauten zu erhalten und sie in der Öffentlichkeit zu publizieren. Die Bevölkerung fertigte sie ja seinerzeit an, um ihre Existenz zu sichern.

Naturnaher Zustand

Am Standort im Bereich des Schwarzenbacher Steges besitzt das Wasserwirtschaftsamt seit rund 30 Jahren rund 15 Tagwerk Fläche, die man seinerzeit durch die Flurbereinigung Schwarzenbach erwarb und die zugleich Überschwemmungsgebiet ist.

„Damit man sieht, was möglich ist, versetzen wir eine längere Strecke wieder in einen naturnahen Zustand“, sagt Helmut Holzer. Es gebe für den Weißen Regen ein berechnetes Überschwemmungsgebiet von Lohberg bis Bad Kötzting. Dass man den Weißen Regen wieder in einen naturnahen Zustand versetzen wolle, sei im Übrigen eine Vorgabe der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, die bis 2027 laufe und verschiedene Bewirtschaftungszyklen vorsehe.

Beurteilungen nach Schulnotensystem

Momentan sei der dritte angelaufen. Die ausgewählten Wasserrahmenrichtliniengewässer wurden vorher bewertet, begutachtet und ihr Zustand festgestellt, der sich nicht mehr verschlechtern dürfe. Man untersuchte verschiedene Parameter und gab Beurteilungen nach dem Schulnotensystem ab (siehe Info am Textende). Neben der Struktur sei der Fischbestand ein Kriterium. „Das gesamte Gewässer wird insgesamt mit der schlechtesten Einzelnote eingestuft.“

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Am Weißen Regen wurde in punkto Durchgängigkeit in den vergangenen Jahren viel realisiert. Bei den momentanen Renaturierungsmaßnahmen soll vor allem der Umbau der Struktur im Gewässer greifen. Bei den Triftrutschen im Seebach ist für die Fische ebenfalls kaum ein Durchkommen. „Wir arbeiten daran, die Rutschen Stück für Stück durchgängig zu machen“, schilderte der Sachgebietsleiter. Als man diese Rampen einst instand setzte, hatten bei der Behörde in Sachen Gewässerunterhaltung andere Gesichtspunkte Vorrang. Durch die Hochwasser erhielt jedoch die Ökologie einen höheren Stellenwert. Angedacht ist, den Seebach an ein paar Stellen so umzugestalten, wie dieser vor 200 bis 300 Jahren ausgesehen hat, bevor getriftet wurde. „Die Fische kommen im Übrigen über kleinere Abstürze hinweg. Man muss nicht alles durchgängig machen. Wir haben allerdings nicht vor, die alten Holzrampen bei entsprechendem Verschleiß zu erneuern.“

Wie man dabei vorgehen muss

Bei einem Ortstermin am Schwarzenbacher Steg wurde vor einigen Jahren erörtert, wie vorzugehen sei. „Dabei haben wir beschlossen, die Uferverbauung aufzulösen, um die monotonen Passagen zu beseitigen“, erinnerte Helmut Holzer an die Beratungen. Es wurden Lenkgumpen geschaffen und Steinriegel eingebracht, um verschiedene Strukturen – tiefe Stellen, wo das Wasser langsamer läuft und sich Fische einstellen, Kiesbänke zum Ablaichen etc. – zu erreichen. Das Wasser fließt nicht mehr wie im Schusskanal, was zusätzlich den Sauerstoffeintrag erhöht.

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„Dies ist ein Lebendbauwerk. Was wir gemacht haben, wird nicht dauerhaft so bleiben, nur geschätzte 70 Prozent davon. Es wird sich immer wieder etwas verändern. Im Großen und Ganzen muss man der Natur Zeit geben“, sagt Holzer. Das Ziel seien keine besenreinen Gewässer. Deshalb habe man auch Totholz und einige Wurzelstöcke eingebaut, die zusätzlich ein Vertiefen des Sohlbereichs verhindern. Interessant seien alte Pläne aus der Zeit vor der Holztrift. Da war der Weiße Regen an einigen Stellen, wo er Platz hatte, bis zu 40 Meter breit.

Nach den Renaturierungsmaßnahmen im Jahre 2017 führte man diese im September 2023 Richtung Westen fort. „Wir haben das Ufer abgegraben, damit sich der Weiße Regen bei Hochwasser auf unseren Flächen ausbreiten kann“, beschrieb Helmut Holzer die Maßnahmen am Telefon.

Nicht beabsichtigt war, dass das Wasser bei anhaltenden Regenfällen in ein Privatgrundstück eines Anliegers läuft und zudem den öffentlichen Weg aus Richtung Schwarzenbach, der zum Steg führt, überschwemmt. Daraufhin habe es Beschwerden gegeben, wie die Gemeinde und auch das Wasserwirtschaftsamt bestätigten.

Weg wird wieder hergerichtet

Deshalb trafen sich Bürgermeister Franz Müller, Helmut Holzer und Landschaftspfleger Max Graml im Januar vor Ort zu einer Besprechung. Dabei einigte man sich darauf, auf der gegenüberliegenden Flussseite, wo die Fläche bei einer gemeinsamen Aktion abgeholzt wurde, vom Wasserwirtschaftsamt eine Art Flutmulde mit Tieferlegung des Geländes baggern zu lassen, in die das Wasser laufen könne. Mit dem kiesigen Material will die Behörde den ausgeschwemmten Weg wieder herrichten und etwas erhöhen. Außerdem sei geplant, eine kleinere Fichtengruppe vor dem Weg zu entfernen, damit das Wasser bereits dort in besagte Mulde ablaufen kann.

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„Wir haben es noch nicht umgesetzt, weil wir noch nicht dazu gekommen sind“, so Helmut Holzer. Momentan sei beim Wasserwirtschaftsamt die Gehölzpflege vorrangig. Im Laufe des Frühjahrs starten dann andere Vorhaben, wie die Arbeiten am Schwarzenbacher Steg.

Bei einem Hochwasser in der Intensität wie vor Weihnachten könne jederzeit wieder Wasser aus dem Flussbett heraustreten. „Schließlich liegt das Grundstück des Beschwerdeführers im Überschwemmungsgebiet. Der Wasseraustritt war schon vorher der Fall und kann auch in Zukunft bei einer entsprechenden Wasserhöhe anfallen.“

Beurteilung nach Schulnotensystem: Note 2 wird erwartet

Im Steckbrief des Weißen Regens stand bei der Einführung im Jahr 2000 die Note unbefriedigend – einzig und allein wegen des Fischbestandes. Also sei hier unbedingt eine Verbesserung zu erwirken. Spätestens 2027 werde eine Bilanz gezogen, wobei der Freistaat Bayern erwarte, dass die Noten fünf, vier und drei in Note zwei umschlagen.

kfl