Urteil in Neumarkt
Crystal-Süchtiger wegen Drogenbesitzes verurteilt – Letzte Warnung vom Amtsrichter

20.02.2024 | Stand 20.02.2024, 19:00 Uhr
Dagmar Fuhrmann

Ein Süchtiger stand am Dienstag vor dem Neumarkter Amtsgericht. Er muss eine Geldstrafe zahlen. Foto: Wolfgang Endlein

Außer einer Geldstrafe bekam dieser Angeklagte vor dem Amtsgericht Neumarkt auch einen sehr wohlmeinenden Rat des vorsitzenden Richters mit auf den Weg. Er möge sich dringend in Therapie begeben, riet ihm Rainer Würth. Denn sonst werde es künftig Freistrafen hageln.

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, vertreten durch Thomas Leykam, lautete Besitz von Betäubungsmitteln in zwei Fällen. Es handelte sich um Methamphetamin, besser bekannt als Chrystal Meth. Im November hatte die Polizei in einem Fall ein Gramm und in einem anderen Fall 0,7 Gramm bei dem 35-Jährigen Angeklagten gefunden. Richter und Angeklagter machten es kurz: „Ist das richtig oder nicht richtig?“, wollte Würth wissen und bekam ein „Ja, ist richtig“ zur Antwort.

Im Mittelpunkt der Verhandlung stand dann auch weniger die Straftat als vielmehr die Sucht des Angeklagten. Würth zeigte sich davon überzeugt, dass vor ihm kein Krimineller sitze, sondern jemand, der dringend seine Sucht in den Griff bekommen müsse. Der Angeklagte beteuerte, dass er noch nie gedealt habe, sondern eben süchtig sei.

Bisher habe er nur halbherzig versucht, seine Sucht in den Griff zu bekommen, mehr als über eine Anfrage bei der Diakonie seien seine Bemühungen nicht hinausgegangen. Eine stationäre Therapie habe er bisher nicht machen wollen, weil er Angst um seinen Arbeitsplatz habe.

Würth und Leykam erklärten dem Angeklagten, dass eine Therapie wie eine Krankschreibung sei – im Gegensatz zu Freiheitsstrafen. Die würden zum unweigerlichen Verlust des Arbeitsplatzes führen. Noch sei der 35-Jährige strafrechtlich nicht sonderlich vorbelastet und könnte sein Leben endgültig in den Griff bekommen. Geahndet wurden die beiden Taten mit einer Geldstrafe von insgesamt 1750 Euro.