Ein Verein klärt auf
Wasser sparen, Grundwasser schützen: Gewässerschutz fängt im eigenen Garten an

13.06.2024 | Stand 13.06.2024, 15:00 Uhr |

Viele Menschen nutzten das Angebot, auch aus anderen Ecken des Landkreises. Foto: Pirkl

In Neustadt/Donau war der VSR-Gewässerschutz e.V. vor Ort –Viele nutzten die Gelegenheit, um ihr Brunnenwasser testen zu lassen.

Die Wasserflasche verschwindet im Kasten. Sie ist nummeriert und ihr Inhalt ist nicht zum Trinken da – wenngleich es vielleicht sogar möglich wäre. Der Infostand des VSR-Gewässerschutzes ist zum ersten Mal im Landkreis zu Gast. Dabei engagiert sich die gemeinnützige Umweltschutzorganisation bereits seit über 40 Jahren für den Schutz des Grundwassers. An diesem Tag können die Bürger ihr Brunnen- oder Teichwasser zum Testen vorbeibringen. Harald Gülzow und Georg Stüker nehmen die Flaschen an, beraten, welche Laboruntersuchung jeweils in Frage kommt. Wollen sie mit ihrem Brunnenwasser nur Blumen gießen? Soll es fürs Planschbecken verwendet werden? Wird es ins Haus zum Duschen zurückgeleitet, fließt es in einen Teich? Oder will man es gar trinken?

Zum Trinken geeignet?

Heinrich Prücklmeier aus Staubing könnte sich das gut vorstellen. Sein Haus war zwar nicht vom Hochwasser betroffen, aber in seinem Brunnen erhöhte sich der Grundwasserspiegel nach dem Dauerregen und dem Hochwasser. Den acht Meter tiefen Brunnen auf seinem Hof, auf dem schon seine Vorfahren lebten, gebe es bestimmt seit 80 Jahren. „Das ist ein ganz klares Wasser“, sagt er und hält die abgefüllte Flasche hoch. Nun möchte er wissen, ob es irgendwelche Bakterien im Brunnen gibt. Die .79 Euro, die er für die Laborüberprüfung zahlen soll, die nimmt er gerne in Kauf, „das ist es mir wert“. Mit dem Brunnenwasser wässert er schon immer seine Pflanzen. Wenn er es künftig auch trinken könnte, fände er das prima. In zwei bis drei Wochen wird er es wissen, denn seine Probe wird in ein Labor geliefert, ausgewertet, die Ergebnisse erhält er per Post.

Lesen Sie auch: Vier Generationen im Hotel Eisvogel in Bad Gögging – Es begann in einer alten Scheune

Viele nutzen das Angebot, nicht nur aus Neustadt und Umgebung kommen die Menschen, sondern auch aus anderen Ecken des Landkreises: „Ich bin extra hergefahren, weil ich wissen wollte, ob da irgendwelche Bakterien drinnen sind. Ich gieße mit dem Brunnenwasser mein Gemüse“, sagt eine Bad Abbacherin. Eine andere Frau kommt aus Hienheim. „Die Grube war früher eine Klärgrube, ist aber schon sehr lange stillgelegt. Wir gießen immer mit dem Wasser das Gemüse.“ Aber jetzt hatte ihr Mann doch etwas Bedenken, deshalb ist sie mit einer Probe nach Neustadt gekommen. Bald bildet sich eine Schlange vor dem Infostand am Neustädter Kirchplatz

„Das Interesse ist da“, bestätigt Gülzow. Etwa 10.000 Proben werden pro Jahr ausgewertet, je nach Standort kämen bis zu 180 Menschen, um ihr Wasser testen zu lassen.

Vor allem das Nitrat sei eines der Hauptthemen in der Region. Nitrat ist im Dünger und für das Wachstum der Pflanzen notwendig. Ist die Nitratkonzentration aber zu hoch, ist das Wasser nicht zum Trinken geeignet, auch zum Befüllen eines Planschbeckens oder eines Teichs ist es dann nur eingeschränkt verwendbar.

Auswertung veröffentlichen

Und auch beim Gießen ist es wichtig, den Nitratgehalt zu kennen. Getestet werden kann unter anderem auch der Säure- oder Salzgehalt. Vor allem aber, wer sein Gemüse wässert, den interessiert, ob das Brunnenwasser mit coliformen Keimen und E-coli, verursacht durch Oberflächenwasser, eben nach Starkregen, verunreinigt ist.

Auch das könnte Sie interessieren: Irnsinger wollen wieder „ihr“ Wasser haben – Suche nach der Ursache hat ein klares Ergebnis

In zwei bis drei Wochen wissen alle, die ihr Wasser nach Neustadt mitgebracht hatten, ob es zum Gießen oder gar zum Trinken verwendet werden kann. Wenn es belastet ist, können die Brunnenbesitzer anhand einer Checkliste herausfinden, woher die Verunreinigung kommen könnte und sie dann beheben. Die gesammelten Ergebnisse wiederum wird der Verein auch nach einer Auswertung veröffentlichen.

Für sauberes Grundwasser und gegen Verschwendung: Das ist der VSR-Gewässerschutz:

Vereinsziel: Der Verein möchte die Belastungen aus Landwirtschaft und Industrie im Grundwasser verringern und die Grundwasserneubildung erhöhen. Mit dem Labormobilen kommt der Verein in die Städte und redet mit den Bürgern vor Ort. Mit den Messergebnissen setzt sich der Verein für eine Verbesserung der Wasserqualität ein. Auch über Wassersparen wird informiert.

Abkürzung: Der VSR-Gewässerschutz entstand aus verschiedenen Bürgerinitiativen im Rheineinzugsgebiet. Der damalige Name „Verein zum Schutze des Rheins und seiner Nebenflüsse“ beschrieb sein Programm. Heute engagiert sich der Verein in ganz Deutschland. In Anlehnung an die Wurzeln wurde das VSR in den Namen aufgenommen. Infos auf www.VSR-Gewaesserschutz.de