„Aaron hat mir das Leben gerettet“
Wie viele Tiere sind genug? Eine Tierfreundin aus Neustadt erzählt

17.06.2024 | Stand 17.06.2024, 19:00 Uhr |

Margit Nachreiner mit „Ayla“ und „Sheila“, zwei Herdenschutzhunden: Meist sind die beiden Hunde auf dem Grundstück unterwegs. Für den Reporter posieren sie auch mal vor der Kamera. Fotos: Dannenberg

Von Jochen Dannenberg

Marching. Ein Hund oder eine Katze? Oder doch lieber zwei Hunde? Wie viele Tiere kann man halten? Eine Frau ist überzeugt: Es dürfen auch viele sein. Wobei es auch für sie eine Grenze gibt. Die Tierliebhaberin aus dem Neustädter Ortsteil erzählt.

Es war schlimm, was Margit Nachreiner aus Marching am vorigen Donnerstag vor ihrer Haustür erlebte. Vor ihrem Haus lag ein ausgewachsener Igel, schwerst verletzt. „Das Gesicht war weggeschnitten, ein Bein fehlte“, erzählt die 60-Jährige dem Reporter, für die es anschließend kein Halten mehr gab. Das Tier lag schwer verletzt am Rand der kleinen Nebenstraße, die Verletzungen konnte sich der Igel nicht selbst beigebracht haben. Doch einen Verursacher konnte Margit Nachreiner nicht ausmachen.

Kurzentschlossen packte sie das Tier deshalb in ein Handtuch und fuhr mit dem Igel zum Tierarzt. Der konnte nicht mehr viel tun, der Igel wurde eingeschläfert. Die Kosten übernimmt die Wildtierhilfe.

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„Ich war völlig aufgeregt“, gestand die Marchingerin anschließend dem Reporter. Immer wieder sehe man Igel, die auf Straßen von Autos platt gefahren werden. Aber so unmittelbar wie sie wird man nur selten Zeuge eines Wildunfalls. „Der Igel lebte ja noch“, sagt die 60-Jährige.

Schicksale wie dieses lassen sie nicht los. Und: Margit Nachreiner liebt Tiere. Das ist die Kombination, die bei der gebürtigen Neustädterin zu einer Menge an Tieren geführt hat, die man fast schon als Zoo bezeichnen könnte. Auf dem 1200 Quadratmeter großen Grundstück zwitschern nicht nur ungezählte Vögel. Es sind auch mehrere Hühner, zwei Schafe und drei Hunde unterwegs.

Ausgleich zur Arbeit



Seit bald 30 Jahren lebt Margit Nachreiner in Marching. Das Grundstück hatte sie sich extra gekauft, um auch Platz für Tiere haben zu können, sagt sie. Die Tiere sind mehr als nur ein Zeitvertreib für die 60-Jährige. 40 Jahre hat sie nämlich bei einem großen Automobilhersteller gearbeitet, davon zuletzt 30 Jahre in der Nachtschicht. „Ich war immer ganz froh, wenn ich nach all dem Dreck und Gestank in der Fabrik nach Hause kam und dort meine Ruhe hatte.“

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Am Anfang hatte sie nur einen Hund. Dann, auch aufgrund des verfügbaren Platzes, wurden es mehr Tiere. Irgendwo hatte Margit Nachreiner gelesen, dass jemand Hasen verschenkte. Also zogen die Mümmelmänner bei ihr ein. Hühner und andere Tiere folgten. „Ich habe nie dafür gesorgt, dass sich die Tiere vermehren. Ich habe nur die genommen, die anderswo übrig waren und die keiner mehr haben wollte. Viele Tiere haben mir einfach Leid getan, weil sie jemand loshaben wollte.“

„Die Tiere sind meine Kinder“, stellt die frühere Produktionsarbeiterin fest, die seit kurzem im Vorruhestand lebt. Dabei geht es zu wie sonst auch im Leben. Es ist nicht nur mit Füttern getan. Irgendwas passiert immer. Immer wieder muss ein Tier zum Arzt und dafür werden in Einzelfällen schnell vierstellige Beträge fällig.

Das ist eine der Grenzen, die Margit Nachreiner sieht, wenn man sie fragt, wo denn die Tierliebe an ihre Grenzen stößt. „Noch“, sagt sie, „kann ich mir das leisten.“ Aber, sagt sie weiter, sie werde auch älter. Irgendwann könne sie die Tiere nicht mehr versorgen. Gerade erlebt die 60-Jährige diese Situation bei einer Bekannten, die allerdings deutlich älter ist.

Feuer vernichtete das Haus



Allerdings – und das macht die Situation nicht einfacher – gibt es auch eine Bande, die mehr ist als der Ausgleich von der Arbeit in der Fabrik: Vor fünf Jahren, Margit Nachreiner war gerade von der Nachtschicht nach Hause gekommen und hatte sich erschöpft zum Schlafen gelegt, brannte plötzlich ihr Haus.

„Aaron“, ihr damaliger Hund, bemerkte den Rauch, schlug an und rettete damit sein Frauchen. „Aaron hat mir das Leben gerettet“, sagt die 60-Jährige. „Ohne ihn würde ich nicht mehr leben.“ Das Haus selbst wurde bei dem Feuer völlig vernichtet und später durch einen Neubau ersetzt.