Pastoralbesuch
Bischof Voderholzer war im Dekanat Kelheim – Gottesdienstangebot besorgt die Gläubigen

21.09.2023 | Stand 21.09.2023, 17:46 Uhr |

Diözesanbischof Rudolf Voderholzer besuchte auch das Fairhandelszentrum in Langquaid. Martin Haltmayer Fotos: Haltmayer

Mit einem Besuch in der Einsiedelei Frauenbründl begann der zweitägige Pastoralbesuch von Bischof Rudolf im neustrukturierten Dekanat Kelheim. Mit den weiteren Stationen bei der Caritas-Tagespflege in Bad Abbach, beim Fairhandeszentrum in Langquaid, der Besichtigung von Schloss Wildenberg und einiger Örtlichkeiten in Kelheim konnte der Oberhirte viele Eindrücke gewinnen.

Durch den Tag des offenen Denkmals, bei dem gut 1000 Besucher die alte Schlossanlage förmlich stürmten, war das Schloss Wildenberg wieder in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. Das Schloss wird durch den Stiftungsrat mit dem Stiftungsvorstand Wolfgang Brich verwaltet. Dieser nahm mit Bürgermeister Winfried Roßbauer und Altbürgermeister Erwin Filser den bischöflichen Tross in Empfang und führte die Delegation durch die Räumlichkeiten mit der erstaunlich gut erhaltenen Bausubstanz.

Besuch im Schloss

Natürlich hielt sich die Gruppe lange in der Schlosskapelle, im Raum mit den alten, wertvollen Messgewändern und dem nun als Trauungszimmer genutzten großen Raum mit dem herrlichen Blick über Wildenberg bis hin zum Pfarrdorf nach Pürkwang auf.

Bischof Rudolf Voderholzer zeigte sich beeindruckt von der Schlossanlage und dem Konzept: „Ich finde es schön, dass die Stiftung dieses Objekt behalten und einer verträglichen Nutzung zuführen will. Ich habe Respekt vor den Verantwortlichen!“ Nach dem Rundgang wurde der Bischofstross von den Helfern von Stiftungsvorstand Wolfgang Brich in den Schlosshof zu Kaffee und Kuchen eingeladen.

Bischof Rudolf beendete den ersten Tag seines Dekanatsbesuches mit einem Pontifikalamt in der Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt. Nach dem Gottesdienst fand im „Haus der Begegnung“ ein Austausch mit rund 80 mitfeiernden Priestern und Diakonen sowie den Vertretern aus den Pfarrgemeinderäten und Kirchenverwaltungsmitgliedern der Pfarreien statt.

Hier brachten einige Verantwortliche aus den Pfarreien des Dekanates, wie die Pfarrgemeinderatssprecherin Martina Rott aus Painten, ihre Sorgen um das reduzierte Angebot an Sonntagsgottesdiensten in den Pfarreien und vor Ort in den gewohnten Kirchen vor. Denn einen Gottesdienst-Tourismus, wie er auch vorgeschlagen wird, würden sie ablehnen. Dem pflichtete Hans Stark aus Saal a.d. Donau bei, der launig bei der Pastoralreform Parallelen zum Wirtshaussterben sieht, bei dem man dann doch einen Gottesdienst-Tourismus in Kauf nehmen wird.

Dekan Georg Birner aus Abensberg meinte, dass die Pfarreien, wenn sich die Zahl der Seelsorgestellen ab 2034 auf dann zwölf im ganzen Dekanat Kelheim reduzieren würde, entgegen einer anderslautenden Verlautbarung sehr wohl stark von dieser Pastoralreform betroffen sein würden. Die Menschen treibe die Sorge um die Feier von sonntäglichen Gottesdiensten vor Ort um, weil die Kirche am Ort immer ein Stück Heimat für sie ist.

Der Bischof sagte, dass diese Pastoralreform mit großer Offenheit kommuniziert wurde um zu erreichen, dass sie von allen Beteiligten mitgetragen wird. Das Bistum, so Bischof Rudolf, wolle künftig auch die Pfarrer – so weit es geht – von reinen Verwaltungsaufgaben entbinden, wobei auch der Einsatz von Verwaltungskoordinatoren und auch die Anwendung von Geschäftsführungsmodellen angedacht sind. In seiner Predigt, die er unter das Thema „Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt“ aus der Bergpredigt gestellt hatte, hatte Bischof Rudolf an die Mitfeiernden und an die Bereitschaft zu einer dienenden Kirche mit den Worten appelliert: „Ihr Christen seid ebenso wie das Salz durch nichts zu ersetzen!“

Bischof Rudolf rief dazu auf, auch die Gottesdienste in den Nachbarorten zu besuchen, weil Christen ja auf der ganzen Welt eine Gemeinschaft sein würden. Dabei müsse man das vielfach vorhandene, bisherige Kirchturmdenken zurückstellen, denn die Feier des Sonntagsgottesdienstes sei für ihn oberstes Gebot eines Christen.

Begleitet von Regionaldekan Thomas Stummer aus Neustadt a.d. Donau und Dekan Georg Birner aus Abensberg, Stadtpfarrer Reinhold Röhrner aus Kelheim und vielen Priestern des Dekanates war Bischof Rudolf vorher vom renovierten Kelheimer Pfarrhaus aus in die benachbarte Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt eingezogen. Unter den Gottesdienstbesuchern befanden sich viele pastorale Mitarbeiter sowie Vertreter aus den Pfarrgemeinderäten und Kirchenverwaltungsmitgliedern der Pfarreien. Stadtpfarrer Reinhold Röhrner hatte Bischof Rudolf in der Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt in Kelheim begrüßt.

Bischof Rudolf bedankte sich für die herzliche Begrüßung und gab seiner Freude Ausdruck, dass er in der Stadtpfarrkirche in Kelheim seinen Weg hinein ins Bistum fortsetzen kann und zusammen mit den Priestern, Diakonen, pastoralen Mitarbeitern und den Ehrenamtlichen, die sich in den Pfarrgemeinderäten und Kirchenverwaltungen engagieren, als Höhepunkt dieses Dekanatsbesuches diesen Gottesdienst feiern kann.

Lob für fairen Handel

Auf seiner dritten Station besuchte der Bischof mit seinen Begleitern das Fairhandelszentrum in Langquaid. Dabei kam es zu einem Gespräch mit den Verantwortlichen des Trägers der Einrichtung, dem Verein „Solidarität in der Einen Welt“ und dessen Mitarbeitern.

Bischof Rudolf würdigte das Engagement des Vereins mit den Worten: „Bei Ihrem Bemühen um den Verkauf dieser fair gehandelten Waren rennen Sie bei mir offene Türen ein. Dies wäre auch ein Ansatz und eine Möglichkeit, Fluchtursachen zu vorzubeugen oder zu bekämpfen.“

In Langquaid, so Leiterin Magdalena Mühldorfer, läuft es gut: „Es hat sich rumgesprochen, dass wir hier sind. Es kommen viele aus Langquaid, die Geschenke einkaufen.“

Auch Bischof Rudolf schnappte sich einen Einkaufskorb und ging, begleitet von der Angestellten Margit Meier durch die Regalreihen, in denen von Schokolade über Brotaufstriche, Säfte, Gewürze, Weine bis zu fair gehandeltem Kaffee ein großes Angebot vorhanden ist.