Frühere Bärenhöhle
Wunschtraum erfüllt: Neue BRK-Senioren-Wohngemeinschaft in Arnschwang erhielt Segen

21.02.2024 | Stand 21.02.2024, 19:05 Uhr

Bürgermeister Michael Multerer (2. v. r.) freute sich über die Segnung durch Pfarrer Joseph Kata (r.) und die Grußworte von Landrat Franz Löffler (3. von rechts), BRK-Kreisvorsitzendem Theo Zellner (3. von links) sowie Erik Bergner vom Amt für Ländliche Entwicklung Oberpfalz (2. v. l.). Mit auf dem Bild ist BRK-Kreisgeschäftsführer Manfred Aschenbrenner (links). Fotos: Frank Betthausen, BRK

Eines hörte Bürgermeister Michael Multerer immer wieder, wenn er Bürger seiner Gemeinde in den Pflegeheimen der umliegenden Städte besuchte: Wie schön es gewesen wäre, wenn sie länger in ihrem Heimatort hätten bleiben können. Arnschwangs Bürgermeister ließen diese Eindrücke keine Ruhe. Er kam mehr und mehr zu der Überlegung, in seiner Kommune eine ambulant betreute Senioren-Wohngemeinschaft gründen zu wollen.

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Am Montagnachmittag erfüllte sich sein Wunsch. Die Einrichtung erhielt bei der Eröffnung den kirchlichen Segen durch Pfarrer Joseph Kata. Die Veranstaltung fand im großen Saal des markanten Neubaus statt, der in den zurückliegenden Monaten für rund vier Millionen Euro in der Chamer Straße entstanden war – an der Stelle, an der einst das Gasthaus Bärenhöhle gestanden hatte. Vor den Gästen zog Multerer hochzufrieden einen Bilanzstrich unter das „sinnvolle, wertige“ Projekt.

Hohe Zuschüsse erhalten

„Wir haben nachhaltig gedacht. Alles, was hier entstanden ist, sollte uns überstehen“, meinte der Bürgermeister, der dem Amt für Ländliche Entwicklung, vertreten durch den stellvertretenden Leiter Erik Bergner, für die „unkomplizierte, zügige und kollegiale Begleitung“ dankte. Über die Förderinitiative „Innen statt Außen“ – sie hat zum Ziel, Leerstände zu beseitigen und Ortskerne wiederzubeleben – flossen 2,75 Millionen Euro Zuschüsse nach Arnschwang.

Das Gemeindeoberhaupt wollte „einen Ort schaffen, wo ältere Menschen bleiben, wo sie wohnen und heimisch werden können – und wo sie trotzdem 24 Stunden pro Tag, sieben Tage die Woche die volle Betreuung einer Pflegeeinrichtung erfahren können“. Eine Bleibe, die den Bewohnern soziale Kontakte sichert, ihnen aber gleichzeitig das Recht auf Privatsphäre garantiert.

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Multerer erinnerte augenzwinkernd an den nicht immer geraden Weg zum Projekterfolg. Einein erstes Grundstück hatte die Kommune 2015 gekauft. Die Zeit war noch nicht reif. Er blendete zurück in eine Phase, in der er eine weitere Immobilie in der Nähe des heutigen Standorts ins Auge gefasst hatte – mit der späteren Erkenntnis, dass sich die Zufahrtsfrage nicht lösen ließ. Und: Multerer ging auf den Tag ein, an dem er sich mit Eigentümer Peter Mühlbauer auf den Kauf der Bärenhöhle einigte.

Ab diesem Zeitpunkt nahmen die Pläne Fahrt auf – auch und gerade durch den Austausch mit dem Amt für Ländliche Entwicklung. Doch die Sanierung des Gebäudes ließ sich nicht verwirklichen, die Kostenkalkulation schoss in die Höhe. „Irgendwann stand fast die gleiche Summe wie für einen Neubau im Raum – mit allen Unwägbarkeiten, die ein Altbau noch gebracht hätte“, sagte Multerer, der seinem Gemeinderat für die Bereitschaft dankte, die Reißleine zu ziehen. „Wir haben umgeswitcht“, meinte der Bürgermeister.

So entstand in der Chamer Straße ein modernes, neues Gebäude, in dem im ersten und zweiten Stock die WG des BRK ihren Platz fand – mit zwölf Einzelzimmern, zwei Gemeinschaftsräumen, einer großen Küche und einer Dachterrasse.

Im Erdgeschoss schufen die Planer Räume für die Allgemeinheit und Gemeindezwecke. Im großen Saal sorgt die Gruppe „Zusammen aktiv bleiben“ mit Fanny Ketterl und Maria Münch für Leben – und auch der Betrieb im Friseur-Salon Hair Flair von Steffi Meindl läuft längst wieder. Im kleineren Saal sollen künftig die Kurse der Volkshochschule stattfinden. Dadurch tut sich in der Grundschul-Aula die Möglichkeit auf, die Räume für die Ganztagsbetreuung zu nutzen.

Landrat Franz Löffler bezeichnete die demografische Entwicklung in seinem Grußwort als „ein Top-Thema unserer Zeit“ und verwies darauf, dass die über 80-Jährigen die am stärksten wachsende Personengruppe in Deutschland seien. „Die Menschen werden Gott sei Dank älter – und dafür müssen wir Antworten finden“, betonte der CSU-Politiker. Ambulant betreute Senioren-Wohngemeinschaften wie in Arnschwang sah er als gelungenen Zwischenweg zwischen häuslichen und stationären Wohnformen.

BRK-Kreisvorsitzender Theo Zellner sagte: „Arnschwang und das Rote Kreuz – das passt. Das ist ein starkes Stück Heimat.“ Zellner trat dafür ein, Senioren als Gesellschaft „eine Wohlfühlatmosphäre“ zu geben, sie „mit hineinzuzunehmen“ und für sie im Alter ein Stück Heimat zu schaffen. Das sei über den Neubau in Arnschwang – „ein echtes Gemeinschaftshaus“ – gelungen. Den Verantwortlichen der Gemeinde gab der Altlandrat das Versprechen, dass das BRK – in Arnschwang entstünden zwölf hochqualifizierte Arbeitsplätze – ein guter Partner sein werde.

Herausragendes Projekt

Bergner vom Amt für Ländliche Entwicklung bezeichnete das Neubau-Projekt als „ein herausragendes“. Der Kommune bescheinigte er, beim Förderprogramm alles richtig gemacht zu haben. „Die Gemeinde war dran und ist auch dran geblieben“, erklärte er und bezeichnete die Förderung in Höhe von 2,75 Millionen Euro als „Riesensumme“ – auch für seine Behörde. Allein im Landkreis Cham liefen im Augenblick 17 Vorhaben in elf Gemeinden. „Weitere Projekte sind geplant. Und egal, ob das in Stamsried, Runding, Pösing oder Pemfling ist: Wir sind gut aufgestellt“, meinte Bergner.