Penibel wird alles aufgezeichnet
Ein Vierteljahrhundert als „Wetterfrosch“: Stefan Stummers Blick in den Himmel

26.02.2024 | Stand 26.02.2024, 15:28 Uhr

Bald messen sie das 9000.Mal: Wetterfrosch Stefan (li.) und Richard Stummer an der Messstelle am Kandinskyweg Foto: Stummer



Stefan Stummer aus Langquaid beobachtet seit 25 Jahren das lokale Wetter und blickt auch auf das Jahr 2023 zurück.


Seit dem 18. Jahrhundert gibt es in Deutschland Wetterbeobachung mit System. Die erste Wetterstation wurde 1780 zu diesem Zweck auf dem Hohen Peißenberg errichtet, der erste Wetterbericht aus dem Jahre 1820 ist dem Breslauer Professor Heinrich Wilhelm Brandes zu verdanken und seit 1929 sind Wetterkarten regelmäßig in Zeitungen zu finden. Seit 2000 beobachtet der Langquaider Stefan Stummer – also fast sein halbes Leben lang – tagtäglich die örtlichen Wettererscheinungen und sendet die Niederschlagswerte per WhatsApp zum Deutschen Wetterdienst (DWD) nach Offenbach. Am vergangenen Mittwoch um 7 Uhr hat er – mit tatkräftiger Unterstützung seines in unmittelbarer Nachbarschaft wohnenden Vaters – zum 8830. Mal den Niederschlägen und Temperaturen seine frühe Aufmerksamkeit geschenkt und diese penibel aufgezeichnet.

Einblick für Interessierte

In einer Schautafel am Rande der „Wetterwiese“ in Pfaffenlehen kann jeder Interessierte Einblick in das meteorologische Leben des menschlichen Wetterfrosches nehmen.

Seine Hauptaufgabe ist das tägliche Festhalten der Niederschlagswerte, wozu neben Regen, Hagel, Graupel auch Tau und Raureif und natürlich der in unseren Lagen seltener gewordene Schnee zählen. Noch nicht einmal drei Monate ist es allerdings her, als von Stefan Stummer am 3. Dezember die rekordverdächtige Schneehöhe von 32 cm gemessen wurde. Tatsächlich nur ein einziges Mal wurde von ihm in seiner Amtszeit mehr registriert, nämlich am 17. Dezember 2010 mit 36 cm. Das Jahr 2010 mit seinem Bilderbuchwinter gilt als schneereiches Jahr und wies über Wochen hinweg – vom 2. Januar bis zum 27. Februar und vom 29. November bis 13. Januar 2011 – eine geschlossene Schneedecke bis zu 30 cm oder sogar bis zu 36 cm auf. „Ski und Rodel gut“ hätte es damals auch bei uns lauten können und Schulen hätten ihr Skilager diesbezüglich auch vor Ort durchführen können. Wer Auskunft über das Langquaid-Wetter des vergangenen Vierteljahrhunderts haben möchte, wird bei Statistik-Freak Stefan Stummer mit Sicherheit fündig. Sogar bei Versicherungsfällen werden seine Aufzeichnungen herangezogen, wenn beispielsweise das Wetter bei einem Unfall eine Rolle gespielt haben könnte. Manchmal wird er auch in die Rolle des „Wetterpropheten“ gedrängt, wenn ein Landwirt, Gärtner, Dachdecker oder Bademeister gerne eine (sichere) Vorhersage für die nächsten Tage hätte. Aufgrund seiner immensen Erfahrung liegt er dann – allerdings ohne Gewähr – häufig richtig.

Niederschlagsreiches 2023

Offizielle Wettervorhersagen werden auch nach Ansicht des örtlichen Experten immer genauer und zutreffender, obwohl Wetter mehr denn je ein chaotischer Prozess ist. Der Klimawandel trägt sein Übriges dazu bei und setzt Jahrhunderte alte, zum Teil immer noch geschätzte Bauernregeln noch mehr außer Kraft. Für das Jahr 2023 stützt sich der lokale Wetterbeobachter auf gesammelte Fakten: Demnach hatte das letzte Jahr den 24-jährigen Niederschlags-Mittelwert von 735 mm auf dem Quadratmeter um 150 mm, also um 20 Prozent übertroffen. Nur in den Jahren 2001 (900 mm), 2002 (963 mm) und 2007 (940 mm) hat es in diesem Jahrtausend mehr „geregnet“. Der feuchteste Monat beziehungsweise Tag sind nach den Stummer'schen Aufzeichnungen im abgelaufenen Jahr der August mit 151 Liter und der 3. Februar mit 35 Liter gewesen, was dem Monatshöchstwert im letzten Vierteljahrhundert mit 155 Liter im Juni 2013 recht nahe kommt. Der feuchteste Tag des Vorjahres war der 3. Februar mit 35 Liter. Überaus trocken zeigten sich die Monate September mit 19,4 Liter und Januar mit 19,7 Liter.

Natürlich liefert das Wetter-Tagebuch des 53-jährigen Langquaiders auch Temperatur-Daten. Von prognostizierten 40 °C blieb man jedoch im Markt ein Stück weit entfernt. Der wärmste Tag des vergangenen Jahres war der 15. Juli mit 36 °C, das Gegenstück lieferte der 4. Dezember mit frostigen -14 °C. Im ganzen Jahr 2023 war es das einzige Mal, dass die Temperatursäule auf unter -10 °C sank.

Wer will, kann ja in den nächsten Monaten einige Februar-Bauernregeln auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüfen. Angeblich hat das Wetter vor allem im Zeitraum zwischen dem 20. und 23. Februar eine große Bedeutung für die Folgewitterung. „Wenn der Hornung (Februar) warm uns macht, friert's im Mai noch oft bei Nacht.“ - „Felix und Petrus (21. Februar) zeigen an, was wir vierzig Tag' für Wetter ha'n.“ - „Wenn neues Eis Matthias (24. Februar) bringt, so friert's noch vierzig Tage. Wenn noch so schön die Lerche singt, die Nacht bringt neue Plage.“