Geschichte aus der Heimat
Wie die kreative Tätigkeit des Krippenschnitzers Rudi Heigl aus Cham-Katzbach begann

10.12.2023 | Stand 10.12.2023, 11:00 Uhr
Georg Fleischmann

Diese große Hauskrippe von Rudi Heigl soll das Wunder in der Heiligen Nacht darstellen. Fotos: Georg Fleischmann/ Archiv

Einfacher geht es nicht, wenn man im Leben das verwirklichen kann, was einem Menschen mit in die Wiege gelegt wurde. Bei Rudi Heigl war es so.

Am Ziegeleiweg in Katzbach war er mit seiner Familie zu Hause und übte den Beruf als Maurer aus. Doch das war nicht alles in seinem so kurzen Leben. Schon als kleiner Junge begann er an der Seite seines Vaters mit der Hand und mit den einfachsten Mitteln zu schnitzen und mit einem gewöhnlichen Schnappmesser Holz zu formen und zu gestalten. Krippenfiguren faszinierten ihn immer am meisten.

Nur ein Schnappmesser

Es vergingen dann viele Jahre, in der Zwischenzeit übte er den Beruf als Maurer aus, bis er sich allmählich als Ausgleich immer mehr seinem hölzernen Hobby, dem Schnitzen, widmen konnte. Nur mit einem gewöhnlichen Schnappmesser entstanden nun mühevoll und mit viel Geduld die ersten Krippen und ihre Figuren.

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1963 kam dann die künstlerische Wende, die man zu damaliger Zeit auch fortschrittlich nennen konnte. Rudi Heigl legte sich das erste Schnitzmesser zu und verlagerte seine bis dahin kleine Werkstatt in der Wohnstube in eine ruhige Dachkammer. Hier konnte er nun sein Talent als Hobbyschnitzer und seine reiche Kreativität voll entfalten.

Und so saß er nun alle Jahre ab Herbst, wenn die Maurerarbeiten beendet waren, bis zum Frühjahr in seiner Schnitzer-Stube und verwirklichte seine künstlerischen Ideen, die ihm den ganzen Sommer zugeflossen sind.

Wer ihn beim Schnitzen beobachten konnte, musste feststellen, dass Rudi Heigl in diesen Stunden voller Schweigen war und mit freudigem Herzen seinen Gedanken Formen verlieh. Hatte in seiner Fantasie eine Figur Gestalt angenommen, so benötigte er bis zu zwei Tage zu ihrer Fertigstellung. Für eine Weihnachtskrippe brauchte er bis zu einem Monat. Und so wurde Rudi Heigl ganz von selbst zum „Katzbacher Krippenschnitzer“. Wen wundert es, dass Rudi Heigl bei den damaligen Krippenausstellungen in der Pfarrei St. Josef in Cham immer aktiv dabei war und der Pfarrkirche St. Josef im Jahr 1969 eine seiner ersten Krippen schenkte. Der damalige Pfarrer Walter Paul war über dieses Geschenk hocherfreut, durfte jedoch das damalige Weihnachtsfest durch seinen plötzlichen Tod nicht mehr erleben. Die Krippe wird seitdem alle Jahre in der Pfarrkirche St. Josef aufgestellt. Rudi Heigl hatte sich längst als Krippen-Schnitzer einen Namen gemacht. An vielen Ausstellungen nahm er teil und brachte dabei seine vielseitigen Ideen ein.

Er war auch eines der ersten Mitglieder des Krippenvereins, der 1983 gegründet wurde. Rudi Heigl konnte schon lange nicht mehr alle Krippenaufträge erfüllen, die an ihn herangetragen wurden. Die Winterzeit und sein aufgesparter Jahresurlaub reichten nicht aus, um alle Anfragen zu erfüllen.

Sein Wunsch blieb unerfüllt

Einen großen Wunsch hegte Rudi Heigl schon seit vielen Jahren. Er wollte eine Jahreskrippe bauen, wozu er schon konkrete Vorstellungen hatte. Angefangen von der Herbergssuche und der Geburt Christi sollten sämtliche biblischen Jahresereignisse gezeigt werden. Dazu war auch bereits ein Raum im eigenen Wohnhaus vorbereitet. Doch dieses Vorhaben konnte nicht mehr verwirklicht werden. Ein tödlicher Arbeitsunfall beendete jäh sein Leben.

Wenn nun jedes Jahr an Weihnachten die vielen Krippen, die Rudi Heigl geschaffen hat, aufgestellt werden, so lebt Rudi Heigl darin weiter, besonders in seiner Familie, die noch einige davon besitzt. Vor allem die Hauskrippe, die Rudi Heigl im Jahr 1977 geschaffen hatte, fand immer große Bewunderung. Auch viele Jahre nach seinem Tod war seine Werkstatt noch aufgeräumt, als wäre gerade Feierabend geworden.

Die Schnitzmesser und Werkzeuge lagen wie immer schön geordnet auf einer Ablage, und ein Schäflein – für eine Krippe gedacht – stand halbfertig auf dem Arbeitstisch. Rudi Heigl hatte damit im August 1994 begonnen, konnte es jedoch nicht mehr fertigmachen. Der Tod nahm ihm noch im gleichen Monat durch einen Arbeitsunfall das Schnitzmesser viel zu früh aus der Hand.