Ausstellung in Bad Kötzting
Werke aus Textilstein: Besondere Kunst von Florian Nörl bereichert derzeit das Foyer der Spielbank

26.05.2024 | Stand 26.05.2024, 19:00 Uhr

Künstler Florian Nörl (3.v.li.) bereichert aktuell mit seinen Werken das Foyer der Spielbank in Bad Kötzting, wozu Christina Scharinger einen einführenden Vortrag hielt. Foto: Spielbank Bad Kötzting

Florian Nörl bereichert aktuell mit seinen Kunstwerken das Foyer der Spielbank in Bad Kötzting. Christina Scharinger hielt zu diesem Anlass einen einführenden Vortrag. Musikalisch wurde die Eröffnung durch eine Grammophon-Performance begleitet, die Florian Nörl selbst auf einem Lido Sound System gestaltet hat.

Florian Nörl, geboren in Burglengenfeld, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Grenzen des Mediums Textil in der bildenden Kunst neu zu definieren. Was gleich beim ersten Betrachten ins Auge fällt, ist die geschickte Kombination von plastischer und bildlicher Ausdrucksweise in den Werken. Das liegt vor allem am einzigartigen Material namens Textilstein, das Florian Nörl selbst entwickelt und benannt hat und als einziger Künstler verwendet – der Name Textilstein ist übrigens inzwischen eine patentierte Wortmarke, so Christina Scharinger.

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Der Künstler verwandelt hierbei fragile Textilien in permanenten Stein. Es werden mehrlagige Stoffrollen in einen Rahmen gelegt, mit einer geheimen Flüssigkeit getränkt und dann gepresst. Anschließend bearbeitet der Künstler die Werke noch einmal, bis er mit diesem zufrieden ist – ein Prozess, der insgesamt mehrere Monate dauert. Die Werke entstehen damit langsam und manches muss der Künstler hierbei geschehen lassen. Zum einen sind die Farben vom Stoff vorgegeben und können nicht nachgemischt werden. Zum anderen hat Textil ein gewisses Eigenleben und lässt sich nicht so sehr an den Willen des Künstlers anpassen, wie etwa Farbe in der Malerei. Weiterhin bearbeitet der Künstler die Werke von hinten − das tatsächliche Ergebnis ist also auch für den Künstler selbst erst Wochen später sichtbar.

Kunst, die „anders ist

Schon hierbei wird erkennbar, dass Florian Nörls Kunst in vielerlei Hinsicht „anders" ist – einzigartiges Material kombiniert mit einem Entstehungsprozess, der in starkem Kontrast zum Zeitgeist von Hektik und sofortigen Ergebnissen steht, so Scharinger weiter ausführend. Die Werke faszinieren schon auf den ersten Blick und auch Freunde des schnellen Kunst-Konsums können sich an den Werken erfreuen − aber belohnt wird vor allem, wer sich auf die Werke einlässt. Die Werke sollten also nicht nur gesehen, sondern auch gefühlt werden.

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Der Fokus liegt bei den abstrakten Werken mehr auf den Interpretationen des Betrachters als auf eine vom Künstler vorgeschriebene Botschaft. In dieser Hinsicht handelt es sich um zutiefst emotionale und persönliche Kunst, für Künstler und auch Publikum.

Das Schaffen von Florian Nörl kann als ein Spiel mit Kontrasten gesehen werden: Aus alten Textilien erschafft er neue Kunst. Aus weichem Stoff lässt er harten Stein werden. In einer Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart gestaltet er einen Remix der Erinnerungen, die den Stoffresten innewohnen.

kht